Jede Frau muss einmal im Leben blond, rot und dunkel sein

Fachleute unter sich: Die große Haarstylistin Marlies Möller empfängt in ihrem Haus auf Ibiza den Autor Christian Schünemann, der in seinen Krimis einen Friseur Morde aufklären lässt.

Marlies Möller gehört in Deutschland zu den wenigen weiblichen Stars unter den Friseuren. Die gelernte Friseurmeisterin und Maskenbildnerin eröffnete in den sechziger Jahren ihren ersten Salon im Souterrain einer Hamburger Patriziervilla. Im Team mit ihrem Ehemann Manfred, einem Kaufmann, hat sie ein florierendes Unternehmen aufgebaut, mit insgesamt sechs exklusiven Salons und einer großen Auswahl eigener Produkte, da- runter Haarpflege und -bürsten. Marlies Möller hatte jahrelang einen Lehrauftrag für Frisuren- und Gesichtsgestaltung an der Universität Hamburg, inzwischen leitet sie ihr eigenes Ausbildungsinstitut. Zusammen mit der Journalistin Sylvia Heiser hat Marlies Möller das Buch "Hair Secrets" geschrieben, das in diesen Tagen im Riva-Verlag erscheint (160 Seiten, 19,90 Euro). Das Ehepaar Möller hat zwei er-wachsene Kinder, Sohn Christian ist Betriebswirt und Geschäftsführer des Familienunternehmens. Tochter Miriam, gelernte Designerin, ist jetzt als Kreativ-Direktorin dazugekommen.

BRIGITTE-woman.de: Frau Möller, Sie sehen toll aus. Aber, mal ehrlich: Wie lange haben Sie heute Morgen für Ihre Haare gebraucht?

Marlies Möller: Zehn Minuten.

BRIGITTE-woman.de : Mit allem Drum und Dran? Das glaube ich nicht!

Marlies Möller: Ist aber so. Einschließlich shampoonieren. Das geht ruck, zuck. Zugegeben, es ist natürlich immer schon alles vorbereitet. Und ich benutze eine wunderbare Bürste, von mir selbst entwickelt, mit einem Tunnel und Löchern, wo die Föhnluft durchströmt. Dadurch trocknet das Haar viel schneller. Das spart mindestens fünf Minuten.

BRIGITTE-woman.de: Mal der Reihe nach. Zuerst waschen Sie...

Marlies Möller: Wenn Sie es schon so genau wissen wollen: Vor dem Shampoonieren trage ich manchmal noch eine Pflege auf. Allerdings nur für die Spitzen...

BRIGITTE-woman.de: Den Trick mit den Spitzen kenne ich, die Haare fallen sonst am Ende zu schwer.

Marlies Möller: Woher wissen Sie das?

BRIGITTE-woman.de : Ich habe auch so meine Quellen...

Marlies Möller: Sie meinen Ulrich Graf, meinen geschätzten Kollegen in München, stimmt’s? Der ist doch Vorbild für Ihre Friseur-Romane. Ich habe die Bücher sehr genau gelesen. Herr Graf hat Ihnen sicher auch gesagt, dass die Pflege ins trockene Haar gehört.

"Ich brauche morgens nur zehn Minuten für meine Frisur: waschen, föhnen, in Form zupfen. Und dann lacht das Haar"

BRIGITTE-woman.de: Aber warum ist das eigentlich so?

Marlies Möller: Weil trockenes Haar die Pflege besser aufsaugt. Und nur bei trockenem Haar sehe und fühle ich überhaupt, wo mein Haar spröde ist. Jedes Haar hat Eigenarten, die bei der Pflege berücksichtigt werden müssen. Doch nass sind alle Haare gleich, ich sehe und fühle nichts mehr. Das ist übrigens der Grund dafür, dass ich Haare nur trocken schneide.

BRIGITTE-woman.de: Aber lassen sich Haare nass nicht viel exakter schneiden? Sie sind dann doch nicht so fisselig.

