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Palliativpflege: Was bedeutet das?

Palliativpflege: Pfleger hält Frau die Hände
© Chinnapong / Shutterstock
Die Palliativpflege, die Pflege eines Patienten an seinem Lebensende, ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Palliativpflegekräfte arbeiten dafür in interdisziplinären Teams, die sowohl die medizinische Behandlung als auch die psychosoziale Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen übernehmen. Alles zu den Zielen der Palliativversorgung und zu den Aufgaben der Pflegenden.

Was ist Palliativpflege?

Wenn ein Mensch unheilbar krank und seine Lebenserwartung gering ist, wird er palliativ versorgt. Das lateinische Wort „pallium“ bedeutet „Mantel“ und kann im Zusammenhang mit Palliativversorgung als Sinnbild für Schutz und Geborgenheit verstanden werden. Das Ziel des ganzheitlichen Konzeptes Palliative Care ist es, dem Patienten durch medizinische Maßnahmen, Pflege und hospizliche Betreuung einen schmerzfreien, würdevollen Abschied vom Leben zu ermöglichen und seine Angehörigen zu unterstützen.

Um Patienten an ihrem Lebensende palliativ zu pflegen, benötigen Pflegefachkräfte eine entsprechende Zusatzausbildung. Ihnen kommt innerhalb des Palliative-Care-Konzeptes eine wichtige Rolle zu, denn sie stehen in besonders engem Kontakt mit den Patienten.

Wo gibt es Palliativpflege?

Als Ergänzung zu Palliativmedizin und hospizlicher Betreuung wird Palliativpflege unter anderem in speziellen Stationen in Krankenhäusern, in Hospizen oder in Pflegeheimen angeboten. Auch zuhause können Patienten palliativ gepflegt werden.

Seit 2007 gehört zusätzlich zur normalen ambulanten Palliativpflege die sogenannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse. Sie ist für Palliativpatienten gedacht, die sich zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung befinden und deren Versorgung besonders aufwendig ist. Die SAPV übernehmen sogenannte Palliative-Care-Teams – interdisziplinäre Teams aus Ärzten, Psychologen und Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Seelsorgern und anderen Fachkräften sowie Ehrenamtlichen. So kann Menschen der Wunsch erfüllt werden, zuhause in ihrer gewohnten Umgebung zu sterben.

Die Ziele der Palliativversorgung

Das übergeordnete Ziel von Palliative Care ist es, dem unheilbar kranken Patienten einen schmerzfreien und würdevollen letzten Lebensabschnitt zu ermöglichen. Das erfordert von Palliativpflegekräften, dass sie sich in besonderem Maße auf den Patienten und sein Umfeld einstellen. Die Bedürfnisse und Wünsche des sterbenden Menschen stehen im Vordergrund und seine Zugehörigen – damit sind sowohl Angehörige als auch Freunde, Kollegen und andere wichtige Bezugspersonen gemeint – werden in die Begleitung des Patienten an seinem Lebensende einbezogen. Die künstliche Lebensverlängerung ist ausdrücklich nicht das Ziel von Palliative Care. Vielmehr gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Aufgaben von Palliativpflegekräften

Aus den Zielen der Palliativversorgung ergibt sich für Pflegende eine Reihe von anspruchsvollen Aufgaben, die sowohl die körperliche Versorgung als auch die psychosoziale Betreuung umfassen. Die pflegerischen Fachkräfte dokumentieren fortlaufend die Maßnahmen und den psychischen und körperlichen Gesundheitszustand des Patienten. So kann die Versorgung entsprechend geplant bzw. bei Bedarf umgestellt werden.

Körperliche Versorgung:

  • Sie setzen die ärztlich verordnete Schmerztherapie und weitere medikamentöse Therapien um und überwachen diese.
  • Sie koordinieren unterstützende Maßnahmen wie etwa bestimmte Ernährungsweisen oder Physiotherapie.
  • Im Rahmen der Pflegediagnostik erfassen sie, ob und wie stark der Patient unter Schmerzen oder bestimmten Krankheitssymptomen leidet.
  • Etwa durch Mundpflege (bei Palliativpatienten tritt häufig Mundtrockenheit auf) und die richtige Lagerung des Patienten (um das Wundliegen zu verhindern) beugen sie Schmerzen und Missempfindungen vor.

Psychosoziale Betreuung:

  • Die Pflegenden unterstützen den Patienten und seine Zugehörigen beim Umgang mit überwältigenden Emotionen wie Angst, Trauer und Wut. Bei Bedarf unterstützen sie den Patienten und Zugehörige dabei, Konflikte zu lösen.
  • Häufig stellen sich Sterbende die Frage nach dem Sinn des Lebens und haben das Bedürfnis, im Rückblick auf ihr Leben eine Bilanz zu ziehen. Auch für diese Themen sind Palliativpflegekräfte Ansprechpartner der Patienten.
  • Bei Bedarf fordern die pflegerischen Fachkräfte Unterstützung durch andere Mitglieder des Palliative-Care-Teams an: Psychologen, Psychotherapeuten, Seelsorger und Glaubensvertreter können bei der psychologischen Betreuung unterstützen.

Was kostet Palliativpflege?

Jeder Mensch, der unheilbar krank ist und dessen Lebenserwartung im Bereich weniger Wochen oder Monate liegt, hat Anspruch auf medizinische und pflegerische Palliativversorgung – unabhängig von seinen eigenen finanziellen Ressourcen. Zuständig für die Kostenübernahme ist die Krankenkasse.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung muss von einem Arzt verordnet werden und wird ebenfalls von der Krankenversicherung bezahlt. Die Krankenkasse genehmigt sie meist zunächst für bis zu 28 Tage, bei Bedarf länger. Beratungs- und Betreuungsangebote, die sich über Spenden finanzieren bzw. durch Ehrenamtliche erbracht werden, sind für den Patienten kostenlos.

Krankheit und Tod eines geliebten Menschen miterleben

Für Angehörige und Freunde ist es eine große psychische Belastung, wenn ein geliebter Mensch unheilbar krank ist und sie von ihm Abschied nehmen müssen. Trotz all dem, was die moderne Palliativversorgung leisten kann, sind die Verlustangst, die Trauer und viele andere intensive Gefühle oft überwältigend. Dazu kommt, dass Angehörige häufig noch wichtige Angelegenheiten für das kranke Familienmitglied regeln müssen – eine nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung.

Gerade wenn sich der Patient, beispielsweise aufgrund einer Demenzerkrankung, nicht mehr selbst zu seinen Wünschen äußern kann und keine Patientenverfügung vorliegt, geraten Ehepartner, Kinder oder andere Verwandte in eine schwierige Lage: Wie hat sich der Erkrankte den Abschied gewünscht? Was können sie jetzt noch für ihn tun? Welche rechtlichen oder organisatorischen Schritte sind eventuell notwendig? Pflegende, aber auch Seelsorger und andere Fachkräfte der Palliativversorgung sind bei solchen Fragen mögliche erste Ansprechpartner.

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