Blond: Haarfarbe oder Lebensgefühl?

Die Haarfarbe Blond ist ein Statement ohne Worte. Je nachdem, ob gebleicht oder Natur, ob fein oder grob gesträhnt, wirkt sie sexy, edel oder billig.

Nach 30 Jahren als Blondine färbte BRIGITTE WOMAN-Autorin Meike Bruhns ihre Haare braun - und plötzlich war alles anders

"Sich blond zu färben ist, als würde man sich eine Glühbirne kaufen", soll Heidi Klum einmal gesagt haben. Recht hat sie. Wie sehr, merkte ich vor einem halben Jahr. Da hatte ich mein Licht ausgeknipst, absichtlich. Nach mehr als 30 Jahren als Blondine ließ ich mir die Haare schokoladenbraun tönen. An Brünetten gefiel mir immer diese natürliche Lässigkeit, mit der sie ihre Haarfarbe tragen. Braunhaarige sind so unaufgeregt schön. Das wollte ich auch sein. Anfangs fand ich noch, dass die dunklen Haare meine grünbraunen Augen geheimnisvoll leuchten und meinen blassen Winterteint edel erscheinen ließen, aber das dauerte nicht lange. Zumal es sonst keiner bemerkte. Um ehrlich zu sein, bemerkte mich überhaupt niemand mehr.

Nicht nur, dass meine Freunde mich nur noch auf Zuruf erkannten. Auf der Straße lächelte mich niemand mehr an oder drehte den Kopf, wenn ich vorbeiging. Plötzlich wurde ich beim Bäcker übersehen, und Polizisten ließen sich Strafzettel nicht mehr ausreden. Ich fühlte mich auch anders. Graumäusiger, unsicherer und irgendwie missgelaunt. Blond, wurde mir schnell klar, ist weit mehr als nur eine Farbe. Es ist ein Lebensgefühl. Und zwar ein leichtes, vergnügtes.

Die Haarfarbe Blond ist nichts für Schüchterne

Für die meisten von uns ist Blond kein Schicksal, sondern eine bewusste Entscheidung. Auf den Genpool ist kein Verlass, da stehen die Chancen schlechter als im Lotto. Von sechs Milliarden Menschen auf der Welt sind gerade mal drei Millionen von Natur aus blond, und selbst von denen bessern viele eifrig nach. Einfach weil man sich schöner und selbstbewusster fühlt, wenn die Haare strahlen. "Das Tolle am Blondieren ist, dass man mit so wenig so viel verändern kann", sagt der englische Haarguru Orlando Pita, der einst Madonna schrittweise in eine Pop-Ikone verwandelte. Das dunkle Fräulein Ciccone war noch leicht zu übersehen, beim gesträhnten Material Girl war das schon schwerer und bei der platinblonden "Blond Ambition-"Sexbombe unmöglich.

Blonde Haare sind nichts für Schüchterne. Sie ziehen Blicke automatisch an. Wie Leuchtreklame. Wie sehr ich mich an die Aufmerksamkeit gewöhnt hatte, die eine blonde Frau täglich erlebt, wurde mir erst klar, als sie plötzlich fehlte. Zumal ich mich nie als BLONDINE begriffen hatte. Spätestens seit blonde Frauen in den 90er Jahren die Ostfriesen ablösten, hat die Bezeichnung einen ähnlichen Beigeschmack wie die Wörter Politesse oder Masseuse. Zu Blondine fällt mir eher Pamela Anderson ein als Hillary Clinton, dabei haben beide eigentlich eine Menge gemeinsam: Beide sind von Haus aus dunkel, und je erfolgreicher sie wurden, desto heller wurde es auf ihren Köpfen. Zufall? Eher nicht. Maggie Thatcher wurde immer blonder, je mächtiger sie wurde, und wer sich Fotos von Angela Merkel als Umweltministerin anschaut, bemerkt, dass auch die Kanzlerin zusehends erblondet.

Mit dieser Haarfarbe lässt sich Karriere machen.

Allen Blondinenwitzen zum Trotz lässt sich mit keiner anderen Haarfarbe so gut Karriere machen, ob nun als Badenixe oder Politikerin. Welchen Sinn hat es denn schon, gut zu sein, wenn niemand hinschaut? Zwar gelten Brünette als klüger - und wenn schon! Der Eindruck, den eine schlaue Blondine hinterlässt, ist umso größer. "Unterschätzt zu werden macht bei Verhandlungen vieles einfacher", sagt Dolly Parton, die sich vom Armeleutekind zu einer der erfolgreichsten - und reichsten - Frauen der Popmusik hocharbeitete. Blond ist aber nicht nur ein Hingucker, es weckt auch Vertrauen, haben Forscher herausgefunden. Das soll an den Augen liegen. Auf Blau und Grün sieht die Pupille größer aus. Das wirkt sympathisch.