Marlies Möller: Tja, Herr Schünemann, da irren Sie sich. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn das Haar nass ist, sehe ich doch gar nicht, was ich wegschneide. Beim Trockenschneiden weiß ich sofort, wie es aussieht. Ich nehme etwas weg und sehe im Spiegel: Aha, so sieht es aus. Darum schneide ich grundsätzlich trocken.

BRIGITTE-woman.de: Wo fangen Sie denn normalerweise an zu schneiden – vorn, hinten oder mittendrin?

Marlies Möller: Immer vorn. Damit die Kundin gleich sieht: Oh, das wird ja toll! Sie hat dann ein Erfolgserlebnis, fasst Vertrauen zu mir, und ich bekomme von ihr dieses zufriedene Lächeln. Danach kann ich, ehrlich gesagt, hinten machen, was ich will.

BRIGITTE-woman.de: Ich verstehe nicht ganz.

Marlies Möller: Ich sage das so, weil wir damals, in den siebziger Jahren, bei den so genannten Anneliese-Rothenberger-Frisuren immer nach diesem Prinzip verfahren sind.

BRIGITTE-woman.de: Anneliese Rothenberger? Das ist doch die Frisur, wo vorn alles in diesen ordentlichen Wellen liegt?

Marlies Möller: Wie Beton. Schrecklich. Da gab es überhaupt keine Bewegung mehr. Aber ein bestimmter Typ Frau wollte nur das und nichts anderes. Ich kann Ihnen sagen: Gegen Wände haben wir damals geredet! Und, wissen Sie, unter uns Kollegen haben wir immer gesagt: Gut. Vorn machen wir Anneliese Rothenberger, aber hinten Elvis Presley.

BRIGITTE-woman.de: Das heißt, Sie haben eine Frisur gemacht, die Sie selbst zum Davonlaufen fanden?

Marlies Möller: Könnte man so sagen. Und da sehen Sie mal: Einem Friseur wird auch manchmal Gewalt angetan.

BRIGITTE-woman.de: Sie übertreiben.

Marlies Möller: Wenn ich eine neue Frisur machen soll, und gleichzeitig muss alles so bleiben, wie es ist – das ist das Schlimmste. Das ist, als ob eine Frau mit zehn Meter Stoff zum Schneider geht und sagt: Machen Sie mir ein schönes Abendkleid, aber Sie dürfen den Stoff nicht zerschneiden.

BRIGITTE-woman.de: So eine Dame würde ich dann doch einfach wieder nach Hause schicken!

Marlies Möller: Kommt überhaupt nicht infrage! Bei uns im Salon steht die absolute Zufriedenheit der Kundin im Mittelpunkt. Sie soll sich wohl fühlen und wieder zu uns kommen.

BRIGITTE-woman.de: Wie stellen Sie das denn an, wenn sie eigentlich gar keine neue Frisur will? Was tun Sie?

Marlies Möller: Alles. Schon wenn sie hereinkommt in den Salon, schauen wir uns die Kundin ganz genau an und fragen uns: Ist sie schüchtern oder dynamisch, sportlich oder verschreckt? Und spätestens, wenn wir das Haar sehen, wissen wir, was los ist.

BRIGITTE-woman.de: Das heißt, Sie schließen von den Haaren einer Frau auf ihre Persönlichkeit?

Marlies Möller: Durchaus. Ich erkenne zum Beispiel, ob die Trägerin das Haar pflegt oder vernachlässigt, ob sie eher extrovertiert ist oder introvertiert. Und dann lege ich los: Ich kämme und fühle den Kopf. Ich spüre den Fall des Haares auf. Und dabei kommt mir die Idee, welche Frisur zu genau dieser Frau passt.

BRIGITTE-woman.de: In Ihrer Liga spielen ja hauptsächlich Männer. Aber kann es sein, dass Sie als Frau die Kundin anders angucken als ein männlicher Friseur?

Marlies Möller: Ich glaube, ja. Als Frau weiß ich sehr genau, wie eine Frau fühlt, wo sie besonders sensibel ist, möglicherweise sogar Angst hat, und darauf gehe ich ein. Aber ich fordere meine Kundinnen auch heraus mit dem, was ich will.

