Bauhaus-Stil: Pure Geometrie

Die Möbel von damals sind Klassiker, sie beeinflussen kreative Köpfe bis heute. Wir zeigen Ihnen Top-Design zum Einrichten und Anziehen.

Fotoshow: Bauhaus-Stil von gestern bis heute

Gemessen daran, wie sich der Normalbürger in den zwanziger Jahren einrichtete, war alles, was vom 1919 gegründeten Bauhaus propagiert wurde, schlicht revolutionär. Der erste Stuhl aus Stahlrohr, von Dekor weitgehend befreite Service, auf das Wesentliche reduzierte Architektur, deren Reiz im spannungsreichen Kontrast von kantigen und geschwungenen Bauteilen liegt - eine neue, moderne Vorstellung vom Wohnen und der Gestaltung von Alltagsobjekten entstand vor 93 Jahren in Weimar.

Die Kunst-Avantgarde trifft sich in der Provinz: in Weimar Walter Gropius gelang es, nationale und internationale Avantgardekünstler wie Paul Klee, Marcel Breuer, Lázló Moholy-Nagy und Lyonel Feininger um sich zu scharen, teils als Lehrer, teils als Studenten. Sein Ziel war es, universale Gestalter auszubilden, die gleichermaßen in Architektur, Handwerk und Industrie schöpferisch sein sollten. Dabei formulierte Gropius nicht etwa ein Geschmacksdiktat: "Das Ziel des Bauhauses ist kein Stil, kein System oder Kanon." Ihm ging es um die Vereinigung von industrieller Massenproduktion und künstlerischem Qualitätsanspruch der Zeit sowie die Aufhebung der Trennung von freier und angewandter Kunst. Deshalb wurden die Studenten nicht nur theoretisch unterrichtet, sondern sie alle mussten verschiedene Kurse in den handwerklichen Werkstätten belegen.

Der Stil des Bauhauses wird mit der Zeit immer populärer Nach nur fünf Jahren wurden die Bauhäusler aus Weimar vertrieben. Zwischen 1925 und 1932 konnten sie in Dessau arbeiten, gingen dann 1933 nach Berlin. Noch im selben Jahr beschlossen Lehrkräfte, nach einer polizeilichen Durchsuchung und von den Nazis diktierten Bedingungen für die Weiterführung des Bauhauses, die Auflösung der Schule. Die meisten Künstler, darunter Walter Gropius, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe, emigrierten in die USA. Viele von ihnen waren nicht nur als Architekten tätig, sondern als Dozenten an amerikanischen Universitäten. Auf diese Weise nahm der Einfluss des Bauhaus-Stils sogar noch zu. Und zeitgenössische Designer greifen auf das Repertoire von damals zurück, weil es bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Gruppenbild mit Dame: Die Meister des Bauhaus

Josef Albers: Der Maler und Kunstpädagoge aus Bottrop (1888 - 1976) war von 1928-1929 Leiter der Möbelwerkstatt am Bauhaus. In den 40er Jahren begann er, sein bedeutendes malerisches und theoretisches Werkes über die optische Wirkung der Farbe zu entwickeln, das ihn zu einem der wichtigen Künstler seiner Zeit und zu einem Vorläufer der Op Art werden ließ.

Hinnerk Scheper: Der Maler, Farbgestalter und Denkmalpfleger aus Badbergen/Osnabrück (1897 - 1957) lehrte von 1925 - 1933 am Bauhaus als Leiter der Werkstatt für Wandmalerei und als Leiter des Kurses "Farbe". Später arbeitete er als freier Künstler, ab 1945 lehrte er Denkmalpflege an der Technischen Universität Berlin.

Georg Muche: Der Maler und Grafiker aus Querfurt/Sachsen (1895 - 1987) war von 1920-1927 am Bauhaus als Meister. Im Sommer 1921 und 1922 Unterricht im Vorkurs, seit 1921 Formmeister der Weberei. Leitung der Ausstellungskommission für die Bauhaus-Ausstellung 1923, für die das von ihm entworfene "Haus am Horn" gebaut wird.

