Wohnung aufräumen: Weg mit dem Kram!

Einrichtungscoach Barbara Mummenhoff ist Fachfrau für eine ungeliebte Beschäftigung: Wohnung aufräumen. Sie erklärt in fünf Schritten, wie wir überflüssigen Kram loswerden.

Wie will ich eigentlich leben? Und wie kann mich meine Wohnung dabei unterstützen? Zwei Fragen, die wir uns hin und wieder stellen sollten. Die eigene Persönlichkeit ist ja nichts Festgeschriebenes, sondern entwickelt sich immer weiter. Mit 55 sehen wir vieles anders als mit 35 – auch unsere eigenen vier Wände. Aber manchmal scheint das eigene Ich unter Dingen begraben zu sein, die im Laufe der Jahre angedockt haben und nun schwer wieder abzuschütteln sind. Diese Fülle macht unfrei, sie stiehlt unsere Zeit und unser Wohlbefinden. Dabei scheint es im Grunde so einfach: Die Wohnung sollte der Ort sein, der Geborgenheit und Klarheit gibt, an dem wir zu uns selbst finden können. Wir müssen nur den Mut haben, sie vom angehäuften Ballast zu befreien und neu zu gestalten. Schritt für Schritt klärt und weitet sich bei diesem Prozess nicht nur unser Wohnraum, sondern auch der Blick auf uns selbst. Das geschieht nebenher, fast wie von selbst.

Schritt 1: Sich ausmalen, wie schön es sein könnte

An jedem Gegenstand, der uns manchmal über Jahre und Jahrzehnte begleitet hat, hängen Erinnerungen. Sie verbinden unsere Gegenwart mit unserer Vergangenheit, machen unser Zuhause einmalig, unverwechselbar. Sicher, der Lederhocker erinnert an die wunderbare Reise durch , der vierarmige Leuchter war das Geschenk des ersten Liebsten, das kleine Mahagonitischchen stand schon im Salon der Großmutter... Nur: Brauchen wir das alles tatsächlich für den Rest unseres Lebens? Wohl kaum. Aber es wegzuwerfen scheint wie ein Verrat an unserer eigenen Geschichte und an den Menschen zu sein, an die sie uns erinnern sollen. Ein Dilemma. Einerseits sehnen wir Veränderung herbei, aber aus Angst vor der Leere, die uns dann vielleicht überfällt, bleibt alles beim Alten und verstellt uns den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft.

Das hilft

Stellen Sie sich vor, wie Ihre Wohnung ohne all diese Dinge aussehen würde, wie die Räume leichter und luftiger würden. Endlich wieder Platz für neue Ideen und Überraschungen, die das Leben noch bereithält. Aber so gut sich ein Neuanfang auch anfühlt, er birgt auch Ungewissheit. Das Alte ist schon nicht mehr da, das Neue lässt noch auf sich warten, und wir fühlen uns wie Durchreisende in unserem eigenen Zuhause. Um den ersten Schritt zu tun, brauchen wir Motivation. Und die kann nur aus uns selbst kommen.

Stellen Sie sich vor, wie großzügig Ihre Wohnung aussehen könnte, wenn Sie erstmal die Schrankwand ausrangiert und zum Sperrmüll gebracht haben. Um sich für das Nachher zu inspirieren, sammeln Sie Ausrisse aus Magazinen und Bilder von Räumen, die Ihnen gefallen. Stellen Sie kleine Collagen mit Farb- und Stoffproben zusammen. Gut sichtbar an eine Pinnwand geheftet, haben Sie so täglich Ihr Ziel vor Augen. Da kann es sogar passieren, dass das Mahagonitischchen der Großmutter eine ganz neue Wirkung entfaltet, zum Beispiel als Unikat vor einer farbig gestrichenen Wand.

Befreien Sie sich von Ihren Schuldgefühlen und vertrauen Sie auf Ihr Herz: An die erste große Liebe werden Sie sich sowieso erinnern - auch ohne den vierarmigen Leuchter.