BRIGITTE-woman.de: Das tun Friseur-Männer doch auch!

Marlies Möller: Manche Herren Kollegen gehen vielleicht eher den Weg des geringeren Widerstands, schneiden immer schön gerade ab, ein bisschen Strähnen, und das war’s. Sie gehen kein Risiko ein. Ich will den Frauen gern zeigen, was in ihnen steckt. Aber das ist andererseits auch schwierig. Damen, die noch unschlüssig sind, ob sie etwas Neues wagen sollen, sind aufgeregt. Die Anspannung spüre ich sogar an der Kopfhaut.

BRIGITTE-woman.de: Wie überzeugen Sie so eine Frau?

Marlies Möller: Ich erkläre noch einmal, was ich vorhabe, mache vielleicht noch ein Kompliment mehr. Ich schaffe Vertrauen. Dazu gehört übrigens auch eine schöne Atmosphäre. Damit die Kundin sich fallen lässt und offen ist für meine Anregungen.

BRIGITTE-woman.de: Sie meinen einen schönen Duft, der durch den Salon schwebt, angenehme Musik, guter Kaffee...

Marlies Möller: Geruch und Musik interessieren mich nicht, und Kaffee kriegen Sie überall. Nein, ich schaffe Atmosphäre, zum Beispiel mit schönen Möbeln, Blumen oder der hochwertigen Berufskleidung, die wir alle im Salon tragen. Ich verändere immer etwas in meinen Salons, als Abwechslung und Anregung - nicht nur für die Kundin, sondern auch für mich. Ich brauche das für meine Kreativität.

BRIGITTE-woman.de: Entschuldigung, eine gute Friseurin kann doch auch auf einer Apfelsinenkiste Haare schneiden.

Marlies Möller: Aber ein Leben lang habe ich dazu keine Lust. Ein Salon muss wachsen. Das ist ja auch eine Bestätigung für den eigenen Erfolg. Größe muss man zeigen.

BRIGITTE-woman.de: Das klingt selbstbewusst.

Marlies Möller: Natürlich. Als ich vor gut 40 Jahren im Souterrain einer Villa anfing, hatte ich da sogar meine privaten Möbel drin. Später habe ich den Salon über das ganze Haus ausgeweitet, aber vor ein paar Jahren entschieden, die Villa zu verkaufen. Hamburg hat geweint. Aber wir fanden, es war an der Zeit, etwas Neues, Größeres zu machen.

BRIGITTE-woman.de: Das ist Ihnen gelungen. Ihr neuer Salon in der Innenstadt, am Neuen Wall, ist riesig...

Marlies Möller: Ein Haus mit drei Etagen, nein, sogar vier. Oh Gott!

BRIGITTE-woman.de: ...und jede Etage ist in einem anderen Stil gehalten. In Hannover haben Sie sich mit italienischem Flair eingerichtet, in Düsseldorf...

Marlies Möller: Wir zeigen den Kunden, dass wir mit der Zeit gehen und auf dem Laufenden sind. Dadurch fühlen auch sie sich im Trend und sagen stolz: Hier gehe ich hin.

BRIGITTE-woman.de: Das ist nachvollziehbar, Frau Möller. Aber ich muss zugeben, wenn ein Salon zu schick ist, werde ich misstrauisch und denke: Der Friseur soll sich lieber aufs Haareschneiden konzentrieren.

Marlies Möller: Dass ich mein Handwerk beherrsche, versteht sich doch von selbst - egal, ob ich Haare schneide, Farbe auftrage oder den Fußboden im Salon ausfege.

BRIGITTE-woman.de: Reicht gutes Handwerk allein nicht aus?

"Tragen Sie Ihre Haare immer schon so? Das ist ja furchtbar! Wagen Sie doch mal eine Mähne, so halblang im Nacken"

Marlies Möller: Ich finde nicht. Als Friseur müssen Sie selbst Vorbild sein, natürlich auch mit dem eigenen Aussehen. Auch Sie selbst müssen sich ab und zu äußerlich verändern.

