Welcher Haarschnitt macht sofort jünger? Der Pony!

Eine vollkommen subjektive Hommage an den größten Schmeichler unter den Haarschnitten - den Pony-Haarschnitt. Mit Gebrauchsanleitung.

"In die Stirn gekämmtes, meist gleichmäßig kurz geschnittenes, glattes Haar" - ein bisschen nüchtern beschreibt der Duden das, was vor ein paar Wochen weltweit die Klatschspalten füllte: Als sich die First Lady Michelle Obama im vergangenen Jahr einen Pony schneiden ließ, hatte das Nachrichtenwert und zahlreiche Nachahmerinnen. Und es den Präsidenten auf eine lustige Idee. Beim "White House Correspondents Dinner", einem traditionellen Presse-Event, zeigte sich Barack Obama ebenfalls mit Matte vor der Stirn. Auf Großbildleinwand. Zum Glück nur eine Fotomontage. Gedacht, um frischen Wind in die zweite Amtszeit zu bringen, und der Beweis, wie viel Potenzial in diesem Stil-Element schlummert: Mit minimalem Aufwand lässt sich jedem Look ein ganz neuer Dreh geben. Und das, ohne sonst allzu viel zu verändern oder sich von der Länge des übrigen Haares trennen zu müssen.

Abstimmung: Promis mit und ohne Pony

Der Pony und seine Wirkungen: "Kurz und fransig macht jünger" heißt ein ungeschriebenes Hairstylisten-Gesetz, seit Audrey Hepburn in den Sechzigern "Sabrina" spielte. Bis zur Mitte der Stirn und gerade geschnitten wirkt er dagegen wie ein (etwas unangepasstes) Statement. Mit Seitenscheitel über die Stirn aus dem Gesicht gestrichen, lässt der Pony ein kantiges Gesicht harmonischer erscheinen. Und hinter einer dichten Fransenhecke steckt oft ein kluger Kopf, denn so lassen sich auf elegante Art kleine Pickel und Fältchen verbergen - oder ein sehr hoher Haaransatz.

"Kurz und fransig macht jünger"

Und wenn mal Luft an die Haut soll? Kein Problem: Insbesondere lange Ponys werden mit einer Handumdrehung und zwei Haarklemmen nach oben wie zur Tolle gesteckt. Denken Sie nur mal an Elfriede Jelinek! Idealerweise endet ein Pony - "frange" auf Französisch, " fringe" oder "bang" im englischsprachigen Raum - etwa drei Millimeter über der Augenbraue und ist damit der größte Schmeichler, den Friseure erschaffen können, noch vor den blonden Strähnchen.

Manchmal allerdings verhält es sich mit ihm ähnlich wie mit den Pferdezwergen, denen er tatsächlich seinen Namen zu verdanken hat: Ponys können sich ganz schön störrisch anstellen. Zum Beispiel bei sehr dünnem Haar. Damit er hier überhaupt zu erkennen ist und nicht wie zufällig in die Stirn gewehte Strähnen aussieht, sollte er vom höchsten Punkt des Kopfes aus nach vorn und voll geschnitten werden. Anschließend ein wenig so genanntes Sea-Salt-Spray einsprühen (z. B. von Davines, Got2be, John Frieda), es hält feine Strähnen gewissermaßen auf Abstand und festigt, ohne zu verkleben.

Was Ponys gar nicht leiden können

Hochsensibel reagieren Ponys übrigens auf Wind von vorn. Für Helm tragende Radlerinnen gibt es eine Lösung: den Pony in die Gegenrichtung frisieren. Später dann wieder mit den Fingern in die gewohnte Position wuscheln und nur in die Ansätze Volumenpuder mit den Fingerspitzen einmassieren oder kurz mit Trockenshampoo einnebeln (z. B. von Garnier Fructis), das heute längst nicht mehr so einen staubig-matten Look hinterlässt wie noch in den Siebzigern. Einsprühen, ausbürsten, frisch! Das Volumen bleibt besser erhalten, und das Spray hilft auch gegen Klebe-Ponys nach Schweißausbrüchen. Überhaupt hätte - besonders im Sommer - der Pony gern eine Extrawurst beziehungsweise Extrawäsche. Gehen Sie ruhig darauf ein! Die partielle Auffrischung über dem Waschbecken zu Hause schont den Rest des Haares, das durch häufiges Waschen sonst ausgelaugt wird. Anschließend den Pony nur noch föhnen und gegebenenfalls mit dem Glätteisen in Form bringen.

Was tun, wenn der Pony zu kurz geraten ist?

