Louise Campbell: Kreativ im Halbschlaf

Die Möbel von Louise Campbell vereinen spektakuläres Aussehen mit Komfort. Mit ihren gewagten Entwürfen zählt die 41-Jährige heute zu den bekanntesten Designerinnen Skandinaviens.

Man reibt sich verwundert die Augen und denkt: Darauf soll man sitzen können? Louise Campbell hat ein Talent dafür, Sessel zu entwerfen, die an Vogelnester, Origami oder zusammengeknüllte Taschentücher erinnern. Mal greift sie auf den traditionellen nordischen Werkstoff Holz zurück, reduziert ihn allerdings auf dünne Leisten, die kunstvoll miteinander verbunden werden; mal stabilisiert sie dicken Filz mit hunderten handelsüblicher Gelatineblätter. Es gibt kein Material, aus dem sie nicht doch irgendein Möbel machen könnte. Dabei sitzt die Designerin nicht etwa in ihrem Kopenhagener Atelier und "erarbeitet" sich ihre Entwürfe. Ihre Ideen hat die Tochter eines Engländers und einer Dänin kurz vor dem Einschlafen: "Dösend kommen mir die besten Einfälle", sagt Louise Campbell. "Wenn ich mich ganz meiner Vorstellungskraft überlasse, kann ich mühelos zwischen Design- Varianten hin und her springen. Meine Fantasie ist wie ein großes Bildarchiv, in dem ich stöbern kann." Erst für die Realisierung ihrer kreativen Fantastereien greift Louise Campbell auf das Know-how ihrer Ausbildungen am Londoner College of Furniture und dem Kopenhagener Institut für Industriedesign zurück. Schritt für Schritt entstehen Computer-Animationen, dann die ersten Prototypen und schließlich, in enger Zusammenarbeit mit renommierten skandinavischen oder italienischen Firmen, die fertigen Produkte.

So richtig bekannt geworden ist Louise Campbell durch die Einrichtung des Amtssitzes des dänischen Kulturministers. Die Arbeitsplätze in diesem Großraumbüro können - überdimensionierten Umkleidekabinen nicht ganz unähnlich - durch Vorhänge getrennt werden. Der Clou: Jedes Stübchen hat seine eigene Farbe für Vorhänge, Möbel und Leuchten. Im Gang davor hängen silberfarbene Kugelleuchten neben echten Punchingbällen unter der Decke. Daran können der Minister und seine Mitarbeiter - falls nötig - ihre aufgestaute Energie ablassen. Energie: Davon hat Louise Campbell reichlich. Und die fließt in immer neue Projekte. Leuchten, Möbel und innenarchitektonische Aufgaben warten auf ihre Realisierung. Aber das geht leider nicht im Schlaf.

Text: Uta Abendroth Fotos: Brahl Fotografi Ein Artikel aus der BRIGITTE 11/07
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