BRIGITTE-woman.de: Ab und zu ist gut. Wenn ich mir Ihre Fotos anschaue, hier, auf der Doppelseite in Ihrem neuen Buch, sehe ich eine Versammlung völlig unterschiedlicher Personen. Aber das sind immer Sie, Marlies Möller: die Gestrenge, die Flippige, die Süße, die Freche - tausend verschiedene Rollen.

Marlies Möller: Und soll ich Ihnen sagen, wann für mich der Zeitpunkt kommt, mich wieder einmal zu verändern?

BRIGITTE-woman.de: Wenn Sie sich selbst nicht mehr ansehen mögen?

Marlies Möller: Nein, wenn die Frisur zu brav ist! Wenn eine Kundin zu mir sagt: "Frau Möller, Sie sehen gut aus", weiß ich, meine Frisur ist brav. Dann probiere ich sofort etwas Neues aus. Und ich sage Ihnen, das macht richtig Laune!

BRIGITTE-woman.de: Bei mir ist es genau andersherum: Ich bin froh, wenn ich eine Frisur habe, die zu mir passt und mit der ich einigermaßen umgehen kann.

Marlies Möller: Hören Sie auf, das ist ja furchtbar! Man muss sich doch im Laufe eines Lebens immer wieder neu entdecken. Man muss andere Rollen spielen. Alle sieben Jahre muss man sich gehäutet haben. Was hatten Sie denn schon alles?

BRIGITTE-woman.de: Wie meinen Sie das?

Marlies Möller: Sie tragen Ihre Haare doch wohl nicht immer schon genauso wie heute oder etwa doch?

BRIGITTE-woman.de: Ehrlich gesagt: fast. Sie sind höchstens mal ein bisschen länger, mal ein bisschen kürzer.

Marlies Möller: Zu kurzem Haar würde ich Ihnen nicht mehr raten. Wagen Sie mit Ihrer leichten Naturwelle ruhig mal eine Mähne. So halblang, im Nacken, italienisch, wellig. Ich weiß nicht... Damit Sie sich daran gewöhnen, streichen Sie die Haare abends, wenn Sie ausgehen, ruhig schon mal ein bisschen zurück. Einfach Gel ins trockene Haar. Aber nicht anklatschen bitte, sondern lässig aus dem Gesicht.

BRIGITTE-woman.de: Aber dann kommen meine Geheimratsecken so stark zur Geltung.

Marlies Möller: Ach, da fällt dann eine Locke rüber. Aber was ist denn mit Ihrem Grau an den Seiten?

BRIGITTE-woman.de: Wie bitte?

Marlies Möller: Grau macht bis zu zehn Jahre älter. Es gibt zwar durchaus Ausnahmen von dieser Regel, wenn es ein schönes Grau ist und jemand dicke Haare hat. Aber Farbe kann Wunder bewirken. Bei einer Frau sage ich immer: Jede muss einmal im Leben blond, rot und dunkel gewesen sein...

BRIGITTE-woman.de: Ach, und wieso...

Marlies Möller: Moment. Sie glauben gar nicht, was nach dem Färben plötzlich alles passiert! Die Damen staunen nur noch, wie viele Komplimente sie auf einmal bekommen. Und viele verändern dann gleich auch noch ihre Garderobe.

BRIGITTE-woman.de: Wirklich?

Marlies Möller: Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Einmal habe ich mir die Haare ganz kurz schneiden lassen und mir diesen berühmten ersten Anzug von Jil Sander gekauft. Dazu eine Brille in Grau. Ich habe so viele Komplimente gekriegt.

BRIGITTE-woman.de : Und warum sind Sie dann nicht auf Dauer bei diesem Look geblieben?

Marlies Möller: Ich sage doch: weil nichts schlimmer ist als die Gewohnheit. Sie müssen immer wieder etwas Neues anbieten, damit man Ihnen ein echtes, spontanes Kompliment macht.

