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Wohnung aufräumen So werdet ihr überflüssigen Kram los

Wohnung aufräumen: Frau sortiert Kleidung
© Prostock-studio / Shutterstock
Einrichtungscoach Barbara Mummenhoff ist Fachfrau für eine ungeliebte Beschäftigung: Wohnung aufräumen. Sie erklärt in fünf Schritten, wie wir überflüssigen Kram loswerden.

Wie will ich eigentlich leben? Und wie kann mich meine Wohnung dabei unterstützen? Zwei Fragen, die wir uns hin und wieder stellen sollten. Die eigene Persönlichkeit ist ja nichts Festgeschriebenes, sondern entwickelt sich immer weiter. Mit 55 sehen wir vieles anders als mit 35 – auch unsere eigenen vier Wände. Aber manchmal scheint das eigene Ich unter Dingen begraben zu sein, die im Laufe der Jahre angedockt haben und nun schwer wieder abzuschütteln sind. Diese Fülle macht unfrei, sie stiehlt unsere Zeit und unser Wohlbefinden. Dabei scheint es im Grunde so einfach: Die Wohnung sollte der Ort sein, der Geborgenheit und Klarheit gibt, an dem wir zu uns selbst finden können. Wir müssen nur den Mut haben, sie vom angehäuften Ballast zu befreien und neu zu gestalten. Schritt für Schritt klärt und weitet sich bei diesem Prozess nicht nur unser Wohnraum, sondern auch der Blick auf uns selbst. Das geschieht nebenher, fast wie von selbst.

Schritt 1: Sich ausmalen, wie schön es sein könnte

An jedem Gegenstand, der uns manchmal über Jahre und Jahrzehnte begleitet hat, hängen Erinnerungen. Sie verbinden unsere Gegenwart mit unserer Vergangenheit, machen unser Zuhause einmalig, unverwechselbar. Sicher, der Lederhocker erinnert an die wunderbare Reise durch Marokko, der vierarmige Leuchter war das Geschenk des ersten Liebsten, das kleine Mahagonitischchen stand schon im Salon der Großmutter... Nur: Brauchen wir das alles tatsächlich für den Rest unseres Lebens? Wohl kaum. Aber es wegzuwerfen scheint wie ein Verrat an unserer eigenen Geschichte und an den Menschen zu sein, an die sie uns erinnern sollen. Ein Dilemma. Einerseits sehnen wir Veränderung herbei, aber aus Angst vor der Leere, die uns dann vielleicht überfällt, bleibt alles beim Alten und verstellt uns den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft.

Das hilft

Stellt euch vor, wie eure Wohnung ohne all diese Dinge aussehen würde, wie die Räume leichter und luftiger würden. Endlich wieder Platz für neue Ideen und Überraschungen, die das Leben noch bereithält. Aber so gut sich ein Neuanfang auch anfühlt, er birgt auch Ungewissheit. Das Alte ist schon nicht mehr da, das Neue lässt noch auf sich warten, und wir fühlen uns wie Durchreisende in unserem eigenen Zuhause. Um den ersten Schritt zu tun, brauchen wir Motivation. Und die kann nur aus uns selbst kommen.

Stellt euch vor, wie großzügig eure Wohnung aussehen könnte, wenn ihr erstmal die Schrankwand ausrangiert und zum Sperrmüll gebracht habt. Um sich für das Nachher zu inspirieren, sammelt ihr Ausrisse aus Magazinen und Bilder von Räumen, die euch gefallen. Stellt euch kleine Collagen mit Farb- und Stoffproben zusammen. Gut sichtbar an eine Pinnwand geheftet, habt ihr so täglich euer Ziel vor Augen. Da kann es sogar passieren, dass das Mahagonitischchen der Großmutter eine ganz neue Wirkung entfaltet, zum Beispiel als Unikat vor einer farbig gestrichenen Wand.

Befreit euch von euren Schuldgefühlen und vertraut auf euer Herz: An die erste große Liebe werdet ihr euch sowieso erinnern - auch ohne den vierarmigen Leuchter.

Schritt 2: Keine ungebetenen Gäste mehr

Erinnerungsstücke, Überbleibsel aus Frustkäufen, zu eng gewordene Kleidungsstücke: Wir horten all diese Gegenstände, weil wir glauben, sie könnten uns noch einmal nützlich sein oder irgendwann doch wieder auf unseren Leib und in unser Leben passen. Eigentlich wissen wir es längst besser, oder? Aber nach fast jedem Einkaufsbummel oder Wochenendtrip tragen wir wieder irgendwelche unnützen Kleinigkeiten in unsere Wohnung.

