Grau werden - schön bleiben

Graue Haare wachsen lassen: Wir verraten Ihnen, wie der Übergang zu grauen Haaren mit den richtigen Colorations-Techniken ganz sanft gelingt.

Wer Grau wird, büßt an Attraktivität ein? Blödsinn! Die Zeiten, in denen Frau mit allen erdenklichen Colorations-Techniken gegen den natürlichen Farbwechsel im Haar ankämpfte, sind jetzt vorbei. Was sich stattdessen manifestiert, ist: Viele Frauen sehen in ihren grauen Haaren im Spiegel nicht länger ein Weniger, sondern ein Mehr!

Graue Haare liegen im Trend - das weiß auch Franc Braun vom Salon "Braun der Friseur" in Kaarst bei Düsseldorf und Colorations-Experte für L’Oréal Professionnel. Neu sei, dass vor allem Frauen in ihren Vierzigern graues Haar zeigen wollen. Woran das liegt? Vielleicht haben es diese Frauen einfach satt, so auszusehen, als strebten sie kontinuierlich nach einer jüngeren Version von sich selbst und wollen stattdessen lieber aussehen wie: sie selbst.

Ergrauen ist ein individueller Prozess: Bei der Einen setzt er früher ein, bei der Anderen später, bei der Einen geht’s schnell, bei der Anderen dauert es. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings: Kaum eine Frau wird gleichmäßig grau. Die Haare im Konturenbereich an den Schläfen verlieren meist als erstes ihre Farbe, die Haare im Nacken verblassen als letzte.

Die Haarfarbe verblasst, wenn nicht genügend Tyrosin produziert wird, eine Aminosäure, die für die Melanin-Produktion nötig ist ist. Luftbläschen ersetzten den fehlenden Farbstoff und lassen die Haare weißlich schimmern. Übrigens: Graue Haare gibt es eigentlich nicht, denn ein einzelnes Haar wird nicht grau - es hat entweder Farbpigmente oder nicht. Grau ist also lediglich ein Farbempfinden, das aus dem Zusammenspiel von weißen und noch pigmentierten Haaren entsteht.

Sie werden Grau und wollen es auch bleiben?

Allen, die Grau werden und es bleiben wollen, empfiehlt Franc Braun Strähnen im Naturton. Damit das Ergebnis schön natürlich aussieht, werden keine glamourösen Gold- oder Kupfer-Nuancen benutzt, sondern feine Strähnchen in Asch- oder Schiefertönen gesetzt, die sich dem natürlichen Grau anpassen.

Frauen mit blonden Haaren haben es in puncto Ergrauen ein wenig einfacher. "Ihre Haare verlieren tatsächlich gleichmäßiger ihre Farbe", sagt der Experte. Hinzu kommt, dass nicht pigmentierte Haare bei blonden Frauen viel weniger auffallen als bei Frauen mit dunklen Haaren. Es gibt allerdings ein Problem, mit dem Ex-Blondinen besonders zu kämpfen haben: Dem Gelbstich. Wie genau der entsteht, ist wissenschaftlich nicht genau geklärt - die Theorien reichen von einer sich erst im Alter manifestierenden Wasserstoffperoxid-Unverträglichkeit bis hin zu Nikotin-Ablagerungen im Haar. Einigkeit herrscht zumindest bei den Strategien: Was hilft, sind Silberhaarbäder beim Friseur oder Silber-Shampoos und -Spülungen, die zu Hause benutzt werden können und in jedem Drogeriemarkt zu haben sind. Die darin enthaltenen blauen Farbpigmente wirken dem Gelbstich entgegen und verleihen dem Haar einen silbrigen Schimmer.

Sie sind schon Grau, wollen es jetzt aber auch zeigen?

Frauen, die bislang gefärbt haben und nun das natürliche Grau ihrer Haare herauswachsen lassen wollen, empfiehlt Franc Braun: Zunächst ultrafeine Strähnchen vom Frisuer aufhellen lassen. Die Betonung liegt dabei klar auf ultrafein, von Kammsträhnen oder Painting rät der Colorations-Experte ab. "Zu dicke Strähnen laufen Gefahr, gelbstichig zu werden - auch wenn man Ihnen etwas anderes erzählen will!" Je feiner die Strähnen gezogen würden, desto natürlicher sehe das Gesamt-Ergebnis aus. Nach dem Aufhellen werden die Haare in einem silbrigen Platinblond getönt. In zwei bis drei Haarschnitten soll so dem natürlichen Grauton so nah wie möglich gekommen werden - und der schöne Strähnchen-Effekt bleibt.

Rote Haare verblassen eher als dass sie ergrauen. "Meistens reicht hier ein Aufhellen aus, um ein natürliches Ergebnis zu erzielen", sagt der Experte.

Tipp: Finger weg von Färbungen in Grautönen! Das Ergebnis gleicht in aller Regel einer hässlichen Helm-Frisur und hat mit Natürlichkeit rein gar nichts zu tun.

Wie pflege ich graues Haar richtig?

Durch den Verlust der Farbpigmente ändert sich auch die Struktur der Haare: Oft wirkt das Haar stumpf und fühlt sich trocken an. Anti-Age-Shampoos enthalten spezielle Pflegestoffe, die es mit Ceramiden und Proteinen auffüllen oder mit einem Polymerfilm umhüllen. Zitrusextrakte und Koffein kräftigen die Haarwurzel. Auch beim Aufhellen wird die Haarstruktur aufgebrochen. Zwar werden durch das Überfärben wieder neue Pigmente in das Haar eingeschleust, die es von innen stabilisieren, doch die Struktur bleibt geschädigt. Produkte, die den zellulären Zusammenhalt stärken, geben dem Haar neue Kraft.

Wie oft muss ich jetzt zum Frisuer?

Dank der neuen Colorations-Techniken muss niemand mehr sein Grau mühsam herauswachsen lassen. Allerdings werden die Haare - und besonders die Spitzen - durch das Aufhellen stark strapaziert. Alle vier bis sechs Wochen sollten Sie sie vom Friseur nachschneiden lassen. Sind die Haare zu sehr geschädigt, kommt Frau um ein Gesundschneiden nicht herum. Sehen Sie's positiv: Wollten Sie nicht schon immer mal diesen neuen Kurzhaarschnitt ausprobieren? Moderne Trend-Schnitte sehen bei grauen Haaren ganz besonders toll aus.

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Text: vz Fachliche Beratung: Franc Braun/L’Oréal Professionnel www.braunderfriseur.de Fotos: Jakle/Image Source/Corbis
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