Schritt 2: Keine ungebetenen Gäste mehr

Erinnerungsstücke, Überbleibsel aus Frustkäufen, zu eng gewordene Kleidungsstücke: Wir horten all diese Gegenstände, weil wir glauben, sie könnten uns noch einmal nützlich sein oder irgendwann doch wieder auf unseren Leib und in unser Leben passen. Eigentlich wissen wir es längst besser, oder? Aber nach fast jedem Einkaufsbummel oder Wochenendtrip tragen wir wieder irgendwelche unnützen Kleinigkeiten in unsere Wohnung.

Das hilft

Keine neuen Anschaffungen mehr, bevor nicht ein paar alte aussortiert wurden. Von allem gerade genug zu haben ist eine Kunst, die man lernen kann und die uns unbeschwerter leben lässt. Und wenn Ihnen beim nächsten Einkaufsbummel doch wieder etwas Hübsches in die Augen springt, denken Sie daran, was der Kinderbuchautor Maurice Sendak einmal gesagt hat: "Es muss im Leben doch mehr geben, als alles zu besitzen.“

Schritt 3: Blick aufs Wesentliche

Schauen Sie sich um: In den Regalen türmen sich die Reisesouvenirs und allerlei anderer Krimskrams neben Büchern, in die Sie schon lange keinen Blick mehr geworfen haben. In den Küchenschränken stapeln sich Schüsseln, Siebe, Backformen in mehrfacher Ausführung. Ganz zu schweigen von dem Geschirr: eins für täglich, eins für Partys, eins für Festtage. Dabei sind die Kinder schon aus dem Haus und das Kochen für die Großfamilie ist längst passé, oder? Trotzdem: Sich davon zu trennen heißt, sich von einem schönen Teil des Lebens zu verabschieden.

Das hilft

Belohnen Sie sich nach getaner Arbeit. Das Loslassen fällt leichter, wenn Sie sich vorstellen, wie schön der Tisch mit diesem wunderbar edlen, aber schlichten Service aussehen würde, mit dem Sie schon längere Zeit geliebäugelt haben - dem für jede Gelegenheit. Wenn Ihre Gefühle allzu hoch schwappen, holen Sie sich eine gute Freundin dazu, die resolut zupacken kann, weil sie keine Emotionen mit den Gegenständen verbindet. Machen Sie einen Schritt nach dem anderen und nehmen Sie sich nur das vor, was Sie tatsächlich bewältigen können. Gerade diese kleinen Erfolgserlebnisse können ausgesprochen beflügelnd sein!

Schritt 4: Klarheit schaffen

Ein früh antrainierter Perfektionsanspruch hindert viele Frauen daran, einen Zwischenzustand in ihrer Wohnung zu ertragen. Beim Ordnung schaffen steht ihnen oft auch noch die eigene Kreativität im Weg. Tausend Ideen schwirren im Kopf herum, vieles wird angefangen und nie zu Ende gebracht. Sie verheddern sich in ihren Interessen, und der Frust steigt mit der Menge der unvollendeten Dinge. Dazu kommt, dass einige Berufe sehr materialintensiv sind. Wer dann in seiner Freizeit auch noch Geschichten schreibt, bastelt oder malt, kann leicht den Überblick verlieren. Bücher, Skizzen, Pinsel, Farben, beschriebene Blätter stapeln sich plötzlich auf Tischen, in Regalen und auf dem Boden, und irgendwann findet man sich gar nicht mehr zurecht.

Das hilft

Schaffen Sie sich Orte – und zwar für jede Leidenschaft einen! Im Arbeitszimmer steht der Tisch für den Job, im Wohnzimmer einer fürs Malen und Basteln und im Schlafzimmer ein kleiner Sekretär zum Briefe- und Geschichtenschreiben.

Die einzige Regel dabei ist: Die Trennung muss strikt eingehalten werden. Und vergessen Sie dabei nicht das Lebensmotto von Nam June Paik, dem Vater der Videokunst: "Wenn zu perfekt, lieber Gott böse."

Schritt 5: Abschied feiern

Einige Wegbegleiter sind so kostbar, dass man sich nicht vorstellen kann, ohne sie zu sein. Fast jeder hat so eine Kiste mit Liebesbriefen, Tickets von Konzerten, Postkarten von der Familie. Lange Zeit beruhigt ihre stille Anwesenheit irgendwo oben auf dem Speicher, wo sie langsam verstaubt. Unvorstellbar, sie einfach wegzuwerfen, ist sie doch so etwas wie der Schlüssel zu einem früheren Leben.

