Great Ocean Road im Wohnmobil

Im Wohnmobil von Melbourne über die Great Ocean Road: schroffe Küsten, lange Strände, uralte Eukalyptuswälder und Kängurus, die in den Wagen gucken. Ein Reisetagebuch von Ulla Ackermann.

Erster Tag: Melbourne

Foto: Tourism Victoria

Melbourne ist verwirrend. In den Glasfassaden der Wolkenkratzer spiegeln sich viktorianische Backsteinhäuser sowie die einst berüchtigten Opiumhöhlen und Bordelle Chinatowns aus den 1850er Jahren, als der Goldrausch das ganze Land geradezu besinnungslos machte vor Amüsierlust. Die britische Boheme lebte rund um Bourke Street, in einstöckigen Villen mit schmiedeeisernen Zäunchen vor schmalen Vorgärten. Efeu rankt zu den rot gedeckten Dächern.

Heute mischen Designer-, Bio- und Secondhand-Läden die betuliche Szenerie auf. Gepiercte junge Leute mit irren Frisuren flitzen auf Inline-Skates und Kickboards zur Arbeit in den Central Business District am Yarra River. Auf den Uferwegen flitzen Jogger und überholen die mit Touristen beladenen Straßenbahnen. Auch wir sind jetzt sichtbar fremd, kurven im trägen Wohnmobil durch diese sportliche, atemlose Stadt.

Dritter Tag: Ein Heim für Tiere

Wir wollen an der Küste entlang nach Westen fahren, auf der Great Ocean Road, eine der spektakulärsten Straßen der Welt.

Langsam rollen wir aus der Stadt, immer weniger Häuser, größere Gewerbegebiete, kaum noch Ampeln oder Kreuzungen, und schließlich ist die Straße nur noch ein fliehendes Band. Schnell geben wir uns dem Sog der Ferne hin und müssen uns geradezu zwingen, zur "Warrook Cattle Farm" abzubiegen - doch wir nehmen den kleinen Umweg in Kauf, denn hier pflegt der deutschstämmige Andrew Troedel Tiere, die durch Autos oder Lastwagen verletzt oder zu Waisen wurden. Emus stolzieren am Zaun entlang, Kängurus hüpfen umher, und Sabine versucht einen dösenden Wombat zu wecken, der aussieht wie ein kleines dickes Schwein.

Vierter Tag: Great Ocean Road

Eines der bekanntesten Fotomotive Australiens: Die "12 Apostel" ragen bis zu 45 Meter hoch aus dem Meer

Zweispurig windet sich die Great Ocean Road zwischen hoch aufragendem Fels und dem in der Tiefe brodelnden Ozean. Sabine lenkt uns durch die Klippen, ein Sicherheitsrisiko am Steuer. Immer wieder schweift ihr Blick ab, zu den Gipfeln, in Abgründe, zu Akazien und Kiefern, die sich an die schroffen Felsen klammern.

Am Abend rangieren wir unser Wohnmobil auf einen Campingplatz mit Meerblick. In den Eukalyptusbäumen sitzen Koalas, mümmeln Eukalyptusblätter und riechen vom Duft der ätherischen Öle wie Hustenbonbons.

Fünfter Tag: Grampians-Nationalpark

Die Grampians-Bergkette im Norden nimmt immer eindrucksvollere Formen an. Sabine ködert mich mit ihrem Wissen über feine Weinfarmen dort oben. In der Region um Ararat wachsen hervorragende Cabernet Sauvignons, Chardonnays und Merlots, unsere Reise bekommt einen anderen Touch. Auf dem "Padthaway Wine Estate" nehmen wir an einer Weinprobe teil. Lecker!

Im Osten fallen die über tausend Meter hohen Berge als schroffe Klippen ins Nichts. 160 Kilometer Wanderwege durchziehen den Grampians National Park. Da muss man doch ein Stück spazieren gehen! Bäche plätschern im Unterholz, die Gischt von Wasserfällen zaubert Regenbögen in die klare Bergluft.

Siebter Tag: Känguru-Kontakt

Das Känguru läuft uns über den Weg, als wir nur mal eben anhalten müssen, weil ich nach dem Frühstück vergessen hatte, die Gasflasche abzudrehen. Aufrecht und gut zwei Meter groß steht das rotbraune Tier an der offenen Tür, lugt rein und ist so nah, dass ich seine beneidenswert dichten Wimpern zählen kann. Mein einziger Gedanke: Gleich haut es mich. Ich schimpfe so lange und lautstark, bis es sich hoheitsvoll abwendet und mit einem Satz über den Straßengraben springt.

Achter Tag: Zurück nach Melbourne

Der Traum ist vorbei: Wir müssen zurück nach Melbourne, um unseren Flug nach Sydney zu bekommen - und haben so gar keine Lust, unser Wohnmobil wieder herzugeben, das uns so gut gefahren und beherbergt hat. Wir schwören uns: We'll be back!

Reise-Infos Victoria

Melbourne: Essen und Trinken Becco: super italienisches Essen aus frischesten Zutaten, tolle Weine (11-25 Crossley Street, Tel. 96 63 30 00).

Colonial Tramcar Restaurant: Die alte, zu einem Restaurant umgebaute Straßenbahn startet ungefähr um 18 Uhr an der Ecke Level 1/City Road und fährt ihre Gäste während des exzellenten Dinners durch die Stadt bei Nacht.

Laurent Patisserie: Die Kuchen sind viele Sünden wert (306 The Causeway/Little Collins Street).

Der Südosten im Wohnmobil

Unterwegs: Wohnmobile z. B. über Best of Travel Group.

Unterkommen: Campingplätze sind so zahlreich, dass außerhalb der australischen Ferienzeit zwischen Dezember und Ende Januar Vorausbuchungen nicht nötig sind.

Text: Ulla Ackermann
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