BRIGITTE-woman.de: Das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Wenn Sie mir, zum Beispiel, zu dieser italienischen Mähne raten, kann es passieren, dass ich am Ende aussehe wie ein Vorstadt-Casanova.

Marlies Möller: (lacht) Nein, nein. Das neue Styling darf natürlich nicht so sein, dass Sie plötzlich ein ganz anderer Typ sind. Das muss wachsen, Schritt für Schritt, über drei, vier Sitzungen. Und wenn wir beide von der Idee überzeugt sind, ich aber spüre, Sie haben Angst vor den Reaktionen Ihrer Familie, der Freunde und Bekannten, rate ich Ihnen: Sagen Sie denen erst einmal nichts. Bewahren Sie absolutes Stillschweigen. (lacht) Nein, nein. Das neue Styling darf natürlich nicht so sein, dass Sie plötzlich ein ganz anderer Typ sind. Das muss wachsen, Schritt für Schritt, über drei, vier Sitzungen. Und wenn wir beide von der Idee überzeugt sind, ich aber spüre, Sie haben Angst vor den Reaktionen Ihrer Familie, der Freunde und Bekannten, rate ich Ihnen: Sagen Sie denen erst einmal nichts. Bewahren Sie absolutes Stillschweigen.

BRIGITTE-woman.de: Nicht einmal meinen liebsten Mitmenschen? Die müssen doch informiert sein, was ich vorhabe!

Marlies Möller: Bitte tun Sie mir den Gefallen und behalten Sie es gerade denen gegenüber für sich. Die fangen sonst womöglich an, es Ihnen auszureden. Ein anderer Trick ist, dass ich meinen Kundinnen rate, ihren Mann einfach zum Termin mitzubringen. Zu Hause würde er möglicherweise Terror machen, aber bei mir im Salon sind die Männer meistens ganz schnell friedlich und überzeugt.

BRIGITTE-woman.de: Frau Möller, wir wollten aber doch eigentlich der Reihe nach vorgehen und waren noch bei Ihren eigenen Haaren und Ihrer morgendlichen Prozedur.

Marlies Möller: Stimmt. Wo genau sind wir denn stehen geblieben?

BRIGITTE-woman.de: Warten Sie mal: bei der Pflegepackung, immer ins trockene Haar. Und jetzt wird shampooniert.

Marlies Möller: Und dabei massiert.

BRIGITTE-woman.de: Da bringen Sie mich auf eine andere Frage: Sind es eigentlich bestimmte Handgriffe, die das Haarewaschen beim Friseur so entspannend machen?

Marlies Möller: Sie müssen mit den Fingerkuppen arbeiten. Nicht schrubben, sondern massieren und dabei das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Sie fangen hier oben an...

BRIGITTE-woman.de: Bei den Schläfen...

Marlies Möller: ...gehen zum Mittelscheitel und dann zur Stirn. Weil die Haare dann immer ein bisschen verschoben sind, krallen wir sie uns vorn und hinten und nehmen sie am Oberkopf zusammen. Probieren Sie es mal, das ist ein tolles Gefühl!

BRIGITTE-woman.de: Gut. Dann kommt das Handtuch.

Marlies Möller: Das wird um den Kopf gewickelt, und ich persönlich male mir jetzt ein bisschen die Augen und Lippen an. Konturen- stift und Eyeliner stehen bei mir immer schon im Zahnputzglas bereit. Man muss Ja zu sich sagen, dann sieht man auch schon frühmorgens vor dem Föhnen gut aus und nicht wie ein Glas Wasser.

BRIGITTE-woman.de: Sie hatten gesagt, Sie bräuchten für alles zehn Minuten - dauert das Anmalen jetzt nicht viel zu lange?

Marlies Möller: Sie haben keine Ahnung, das sind Sekunden.

BRIGITTE-woman.de: Okay.

Marlies Möller: Danach nehme ich das Handtuch ab und mache mir etwas Volumenschaum in die Haare.

BRIGITTE-woman.de: Die Haare sind jetzt handtuchtrocken.

Marlies Möller: Genau. So wird das Produkt besser aufgesogen. Wenn es nass ist, läuft ja bloß alles runter.