Das hilft

Es gibt Zeiten, da will man wieder durchstarten, zum Beispiel nach einer Trennung. Doch die Erinnerungen rauben Energie. Der Gedanke an die Kiste mit seinen Liebesbriefen ist einfach zu bedrückend. Nehmen Sie sich ein Wochenende Zeit und lesen alle noch einmal, rufen Sie sich das Schöne und den Schmerz ins Bewusstsein und verbrennen dann einen nach dem anderen feierlich. Ein würdiger Abschied. Trennung – auch von Dingen – braucht eben Zeit, und die sollten Sie sich nehmen. Gehen Sie behutsam mit sich um, dann können Sie loslassen und die neu gewonnene Leichtigkeit genießen!

Text: Barbara Mummenhof Foto: Odile Hain

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Kommentare (17)

Kommentare (17)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Debbie: ohje, daran habe ich auch schon gedacht, aber eigentlich liebe ich meinen Mann so sehr, dass ich seinen Kram ertrage.

    Kati: Das hat nichts mit Wegwerfgesellschaft zu tun, im Gegenteil. Wenn man sich von genügend Dingen getrennt hat, ist man irgendwann so weit, dass man sich nicht ständig unnützen Scheiß kauft. Nachdem ich neulich meine Geschenkpapiersammlung durchgegangen bin und die Hälfte an den nächsten Kindergarten verschenkt habe, gab es kurze Zeit später Geschenkpapier im Supermarkt. Normalerweise nehm ich eine Rolle oder 2 mit (kann man ja immer mal brauchen) wenn mir das Motiv gefällt, aber das Wissen darum, dass ich erst vor Kurzem ausgemistet habe, weil ich viel zu viel davon hatte, hat mich davon abgehalten. So geht es mir auch bei Kleidung, Stoffen (ich liebe es, zu nähen), ...

    Ich werfe nur Müll weg, alles andere wird verschenkt. Und mit jedem Teil, das aus der Wohnung verschwindet, steigt die Hemmschwelle, etwas Neues zu kaufen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    "Siehst du diese Teller?

    die hab ich aus Florenz

    und der alte Benz

    fährt immer noch wie neu

    wie ich mich da freu

    und der Plattenspieler der wird heute nicht mehr gebaut

    der war mir lange jahre treu



    Bring den Vorschlaghammer mit

    wenn du heute Abend kommst

    dann hauen wir alles kurz und klein

    der ganze alte schrott muß raus

    und neuer schrott muß rein

    bis morgen muß der ganze Rotz verschwunden sein



    Der Aschenbecher da

    den hab ich mal geklaut

    ich glaub das war

    in einem griechischen Lokal

    und das Plattenregal

    hab ich selbst gebaut das war normal, der Herd war gekauft

    und die andern Möbel auch



    Bring den Vorschlaghammer mit...



    Der Computer ist

    auf dem allerneusten Stand

    da ist noch Pfand auf den Flaschen

    die in der Küche stehn

    da will ich bald mal scherben sehn

    und der Bücherwand für die ein halber Wald einmal starb

    schlägt die letzte Stunde bald



    Bring den Vorschlaghammer mit..."



    (Element of Crime)
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mein Mantra; ich bin doch nicht mein eigenes Museum!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    danke für den heiterkeitsausbruch des tages: beim lesen von teil 2 (keine ungebetenen gäste mehr - also NICHTS unnötiges mehr kaufen) blinkt doch die ganze zeit während des lesens ein "wunderbares" werbebanner mit der fetten aufschrift: JETZT SHOPPEN GEHEN!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich gehöre leider zu den Weggucker! Aber oft kann ich nachts nicht schlafen, weil mich diese Unordnung zu ersticken droht. Mittlerweile habe ich gelernt gerade Dinge die mir schlechte Erinnerungen geben, zu verschenken oder in den Müll zu werfen. Mein Schlafzimmer ist auch schon sehr reduziert. Seit dem schlafe ich auch besser. Leider falle ich unbewusst immer wieder ins alte Schema. Das wird wohl noch lange dauern und mit einer Teenager Tochter erst recht! ;-)



    Aufräumen hilft auf jeden Fall!

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