Das hilft

Keine neuen Anschaffungen mehr, bevor nicht ein paar alte aussortiert wurden. Von allem gerade genug zu haben ist eine Kunst, die man lernen kann und die uns unbeschwerter leben lässt. Und wenn euch beim nächsten Einkaufsbummel doch wieder etwas Hübsches in die Augen springt, denkt daran, was der Kinderbuchautor Maurice Sendak einmal gesagt hat: "Es muss im Leben doch mehr geben, als alles zu besitzen.“

Schritt 3: Blick aufs Wesentliche

Schauen euch um: In den Regalen türmen sich die Reisesouvenirs und allerlei anderer Krimskrams neben Büchern, in die ihr schon lange keinen Blick mehr geworfen habt. In den Küchenschränken stapeln sich Schüsseln, Siebe, Backformen in mehrfacher Ausführung. Ganz zu schweigen von dem Geschirr: eins für täglich, eins für Partys, eins für Festtage. Dabei sind die Kinder schon aus dem Haus und das Kochen für die Großfamilie ist längst passé, oder? Trotzdem: Euch davon zu trennen heißt, sich von einem schönen Teil des Lebens zu verabschieden.

Das hilft

Belohnen euch nach getaner Arbeit. Das Loslassen fällt leichter, wenn ihr euch vorstellt, wie schön der Tisch mit diesem wunderbar edlen, aber schlichten Service aussehen würde, mit dem ihr schon längere Zeit geliebäugelt haben - dem für jede Gelegenheit. Wenn eure Gefühle allzu hoch schwappen, holt euch eine gute Freundin dazu, die resolut zupacken kann, weil sie keine Emotionen mit den Gegenständen verbindet. Macht einen Schritt nach dem anderen und nehmt euch nur das vor, was ihr tatsächlich bewältigen könnt. Gerade diese kleinen Erfolgserlebnisse können ausgesprochen beflügelnd sein!

Schritt 4: Klarheit schaffen

Ein früh antrainierter Perfektionsanspruch hindert viele Frauen daran, einen Zwischenzustand in ihrer Wohnung zu ertragen. Beim Ordnung schaffen steht ihnen oft auch noch die eigene Kreativität im Weg. Tausend Ideen schwirren im Kopf herum, vieles wird angefangen und nie zu Ende gebracht. Ihr verheddert euch in euren Interessen, und der Frust steigt mit der Menge der unvollendeten Dinge. Dazu kommt, dass einige Berufe sehr materialintensiv sind. Wer dann in seiner Freizeit auch noch Geschichten schreibt, bastelt oder malt, kann leicht den Überblick verlieren. Bücher, Skizzen, Pinsel, Farben, beschriebene Blätter stapeln sich plötzlich auf Tischen, in Regalen und auf dem Boden, und irgendwann findet man sich gar nicht mehr zurecht.

Das hilft

Schafft euch Orte – und zwar für jede Leidenschaft einen! Im Arbeitszimmer steht der Tisch für den Job, im Wohnzimmer einer fürs Malen und Basteln und im Schlafzimmer ein kleiner Sekretär zum Briefe- und Geschichtenschreiben.

Die einzige Regel dabei ist: Die Trennung muss strikt eingehalten werden. Und vergesst dabei nicht das Lebensmotto von Nam June Paik, dem Vater der Videokunst: "Wenn zu perfekt, lieber Gott böse."

Schritt 5: Abschied feiern

Einige Wegbegleiter sind so kostbar, dass man sich nicht vorstellen kann, ohne sie zu sein. Fast jeder hat so eine Kiste mit Liebesbriefen, Tickets von Konzerten, Postkarten von der Familie. Lange Zeit beruhigt ihre stille Anwesenheit irgendwo oben auf dem Speicher, wo sie langsam verstaubt. Unvorstellbar, sie einfach wegzuwerfen, ist sie doch so etwas wie der Schlüssel zu einem früheren Leben.

Das hilft

Es gibt Zeiten, da will man wieder durchstarten, zum Beispiel nach einer Trennung. Doch die Erinnerungen rauben Energie. Der Gedanke an die Kiste mit seinen Liebesbriefen ist einfach zu bedrückend. Nehmt euch ein Wochenende Zeit und lest alle noch einmal, ruft euch das Schöne und den Schmerz ins Bewusstsein und verbrennt dann einen nach dem anderen feierlich. Ein würdiger Abschied. Trennung – auch von Dingen – braucht eben Zeit, und die solltet ihr euch nehmen. Geht behutsam mit euch um, dann könnt ihr loslassen und die neu gewonnene Leichtigkeit genießen!

Text: Barbara Mummenhof Brigitte

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