BRIGITTE-woman.de: Volumenschaum braucht aber nicht jeder, oder?

Marlies Möller: Sie benutzen gar nichts?

BRIGITTE-woman.de: Nach dem Kämmen eine Creme. Damit mache ich das Haar wieder ein bisschen durcheinander, sonst hängt es bei mir so langweilig platt herunter.

Marlies Möller: „Kaputt machen“ nenne ich das. Wenn der Schnitt stimmt, sitzt das Haar immer. Auch wenn der Wind kommt – wie jetzt bei Ihnen –, findet es immer wieder von allein seine Form. Aber wie sieht es bei Ihnen mit dem Föhnen aus?

BRIGITTE-woman.de: Niemals?

Marlies Möller: Das trocknet in der Wohnung. Oder auf dem Fahrrad, wenn ich durch die Stadt fahre.

BRIGITTE-woman.de: Bei mir wird geföhnt - über Kopf und gegen den Strich.

Marlies Möller: Dann sind Sie fertig?

BRIGITTE-woman.de: Nein, vorgeföhnt. Jetzt nehme ich meine schöne dicke Rundbürste, davon muss man immer zwei haben, dann kann eine im Haar bleiben und auskühlen. Das ist wichtig, die Frisur hält dann besser. In der Zeit gehe ich auf die andere Seite. Das ist immer so ein Wechsel, rechts, links, Partie für Partie. Aber achten Sie mal drauf: Viele Frauen haben einen ganz schlecht geföhnten Hinterkopf, weil sie vorn anfangen und hinten dann keine Geduld mehr haben. Deshalb sagen wir den Kundinnen immer: Bitte hinten anfangen zu föhnen, nicht vorn.

Marlies Möller: Sie sind ja auch vom Fach. Aber als Amateur...

BRIGITTE-woman.de : Die Bürste drinlassen ist doch wohl kein Problem, die muss doch da sowieso hin! Aber, in der Tat, ich empfehle, ruhig mal einen Föhn-Kurs beim Friseur zu machen. Die Frauen tun da nämlich meist viel zu viel.

Marlies Möller: Zu viel? Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich habe den Eindruck, viele Frauen arbeitenbloß noch mit Haarklemme und Gummiband.

BRIGITTE-woman.de: Da sprechen Sie etwas an. Ich wohne in Hamburg an der Alster und beobachte jeden Morgen, wie die jungen Frauen vor ihrer Arbeit joggen. Und dann muss es mit den Haaren zack, zack gehen. Gummiband rein und Schluss. Mir ist das unverständlich. Den trainierten Körper können sie doch nicht ständig zeigen. Aber der Kopf ist immer sichtbar.

Marlies Möller: Was soll man machen, wenn man morgens joggen will und danach Zeit sparen muss?

BRIGITTE-woman.de: Vielleicht könnten Sie mal eine Viertelstunde früher auf stehen? Den Frühstückstisch abends decken? Auch die Kleidung kann man schon abends zurechtlegen.

Marlies Möller: Gibt es nicht eine Frisur, die immer gut aussieht und trotzdem anden, von dem Sie sagen: Der macht es wirklich gut? </frage> <antwort name = "Marlies Möller">Da muss ich an Anne Will denken: tolle Haare...

BRIGITTE-woman.de: .pflegeleicht ist? </antwort> <frage name = "BRIGITTE-woman.de">Ja, die gibt es. Vor fünf Jahren hat man dazu Girlie-Schnitt gesagt. Die Haare fallen locker, man kann lässig hineingreifen und sie feststecken. Der Schnitt ist variabel, und man kann am Abend zeigen, dass man kreativ ist, mit schönen Ohrringen, zum Beispiel, und Lippenstift. Aber wir waren doch gerade noch beim Föhnen.

Marlies Möller: Sie sind vorgeföhnt und zu Ende geföhnt, jetzt kann der Tag doch losgehen.

BRIGITTE-woman.de: Fast. Für zusätzliches Volumen...

Marlies Möller: Noch mehr Volumen!

