Apotheken-Kosmetik: Schönheit neben Pillen und Pasten

Neuerdings reichern Apotheken ihre Regale mit toller Apotheken-Kosmetik an. Luxuspflege gepaart mit pharmazeutischer Beratung - eine gute Kombination.

Auf den ersten Blick wirkt die "City Pharma" in Paris wie ein Supermarkt. Zwei grell beleuchtete Stockwerke, entlang der voll gestellten Regale drängeln sich die Kundinnen mit ihren Einkaufskörben. Doch die Apotheke im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés gilt unter Paris-Besucherinnen als heißer Geheimtipp. Das beachtliche Kosmetikangebot lockt die Frauen in Scharen an. Jede erdenkliche Apothekenmarke bekommt man hier - von Avène über Bioderma, Caudalíe, Darphin, Lierac, Nuxe bis hin zu kleinen Biomarken wie Sanoflore, Cattier oder Melvita.

Französinnen kaufen ihre Pflege größtenteils in der Apotheke. In Deutschland überwiegt noch das Image, der Pharmazeut hätte allenfalls die duftfreie Fettcreme oder das pH-neutrale Waschsyndet zu bieten. Längst überholt! Inzwischen haben viele Inhaber auch hierzulande ihre Kosmetikregale mehr und mehr aufgehübscht, denn genug interessante Kosmetikmarken gibt es. "Viele meiner Kundinnen kommen nicht mehr zu mir, um ein Medikament abzuholen, sondern sie wollen Beauty-Produkte shoppen", erzählt Jasmin Menk aus der "Apotheke am Dermatologikum" in Hamburg. Trockene Haut, Neurodermitis oder Unreinheiten - bei ihr suchen Kunden überwiegend nach Lösungen für konkrete Hautprobleme.

Gefragt sind vor allem Marken, die eine lange Apotheken-Tradition haben, wie Eubos, Eucerin, frei, La Roche-Posay oder Vichy. Diese Hersteller boten von Anfang an Beauty-Basics, gehen mit ihren Linien aber auch auf Problemhaut ein und sind bei sehr empfindlichen Hauttypen ein zuverlässiger Partner.

Ein weiterer Schwerpunkt, so Jasmin Menk, sei die hocheffektive Pflege, die dem Niveau von ästhetischen dermatologischen Behandlungen sehr nahe kommt, zum Beispiel von Skinceuticals, Dermasence oder Louis Widmer. "Sie bieten spezialisierte Produkte gegen Pigmentstörungen, Rötungen oder Falten an oder helfen, nach dermatologischen Eingriffen den Heilungsprozess der Haut schonend anzukurbeln." Besonders der Service sei ihr wichtig. "Wenn eine Kundin ein Produkt nicht verträgt, kann sie es uns zurückgeben, und wir erstatten den Betrag", sagt die Apothekerin. Die Informationen über die Unverträglichkeit gebe sie an den Hersteller weiter, so könne der mit diesem Wissen seine Produkte wiederum optimieren.

Immer mehr nachgefragt, so Jasmin Menk, seien französische Luxusmarken, wie Caudalíe und Nuxe. Caudalíe, 1995 von den Weingut-Besitzern Mathilde und Bertrand Thomas gegründet, konzentriert sich auf Wirkstoffe aus der Traube, vor allem so genannte "Polyphenole", pflanzliche Antioxidanzien, die nachgewiesenermaßen die Zellen vor freien Radikalen schützen. Zu den Starprodukten der Weinexperten zählen etwa das Serum "Vinoperfect" für die Verfeinerung des Hautbilds oder das "Crushed Cabernet Peeling", eine Mischung aus gemahlenen Traubenkernen und ätherischen Ölen für den Körper.

Pflanzenwirkstoffe stecken auch in den Produkten von Nuxe. 1989 übernahm die junge Pariserin Aliza Jabes das Kosmetiklabor der kleinen Marke und baute das Produktangebot aus. Der Name Nuxe setzt sich aus den Begriffen "Nature" und "Luxe", Natur und Luxus, zusammen. Denn diese beiden Elemente soll die Marke vereinen. Seit Ende der Neunziger ist die "Crème Fraîche de Beauté" - eine Gesichtspflege mit acht Pflanzenmilchsorten und Aloe-Vera-Saft - in Frankreich ein Klassiker. In Deutschland hat sie nun die Apotheken erobert. Zu den neueren Bestsellern zählt etwa das Anti-Aging-Serum "Nuxellence Jeunesse", das Falten mildern und das Gesamtbild der Haut verbessern soll. Bei Jasmin Menk ist auch das erste Produkt der Gründerin ein Renner, das golden schimmernde "Huile Prodigieuse", ein leichtes Körperöl, das schnell einzieht, sich einfach ins Badewasser träufeln oder sogar in zu trockene Haarspitzen massieren lässt.