László Moholy-Nagy: Der visuelle Gestalter, Maler und Fotograf aus Ungarn 1895 - 1946) war am Bauhaus Formmeister der Metallwerkstatt. Daneben beschäftigte er sich mit typografischen Entwürfen und Fotografie. Seit 1924 zusammen mit Gropius Herausgeber der Bauhausbücher. Moholy-Nagy beeinflußte durch die dynamische Vermittlung seiner Lehre, die den visuellen Charakter und Material-Aspekte der Gestaltung betonte, die Entwicklung des Bauhauses zu einer modernen, industriebestimmten Formensprache.

Herbert Bayer: Der Grafik-Designer und Maler aus Haag/Oberösterreich (1900-1985) übernahm als Bauhausmeister 1925 die Leitung der neuen Abteilung "Druck und Reklame". Gestaltung auch der schuleigenen Drucksachen. Er gilt als der vielseitigste und innovativste Gestalter von Werbung und Ausstellungen am Bauhaus.

Joost Schmidt: Der Typograf und Maler aus Wunstorf/Hannover (1893-1948) gab am Bauhaus Kurse in Schriftzeichnen und ab 1929 in Aktzeichnen. Von 1928 an leitet er auch die Reklameabteilung und die Druckerei.

Walter Gropius: Der Architekt aus Berlin (1883-1969) leitete das "Staatliche Bauhaus in Weimar" von 1919 bis 1928. Doch auch über seine Amtszeit hinaus war Gropius für das Bauhaus die inspirierende Persönlichkeit und integrative Autorität. Auch nach Schließung der Schule hat er für die Anerkennung und Verbreitung der Bauhaus-Idee gearbeitet.

Marcel Breuer: Der Architekt aus Ungarn (1902-1981) leitete am Bauhaus von 1925-1928 die Möbelwerkstatt. 1925 entwickelte er die ersten Stahlrohrmöbel und trug damit zu einer neuen, modernen Vorstellung des Wohnens bei. Er wurde damit über die 20er Jahre hinaus zu einem der bedeutenden Möbelentwerfer und Innenarchitekten des 20. Jahrhunderts.

Wassily Kandinsky: Der Maler aus Moskau (1866-1944) war von 1922-1933 am Bauhaus und unterrichtete Wandmalerei, analytisches Zeichnen und Abstrakte Kunst. Das von Kandinsky vertretene Synthese-Denken in allen künstlerischen Bereichen hat die Bauhaus-Programmatik mit geprägt. Über seinen Farb- und Formen-Unterricht beeinflußte er die Gestaltung vor allem der Gropius-Ära.

Paul Klee: Der Schweizer Maler (1879-1940) lehrte von 1921-1931 am Bauhaus und war dort nur ein hoch geachteter Künstler, sondern auch eine dominierende Persönlichkeit. Über seinen Gestaltungs-Unterricht nahm er direkten Einfluß vor allem auf das Formenvokabular der Weberei.

Lyonel Feininger: Der Maler aus New York (1871-1956) war von 1919 - 1932 als Meister am Bauhaus. Feininger wirkte eher durch seine Persönlichkeit und durch sein künstlerisches Werk, als durch aktive Lehre. Er verkörperte im Gefüge des Bauhaus den Pol der Kunst und des Geistigen.

Gunta Stölzl: Die Weberin und Textil-Designerin aus München (1897-1983) fing 1925 am bauhaus als Werkmeisterin an, ab 1927 war sie alleinige Leiterin der Weberei.

Oskar Schlemmer: Der Maler aus Stuttgart (1888-1943) lehrte von 1921 bis 1929 am Bauhaus Wandmalerei, Holz- und Steinbildhauerei und war später Leiter der Bühnenwerkstatt.

Zum Weiterlesen: Bauhaus-Bücher

  • "Le Corbusier Le Grand": Die spektakuläre visuelle Biografie des französischen Autors Jean-Louis Cohen gibt einen Überblick über das Leben und Schaffen des einflussreichen Architekten, Stadtplaners und Kunsttheoretikers Le Corbusier (1887–1965). (Phaidon-Verlag, Berlin, 768 Seiten, 150 Euro)

Das Experiment: Bauhaus fasziniert bis heute. Das Buch "Bauhaus" von Magdalena Droste zeigt, wieso (Taschen Verlag, 9,99 Euro, ab Ende März)

Fotostrecke: Bauhaus-Stil von gestern bis heute

Fotos: Mario Carrieri, Access, Bauhaus-Archiv Text: Uta Abendroth Ein Artikel aus der BRIGITTE 07/09
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