BRIGITTE-woman.de : ...toupiere ich.

Marlies Möller: Entschuldigung - aber das klingt jetzt wahnsinnig altmodisch.

BRIGITTE-woman.de: Darum sagen wir auch lieber: Wir brauchen Fülle. Und damit es nicht wie bei einem Friseur von vorvorgestern aussieht, toupieren wir nicht mit einem Stielkamm, sondern mit einer kleinen Bürste. Kleiner Trick.

Marlies Möller: Was soll ich machen? Ich bin nun mal nicht Demi Moore, die von Natur aus diese tollen Haare hat. Wenn ich keine Fülle habe, muss ich sie künstlich produzieren, ohne dass man es sieht. Wissen Sie eigentlich, was Frauen mit kräftigem Haar von den anderen unterscheidet?

BRIGITTE-woman.de: Reicht es denn nicht langsam mit Ihrer Föhntechnik und dem Volumenschaum?

Marlies Möller: Was soll ich machen? Ich bin nun mal nicht Demi Moore, die von Natur aus diese tollen Haare hat. Wenn ich keine Fülle habe, muss ich sie künstlich produzieren, ohne dass man es sieht. Wissen Sie eigentlich, was Frauen mit kräftigem Haar von den anderen unterscheidet?

<frage name = "BRIGITTE-woman.de">Na ja, diese Frauen sind natürlich fein raus. Sie haben weniger Arbeit...

</frage>

Marlies Möller: ...trauen sich aber auch weniger. Frauen mit feinem, problematischem Haar sind in der Regel mutiger als Frauen mit schönem, kräftigem Haar. Das habe ich immer wieder festgestellt. Mit kräftigem Haar könnte man oft viel mehr machen als nur einen guten Schnitt.

BRIGITTE-woman.de: Und gibt es jem..und keine Action. Mir ist das auch zu steif. Und wo wir gerade dabei sind: Sie ist mir auch zu steif angezogen. Bei aller Seriosität - das könnte ruhig ein bisschen prickeln.

Marlies Möller: Und gibt es jemanden, von dem Sie sagen: Der macht es wirklich gut?

BRIGITTE-woman.de: Sharon Stone zum Beispiel. Ich finde toll, dass sie zu ihrem feinen Haar steht. Sie zeigt, dass auch bei feinem Haar ein witziger Schnitt möglich ist. Okay, Sharon Stone mit längeren Haaren, das ging schief, aber sie hat es wenigstens ausprobiert. Jetzt weiß sie: Sie muss den Kurzhaarschnitt haben, mit Varianten, und das sieht toll aus.

Marlies Möller: Frau Möller, wir waren beim Toupieren.

BRIGITTE-woman.de : Ich toupiere also über meinen ganzen Kopf, immer unten an der Wurzel. Da kommt bei mir auch das Haarspray hin. Jetzt nur noch mit den Fingern in Form zupfen. So wirkt die Frisur lässig, aber nicht nachlässig.

Marlies Möller: Dann lacht das Haar.

BRIGITTE-woman.de: Und das alles in zehn Minuten.

Marlies Möller: Zehn Minuten. Bei langen Haaren zwanzig. Und dann - das hört sich vielleicht komisch an...

BRIGITTE-woman.de: Ja?

Marlies Möller: Dann lacht das Haar.

Christian Schünemann hat Slawistik studiert, in Moskau und Bosnien gearbeitet, eine Ausbildung als Journalist und Erfahrungen als Drehbuchautor. Mit einem Auszug aus seinem Krimi- debüt "Der Frisör" (8,90 Euro, Diogenes) gewann er 2002 den internationalen Wettbewerb junger Autoren "Open Mike". Inzwischen hat sein Romanheld Tomas Prinz einen weiteren Mord aufgeklärt: "Der Bruder. Ein Fall für den Frisör" (8,90 Euro, ebenfalls bei Diogenes). Christian Schünemann schreibt gerade den dritten Band. Der 39-Jährige lebt in Berlin.

Text: Christian Schünemann Fotos: Christiane von Enzberg
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