Ähnlich angesagt wie die französischen Marken ist die Pflege von Korres aus Griechenland, mit Produkten auf Pflanzenbasis nach homöopathischen Rezepten. Seinen Ursprung hat Korres in einer Apotheke in Athen. Ein Kräutersirup aus Honig, Fenchel und Anis gegen Erkältungen war die erste Mixtur des Hauses. Man kann sie heute noch unverändert bestellen. Zu den Bestsellern zählt außerdem die "Wild Rose 24 Hour Moisturizing & Brightening Cream" oder die getönte Lippenpflege "Lip Butter" mit Sheabutter, die es in vielen Farben gibt, vom satten Pink bis zum zarten Rosé.

Sogar regelrechte Hypes können Produkte aus der Apotheke auslösen, wie zuletzt das Gesichtswasser "Sensibio H2O" von Bioderma zeigte. Mit Mizellen - winzigen Reinigungsmolekülen - befreit es die Haut besonders gründlich und schonend von Make-up. Anfangs schwärmten Visagisten und Models von dem Wässerchen, dann schlossen sich Stars wie Adele und Kylie Minogue an, das Produkt fand seinen Weg auf die Trendseiten der Zeitschriften und wurde seitdem weltweit wie verrückt über Online-Shops bestellt. Inzwischen ist der Mizellenreiniger von Bioderma in vielen Apotheken erhältlich.

Auch die traditionelle englische Apothekenkette Boots Laboratories erlebte einen plötzlichen Boom. In ihrem Fall löste ihn eine Wissenschaftssendung auf BBC aus. Eigentlich ging es nur um die generelle Frage, ob Kosmetik wirklich gegen Falten helfen könne. Kurz wurde das "Serum7" der Eigenmarke von Boots eingeblendet. Die Dermatologen der Uni Manchester konnten bestätigen, dass dieses Serum mit seinen Wirkstoffen Vitamin A und C in ihren Tests tatsächlich Knitterfältchen mildern konnte. Am nächsten Tag war es in ganz England ausverkauft. Die Produktion wurde gesteigert, und inzwischen steht Pflege von Boots auch in immer mehr deutschen Apotheken.

Jasmin Menk findet genau das immer wieder spannend an ihrem Job - neue und noch nicht so bekannte Nischenprodukte für ihre Kundinnen zu entdecken. So stehen bei ihr die fein duftenden Bioshampoos von Less is More im Regal. Duftkerzen von Neom, ganz ohne synthetische Aromen. Nagellacke von The Organic Pharmacy oder die Pflege der in Deutschland noch kaum bekannten australischen Marke Growth, reine Naturkosmetik in schlichten braunen Fläschchen.

Dabei ist das florierende Kosmetikangebot für manche deutschen Apotheker aus der Not geboren: In den vergangenen Jahren hatten einige über sinkende Umsätze geklagt, manche mussten sogar schließen - 130 allein im ersten Halbjahr 2013. Doch viele Inhaber erfanden sich neu, indem sie ihr Pflegesortiment aufpolierten, um mit der Kombination aus interessanten Produkten und guter Beratung punkten zu können.

In einigen Fällen läuft das Beauty-Geschäft sogar so gut, dass sich daraus noch weitere Ideen entwickeln. Zusammen mit ihrem Mann führt Christina Kraus zwei Apotheken in Augsburg. Dabei hat sie, als Pflanzenkennerin, eine besondere Leidenschaft für Naturkosmetik entwickelt. Sie baute ihr Angebot immer weiter aus und gründete schließlich den Online-Shop Greenglam.de <. Neben den Klassikern für Biopflege wie Dr. Hauschka oder Weleda bekommt man bei ihr die Ökoparfüms von Honoré des Prés aus Frankreich, Pflege aus Neuseeland von Snowberry oder aus Österreich von Kräuterexpertin Susanne Kaufmann. Und weil ihr Online-Verkauf so gut lief, eröffnete Christina Kraus diesen Sommer einen Laden. Keine weitere Apotheke diesmal, sondern ein Geschäft nur für die vielen kleinen Beauty-Marken, die sie über die Jahre entdeckt hat - Greenglam zum Hereinspazieren.

Ebenfalls ein Blickfang ist die Saint-Charles-Apotheke in Berlin, sie wurde 2009 in einer ehemaligen Orgelwerkstatt nach dem Vorbild ihrer bekannten "Mutter" in Wien eröffnet. In dem puristisch eingerichteten Laden in Wilmersdorf bietet Inhaberin Sabine Zeeck zwar auch jedes Medikament an, aber ins Auge fällt das große Kosmetiksortiment. Neben Dr. Hauschka und The Organic Pharmacy steht bei ihr Pflege der Eigenmarke "Saint", entwickelt nach Ansätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Doch bei aller Vielfalt und allem Luxus, die manche Marken ausstrahlen, ist den Apothekern die seriöse Beratung am allerwichtigsten. "Mein Team ist ausgezeichnet geschult", sagt Jasmin Menk. "Das Gute ist, dass zahlreiche Kosmetikfirmen uns zudem sehr fundierte Fortbildungen und Seminare anbieten. So lernen meine Mitarbeiterinnen ständig mehr, etwa über die Haut und neue Wirkstoffe. Und das können sie dann wunderbar an die Kundin weitergeben."

Text: Kristine Kirves BRIGITTE WOMAN 03/2014

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