Vielleicht lassen sich Waschmittel, Autos und Schokolade deswegen besser von Blondinen verkaufen. Auch brünette Nachrichtensprecherinnen sind nicht so oft vertreten, und Printmagazine setzen eher auf blonde Titelmädchen als auf dunkle. Diese Vorliebe ist schon alt. Tizian, Tintoretto und Botticelli malten ihre Göttinnen mit blondem Wallehaar. Maria und das Jesuskind sind auf Gemälden meist dunkelblond und buttergelb. Und im Märchen bekommt immer die mit den Goldzöpfen am Ende den Prinzen.

80 Prozent wollen blonde Haare

Um mehr Spaß im Leben zu haben, schmierten sich in der Antike Römerinnen Ätzkalk in die Haare oder verwebten die blonden Locken ihrer germanischen Sklavinnen auf ihren Köpfen. Seit der englische Apotheker E. H. Thiellay und der Pariser Friseur Léon Hugo 1867 auf der Pariser Weltausstellung ihr "Eau de fontaine de jouvence d'or", Wasserstoffperoxid, vorstellten, haben es Wahlblondinen leichter. Überall auf der Welt leben Friseure von der Zauberformel H2O2. Fast 80 Prozent aller Kundinnen, ganz gleich ob in New York, London, Los Angeles oder Paris, wollen blond sein. Auch der Berliner Starfriseur Dieter Bonnstädter, Ex-Chefvisagist von Yves St. Laurent und Versace, betreibt einen "Blond-Färbesalon". Zum Glück, sagt er. Blondsein ist teuer. Wer edel aussehen möchte, gibt in Deutschland im Schnitt zwischen 300 und 400 Euro (!) im Monat dafür aus, schätzt Bonnstädter. Dabei kommen die Deutschen noch glimpflich davon. In London kostet eine Dosis Edelblond bis zu 300 Pfund, in New York bis zu 500 Dollar. Das läppert sich. Soll kein dunkler Ansatz zu sehen sein, sitzt die Frau nach drei Wochen wieder im Salon, alle anderen sind spätestens nach acht Wochen wieder da.

Doch nicht nur das: Blondsein ist Arbeit. Während Brünette das Styling auch mal schleifen lassen können, wollen blondierte Haare permanent gehegt und gepflegt werden. "Sonst sieht das gleich strohig aus", sagt Stylist Bonnstädter streng. Manche seiner blonden Promi-Kundinnen kommen zwischendurch nur zum Pflegen und Föhnen vorbei. Weil es dann schöner aussieht. Warum also tun sich Frauen, warum tue ich mir das an? Ganz einfach: Der Glamourfaktor einer blonden Frau - entsprechender Föhn- und Bürsteneinsatz vorausgesetzt - ist einfach unerreicht.

Filmdiva Jean Harlow war die Erste, die dank der Leuchtkraft ihrer Haare in Hollywood Karriere machte. In den Schwarzweißfilmen der dreißiger Jahre wirkte ihr zu Wattebauschkonsistenz gebleichtes Haar wie ein Heiligenschein. Marilyn Monroe wurde platinblond zur zeitlosen Stil- Ikone. Marlene Dietrich, Anita Ekberg oder Faye Dunaway sind dunkelhaarig ebenso schwer vorstellbar wie Hitchcock-Filme ohne die Eisblondinen Grace Kelly, Kim Novak oder Tippi Hedren. Catherine Deneuve, Brigitte Bardot und Ursula Andress wurden nicht zuletzt durch ihre blonden Wallemähnen zu Traumfrauen ganzer Generationen.

Auch heute setzen Schauspielerinnen auf Blond: Gwyneth Paltrows flachsblonde glatte Haare sind eigentlich dunkel gelockt, Goldie Hawns Mähne allenfalls hellbraun ebenso wie die von Meg Ryan, Michelle Pfeiffer und der inzwischen kurze Schopf von Sharon Stone. Dabei wird je nach gewünschtem Imagewechsel mal dunkler gesträhnt, mal heller. Denn Blond ist lange nicht gleich Blond.

