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Pflege-WG: Was ist das?

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© belushi / Shutterstock
Viele Menschen haben Angst davor, irgendwann aus ihrem vertrauten Zuhause in ein Pflegeheim ziehen zu müssen. Viel attraktiver erscheint da das Zusammenleben mit anderen in einer Pflege-WG: Man kann sich einrichten, wie es einem gefällt, ist Teil einer Gemeinschaft und wird, wo es notwendig ist, von Helfern und Pflegefachkräften unterstützt. Mehr zum Pflege-WG-Konzept, zur Pflegequalität in Wohngemeinschaften und zu den Kosten.

Pflege-WG: Leben in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft

Pflege-WGs werden immer beliebter – das Angebot an entsprechenden Einrichtungen auf dem Pflegemarkt wächst ebenso wie die Zahl derjenigen, die selbst eine Pflege-WG gründen. Laut dem BARMER Pflegereport 2019 leben rund 31.000 Pflegebedürftige in Wohngemeinschaften. Doch was macht eine WG eigentlich zur „Pflege-WG“?

Was ist eine Pflege-WG?

In einer Pflege-Wohngemeinschaft leben mehrere Menschen in einer Wohnung oder in einem Haus zusammen, teilen sich Gemeinschaftsräume wie die Küche und das Wohnzimmer und richten sich jeweils in einem eigenen Zimmer so ein, wie es ihnen gefällt. Die Bewohner benötigen im Alltag Unterstützung, deshalb helfen sogenannte Präsenzkräfte bei der Organisation, Verwaltung und Betreuung. Bewohner, die einen Pflegegrad haben, werden von einem selbst gewählten Pflegedienst ambulant versorgt.

Nicht nur Senioren können in einer Pflege-WG leben, schließlich kann Pflegebedürftigkeit beispielsweise auch von einer Behinderung herrühren. Allerdings richten sich die meisten Pflege-Wohngemeinschaften an ältere Menschen. Einige von ihnen sind beispielsweise auf die Bedürfnisse Demenzkranker spezialisiert (Demenz-WGs) oder sind für Bewohner konzipiert, die beatmet werden müssen (Beatmungs-WGs).

Organisationsformen von Pflege-WGs

Eine Pflege-WG kann von den Bewohnern bzw. ihren Angehörigen selbstorganisiert sein, es gibt aber auch anbieterorganisierte Pflege-Wohngemeinschaften. Die beiden Formen werden rechtlich unterschiedlich behandelt: Für selbstorganisierte Pflege-WGs ist nur das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) anwendbar; beim anbieterorganisierten Modell gelten zusätzlich die Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes und ggf. das bundesweit gültige Wohn- und Betreuungsgesetz.

Selbstorganisierte Pflege-WGs

  • Die Pflege-WG wird von den Bewohnern bzw. ihren Angehörigen selbst gegründet.
  • Neue Mitbewohner werden selbst ausgewählt.
  • Wohnzimmer, Küche und andere Gemeinschaftsräume gestalten die Bewohner selbst.

Anbieterorganisierte Pflege-WGs

  • Die Pflege-Wohngemeinschaft wird von einem Träger (beispielsweise einem Verein) gegründet.
  • Der Träger entscheidet, wer in die Pflege-WG einzieht.
  • Die Gemeinschaftsräume werden vom Betreiber gestaltet.

Anbieterorganisierte Pflege-WGs lassen sich teilweise nur schwer von stationären Betreuungseinrichtungen abgrenzen. Maßgeblich ist, dass die Bewohner einer Pflege-Wohngemeinschaft Eigenverantwortung tragen: Sie haben das Hausrecht, werden in Entscheidungen über das Zusammenleben einbezogen bzw. treffen diese eigenständig und beteiligen sich, unterstützt durch die Präsenzkraft, an der Organisation, an Verwaltungsaufgaben und am Haushalt.

Die Pflegequalität in Pflege-Wohngemeinschaften

Der BARMER Pflegereport 2019 kommt zu dem Schluss, dass Pflege-WGs hinsichtlich der Qualität der Pflege im Allgemeinen keinen Mehrwert gegenüber Heimen bieten. So bemängelt der Report etwa, dass die Bewohner weniger Kontakte zu Ärzten haben und dass es bei ambulant behandelbaren Leiden häufiger zu Krankenhauseinweisungen kommt.

Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit in Pflege-WGs wirken sich laut der BARMER hingegen positiv auf die Lebensqualität der Bewohner aus. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass es dringenden Bedarf für einen „Pflege-TÜV“ für ambulant betreute Wohngemeinschaften gibt. Bis allgemein anerkannte Qualitätsmaßstäbe und -kontrollen für Pflege-WGs bereitstehen, dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern.

Auf welchen Verträgen basiert eine Pflege-WG?

Die Bewohner einer Pflege-Wohngemeinschaft sind nicht Leistungsempfänger, sondern Auftraggeber. Deshalb schließen sie nicht, wie bei Pflegeheimen üblich, einen einzigen Vertrag ab, der Unterkunft, Verpflegung, Betreuung und Pflege abdeckt. Stattdessen werden die Verträge separat geschlossen und können dementsprechend auch unabhängig voneinander gekündigt werden.

  • Üblicherweise unterzeichnet jeder Bewohner einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter, möglich ist auch ein gemeinsamer Mietvertrag.
  • Die Wohngruppe beauftragt gemeinschaftlich (mindestens) eine Präsenzkraft und schließt mit ihr einen Vertrag über Betreuungs- und Unterstützungsleistungen.
  • Bewohner mit anerkanntem Pflegegrad wählen selbst einen ambulanten Pflegedienst aus und schließen mit ihm einen Pflegedienstvertrag.

Finanzierung: Was kostet eine Pflege-WG?

Grundsätzlich fallen in einer Pflege-WG Kosten für Wohnung und Verpflegung sowie Pflege und Betreuung an. Diese lassen sich allerdings nicht pauschal beziffern. Der Eigenanteil lässt sich mit Zuschüssen und Leistungen der Pflegekasse senken. Auch besteht ggf. die Möglichkeit, Sozialhilfeleistungen zu beantragen. Allgemein gelten ambulant betreute Wohngemeinschaften als günstigere Alternative zu Pflegeheimen. Eine Pflegezusatzversicherung übernimmt je nach Tarif bestimmte Kosten, die für die ambulante Versorgung in einer Pflege-WG anfallen. Ob die Zusatzabsicherung für den Pflegefall die private Vorsorge ergänzen sollte, lässt sich mit einer Bedarfsanalyse ermitteln.

Wohnung und Verpflegung

Wie hoch die Miete für die Räumlichkeiten ist, hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise davon, ob es sich um Eigentum oder ein Mietobjekt handelt. Auch Lage, Größe und Ausstattung der Wohnung spielen eine Rolle. Für die Höhe der Nebenkosten ist der Verbrauch entscheidend. Hinzu kommen bedarfsabhängige Ausgaben und laufende Kosten, beispielsweise für Möbel, den Internet- und Telefonanschluss, Reparaturen und Lebensmittel. Da die Kosten üblicherweise auf die Mitbewohner umgelegt werden, ist auch die Anzahl der Bewohner entscheidend.

Mögliche Zuschüsse:

  • einmalig pro Person 2.500 Euro (pro Pflege-WG max. 10.000 Euro) für die Neugründung einer Pflege-WG
  • bis zu 4.000 Euro pro Person (pro Pflege-WG max. 16.000 Euro) für Maßnahmen, die zur Verbesserung des Wohnumfeldes dienen – beispielsweise für den Einbau eines Treppenliftes

Pflege und Betreuung

Jeder Bewohner benötigt ein individuelles Maß an Unterstützung und Pflege, sodass sich auch diese Kosten nicht pauschal benennen lassen. Wer einen anerkannten Pflegegrad hat, hat unter anderem Anspruch auf Pflegesachleistungen, über die der ambulante Pflegedienst seine Leistungen abrechnen kann.

Mögliche Zuschüsse:

  • Wohngruppenzuschlag (monatliche Pauschale von 214 Euro)
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen (pauschal 125 Euro pro Monat)
  • Pflegehilfsmittel (monatlich bis zu 40 Euro)

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