Wie man einen supermodischen extralangen Pony (Friseurjargon: XXL-Pony) nachschneidet, wenn man nach ein paar Tagen nichts mehr sieht, lesen Sie auf der nächsten Seite. Was aber tun, wenn der Pony zu kurz geraten ist (das passiert leider sogar schon mal beim Profi)? Erstens: tief durchatmen. Zweitens: keine Panik kriegen, denn nach zwei Wochen ist der Spuk vorbei und einen knappen Zentimeter länger. Bis dahin bringen Sie einfach so viel Bewegung wie möglich ins Haar: mit etwas Wachs oder durch Toupieren. Und streichen Sie die Enden mit den Fingerspitzen öfter zur Seite, aus dem Gesicht. Tritt der Kurzschnitt-Unfall nach dem Sommer auf, verkehrt sich der eigentliche Vorteil des natürlichen haarigen Sonnenschutzes in einen Nachteil: helle Stirn zu brauner Nase. Die Rettung kommt als dunkler Bronzerpuder. Von den Schläfen aus Richtung Stirnmitte pinseln und mit dem Rest an Farbe über die Wangen gehen. Das gleicht die Hautpartien farblich besser und natürlicher an als zum Beispiel ein Make-up. Wer bislang noch keinen Pony hat: Orientieren Sie sich vor allem an der Gesichtsform.

Welcher Pony zu welcher Gesichtsform?

Herzförmige und ovale Gesichter können jede Art von Pony tragen: gerade, tief, mit Seitenscheitel oder einen rund geschnittenen, der in der Mitte kürzer als an den Seiten ist. Eckigen, runden und breiten Gesichtern gibt der Pony mehr Harmonie, wenn er die berühmten drei Millimeter über der Augenbraue endet und/oder mit leichtem Seitenscheitel getragen wird. Sehr kurz und weit aus dem Gesicht heraus geschnitten, macht er Gesichter eher flächig. Bei einem schmalen Gesicht ist ein voller XXL-Pony ideal oder einer, der bis zur Stirnmitte geschnitten ist. Bei Locken sollte übrigens wirklich nur der Friseur ran, das Eigenleben der Kringel birgt Überraschungen. Und theoretisch könnten Sie wegen eines Stirnwirbels das Pony-Projekt begraben. Oder Sie nutzen mutig den Twist der Naturwelle für einen vollen überlangen Pony mit Seitenscheitel. Den dann sanft aus der Stirn streichen. Sieht garantiert sehr lässig aus - und schmeichelhaft.

Nachschneiden wie ein Profi

Viele Friseure schneiden zwischen zwei Terminen den Pony kostenlos nach. Für den Fall, dass Sie das Angebot nicht wahrnehmen können und ausnahmsweise selbst Hand anlegen wollen, hier die wichtigsten Regeln.

• Der perfekte Zeitpunkt ist ein Tag nach dem Haarewaschen, dann ist das Haar am griffigsten. Besser nicht im nassen Zustand schneiden, denn beim Trocknen zieht sich das Haar zusammen, und die Ponylinie wird kürzer als gewünscht. Idealerweise erst das Haar kämmen und mit den Fingern in Position schütteln. Anschließend die Seiten mit Klemmen wegstecken. Zum Schneiden den Pony mit dem Kamm (oder locker zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt) etwas von der Stirn weghalten. Mit der Schere in einem spitzen Winkel von unten in den Pony Minifransen schneiden, Millimeter nur - wie winzige spitze Zähnchen.

• Besonders voll wird so ein Pony, wenn er vom höchsten Punkt des Kopfes, dem Scheitelpunkt, gekämmt wird. Sonst gilt: zwei Finger breit über dem Haaransatz die Haarsträhnen nach vorn in die Stirn kämmen und in Nasenwurzelhöhe abschneiden, nachfransen (s. o.).

• Sehr lange Ponys, die bis über die Brauen gehen, setzen ausdrucksvolle Augen in den Mittelpunkt. So ein XXL-Pony ist aber sehr nachschneideintensiv. Jede Woche sollten ein paar Millimeter fallen, sonst piksen die Fransen. Ein langer Pony neigt außerdem dazu, sich zu teilen wie eine altmodische Fenstergardine.

• Apropos freie Sicht: Wenn ein Pony rauswachsen soll, brauchen Sie Geduld. Für eine Kinnlänge züchten Sie ihn ein knappes Jahr lang. Der kritische Punkt, an dem man sich vielleicht doch entscheidet zu kürzen, ist erreicht, wenn die Fransen das Auge bedecken. Den Pony dann mit einem Haarband oder der Sonnenbrille aus dem Gesicht stecken. Alternative: Ansätze toupieren, Sea-Salt-Spray verteilen, mit den Fingern nach oben aus der Stirn streichen.

Text: Angela Schöneck Fotocredit: Summer/Corbis BRIGITTE WOMAN 09
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