Im Gegensatz zu Rothaarigen, Schwarzhaarigen oder Brünetten kann jede Blondine selbst bestimmen, wie sie von anderen gesehen wird. Je nachdem, ob sie sich platinblond bleicht oder goldblond, grob strähnt oder fein, wuschelt oder glatt föhnt, kann sie billig wirken oder edel, schlicht oder schlau, schräg oder seriös, eiskalt oder anschmiegsam. Alles, ohne ein Wort sagen zu müssen. Wie sehr die Tönung den Typ verändern kann, lässt sich gut an Julia Roberts sehen. Zwischen der eleganten, einsamen Filmdiva Anna Scott aus "Notting Hill" und der supermarktblondierten Rechtsanwaltsgehilfin "Erin Brockovich" liegen Welten. Egal für welche Botschaft sich eine Blondine entscheidet, sie kann sich sicher sein, dass sie ankommt. Und dass man sich an sie erinnern wird. Das glauben Sie nicht? Mal ehrlich: Wissen Sie noch, wer die beiden dunklen Engel neben Farrah Fawcett waren, an deren blonde Mähne wir uns wohl auch noch lange nach ihrem Tod erinnern werden?

Aber wie kommt es, dass manche Blondinen nach High Society aussehen, andere dagegen superbillig? Das Geheimnis, sagt Blond- Experte Dieter Bonnstädter, liegt in den Strähnen. "Je feiner sie sind, desto mehr fangen sie die Lichtreflexe ein. So wirken die Haare lebendig und sehr edel." Durchgefärbte oder blockweise gesträhnte Haare können dagegen leicht billig aussehen, vor allem, wenn die Frau älter als 30 und kein Rockstar ist. So war zwar die junge Madonna einheitsgebleicht supersexy, die 50- Jährige färbt und strähnt.

"Das sind mindestens vier Farben", schwärmt Bonnstädter und erklärt: "Edelblonde Haare sehen aus, als seien sie von Natur aus so gewachsen - nur besser." So fühle ich mich auch, als ich, frisch erblondet, Dieter Bonnstädters Salon verlasse. Besser. Viel besser. "Blond macht süchtig", hatte der Stylist im Gespräch gesagt. "Wer sich einmal dafür entschieden hat, wird diese Farbe immer wieder wollen." Stimmt. Als sich auf dem Weg zurück ins Büro die ersten Köpfe in meine Richtung bewegen, weiß ich es genau: Keine Brünett-Experimente mehr!

Pflege-Tipps für blonde Haare

Ihre hellen Strähnen wirken matt oder schimmern grün? Egal, ob Ihr Haar naturblond oder chemisch aufgehellt ist: Chlor, Meerwasser, Produkt- und Kalkrückstände können sich wie ein dunkler Schleier darüberlegen. Dagegen helfen Pflegeprodukte mit lilafarbenen oder goldigen Pigmenten, die den ungewollten Schimmer neutralisieren und das Blond darunter wieder zum Vorschein bringen (z. B. "Blonde Glam Color Enhancer" entweder für platin- oder aschblondes Haar von Redken).

Sie möchten blonder werden? Perfekt für alle, die nur einen Hauch heller und nicht zur Wasserstoffblondine werden möchten, sind Shampoos und Conditioner mit natürlichen Kamille- und Zitrusextrakten (z. B. "Sheer Blonde Go Blonder"-Shampoo von John Frieda). Sie frischen die Farbe jedes Mal ein wenig mehr auf und nach etwa drei Wäschen ist der Unterschied zu sehen.

Sie wollen mehr Volumen? Die meisten Blondinen haben zwar viel, aber dafür dünnes Haar. Ist das dann auch noch strapaziert und braucht reichhaltige Pflege, wird es zusätzlich beschwert und hängt platt herunter. Mittlerweile gibt es aber immer mehr Produkte, die extra leicht sind (z. B. "Gliss Kur Total Repair Schwerelos Shampoo" von Schwarzkopf oder "Elvital Reparatur & Fülle 5" von L'Oréal Paris). Um hartnäckige Pflegeoder Stylingrückstände sanft aus dem Haar zu entfernen, sind spezielle Tiefenreinigungsshampoos ideal (z. B. "Pur & Belebend Tiefenwirksames Shampoo" von Guhl).

Text: Meike Bruhns Fotos: Christian Irrgang/iStockphoto/Cinetext
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