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Pflegegeld ohne Pflegeperson: Die Kombinationsleistung

Pflegegeld ohne Pflegeperson: Stethoskop und Wecker auf Geldscheinen
© stoatphoto / Shutterstock
Pflegegeld erhalten anerkannt Pflegebedürftige, die nicht im Pflegeheim, sondern von Angehörigen oder Bekannten – sogenannten Pflegepersonen – zuhause versorgt werden. Wer stattdessen oder zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nimmt, kann unter bestimmten Voraussetzungen allerdings ebenfalls Pflegegeld erhalten: mit der sogenannten Kombinationsleistung.

Pflegegeld ohne Pflegeperson – geht das überhaupt?

Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben alle anerkannt Pflegebedürftigen. Welche dies im Einzelfall sind, kommt einerseits auf den Pflegegrad, andererseits auf die Art der Betreuung an. Einige Leistungen sind für Bewohner von Pflegeheimen gedacht, andere unterstützen die häusliche Pflege.

Pflegebedürftige (ab Pflegegrad 2), die zuhause gepflegt werden, erhalten auf Antrag

  • Pflegegeld, wenn sie von Familienangehörigen oder anderen nicht erwerbsmäßig tätigen Personen (sogenannten Pflegepersonen) versorgt werden, oder
  • Pflegesachleistungen, wenn sie einen professionellen Pflegedienst in Anspruch nehmen.

Prinzipiell ist es also nicht vorgesehen, dass Pflegegeld ohne Pflegeperson gezahlt wird: Stattdessen rechnet in so einem Fall der ambulante Pflegedienst seine Leistungen direkt mit der Pflegeversicherung ab. Wie viel Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen die Pflegekasse zahlt, hängt vom Pflegegrad ab.

Tipp: Wer Pflegegrad 1 hat, hat keinen Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, wohl aber auf den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat, der zweckgebunden für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen einzusetzen ist – beispielsweise für eine Haushaltshilfe.

Pflegegrad

Pflegegeld

Pflegesachleistungen

1

-

-

2

316 Euro

689 Euro

3

545 Euro

1.298 Euro

4

728 Euro

1.612 Euro

5

901 Euro

1.995 Euro

Allerdings besteht tatsächlich die Möglichkeit, sich einen Teil des Pflegegeldes auszahlen zu lassen, obwohl man von einem Pflegedienst versorgt wird: Voraussetzung ist, dass die Sachleistungen nicht voll ausgeschöpft werden. Die Kopplung von Pflegesachleistung und Pflegegeld wird als Kombinationsleistung bezeichnet.

Wie viel Pflegegeld erhalte ich mit Kombinationsleistungen?

Grundsätzlich gilt: Wer die Sachleistungen voll ausschöpft, erhält kein Pflegegeld. Wer sie hingegen nur anteilig nutzt, hat Anspruch auf anteiliges Pflegegeld. Benötigt der Pflegebedürftige beispielsweise nur 60 Prozent der ihm zustehenden Sachleistungen, wird das Pflegegeld um denselben Prozentsatz gemindert und der Rest ausgezahlt: Er erhält also 40 Prozent des Pflegegeldes.

60 Prozent der Pflegesachleistungen + 40 Prozent des Pflegegeldes = 100 Prozent Kombileistung

Beispiel: Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 hat Anspruch auf 1.298 Euro Sachleistungen. Der Pflegedienst stellt allerdings nur 778,80 Euro in Rechnung. Da er somit nur 60 Prozent der Sachleistungen nutzt, kann er sich 40 Prozent der 545 Euro Pflegegeld auszahlen lassen. Er erhält also 218 Euro Pflegegeld.

Kombinationsleistung beantragen und Pflegegeld auch ohne Pflegeperson erhalten

Kombinationsleistungen sollten Pflegebedürftige unbedingt beantragen, wenn sie sowohl von Angehörigen als auch von einem professionellen Pflegedienst versorgt werden und die Sachleistungen dabei nicht voll ausschöpfen. Doch auch, wer ambulant gepflegt wird und ganz ohne Pflegeperson auskommt, kann anteiliges Pflegegeld erhalten – schließlich kann der Pflegebedürftige über das Geld frei verfügen, es muss nicht zwingend an die Angehörigen oder andere Pflegepersonen ausgezahlt werden.

Insbesondere wer früher eine Pflegestufe hatte und Anfang 2017 in einen Pflegegrad eingestuft wurde, sollte dringend prüfen, ob er die Pflegesachleistungen voll ausschöpft, denn diese sind nach der Umstellung erheblich höher. So haben beispielsweise Pflegebedürftige, die zuvor die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten, im Pflegegrad 3 nun Anspruch auf 229 Euro mehr Pflegegeld und 609 Euro mehr Sachleistungen.

Pflegegeld

Pflegesachleistungen

Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

316 Euro

689 Euro

Pflegegrad 3

545 Euro

1.298 Euro

Differenz

229 Euro

609 Euro

Pflegegeld bzw. Sachleistungen oder Kombinationsleistungen müssen bei der Pflegekasse beantragt werden. Die Entscheidung, in welchem Verhältnis Sachleistungen und Pflegegeld bei der Kombileistung stehen sollen, ist für sechs Monate bindend. Ausnahmen sind möglich: Wenn sich beispielsweise der Gesundheitszustand und damit die Pflegesituation wesentlich verändert, kann die Kombinationsleistung bereits früher entsprechend angepasst werden. Ist bei der Antragstellung noch nicht sicher, wie hoch die Rechnung des Pflegedienstes ausfallen wird, können Pflegebedürftige dies auf dem Formular angeben. Das anteilige Pflegegeld kann dann im Nachhinein ermittelt werden.

Tipp: Eine Pflegezusatzversicherung kann den Eigenanteil an den Pflegekosten erheblich mindern. Ob sie ein sinnvoller Teil der privaten Vorsorge ist, verrät eine entsprechende Bedarfsanalyse.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Anspruch auf Pflegegeld besteht ab Pflegegrad 2 für die häusliche Pflege durch nicht erwerbsmäßig tätige Personen, z. B. Angehörige oder Nachbarn.
  • Sachleistungen anstelle von Pflegegeld erhält, wer ohne Pflegepersonen versorgt wird, also von einem ambulanten Pflegedienst.
  • Die einzige Möglichkeit, Pflegegeld ohne Pflegeperson zu erhalten: Wer von einem Pflegedienst versorgt wird, kann sich das Pflegegeld anteilig auszahlen lassen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Sachleistungen nicht vollständig ausgeschöpft werden. Die Kopplung von Pflegegeld und Sachleistungen wird auch als Kombinationsleistung bezeichnet.
  • Die gewünschte Verteilung von Pflegegeld und Sachleistungen muss vom Pflegebedürftigen beantragt werden, im Normalfall ist er für 6 Monate an die Entscheidung gebunden

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