Kosmetik mit Honig: Süßes für die Haut

Honig hält die Haut jung, lässt Parfüms sinnlich duften und die Haare glänzen. Jetzt setzt die Kosmetik-Branche verstärkt auf den Beauty-Nektar.

Was wäre Frühling ohne Summen?

Erste Sonnenstrahlen, Wärme auf der Haut, Blütenduft - der Frühling ist mit allen Sinnen greifbar. Man kann ihn sogar hören. Selbst auf dem Berliner Dom. Auf dem Dach der berühmten Hauptstadtkirche stehen Bienenstöcke. Beekeeping (Bienenzucht) auf Hausdächern und Gärten ist gerade in Großstädten zum angesagten Hobby geworden. Und manchmal schon beinah zum Klischee: In In-Vierteln gehört zur Latte-macchiato-Mutter ein Imker-Vater. Sich die kleinen Honigsammler als Haustiere zu halten ist weniger Profitdenken als Naturschutz, denn vor wenigen Jahren hat das globale Bienensterben begonnen - mit unabsehbaren Folgen. Bienen bestäuben weltweit 80 Prozent unserer Pflanzen. Ohne sie würden die Ernten schlechter ausfallen, immer weniger Menschen könnten ernährt werden. Laut einer aktuellen Studie der britischen Universität Reading ist der Bienen-Mangel in Europa noch viel schlimmer als bisher angenommen: Nicht nur, dass die sympathischen Insekten mit der Varroa-Milbe, Umweltgiften und Futtermangel durch Monokulturen zu kämpfen haben - durch den rasant gewachsenen Pflanzenanbau für Biotreibstoffe (Raps, Soja und Sonnenblumen) ist der Bedarf an Bienen um fast 40 Prozent gestiegen.

Dass Honig ein kostbarer, nicht selbstverständlicher Rohstoff ist, wird auch Beauty-Konzernen immer stärker bewusst. Viele unterstützen deshalb Imker und damit Bienen. So hatte Naturkosmetikhersteller Melvita "2013 als Jahr der Bienen" ausgerufen und ist auch bei der Aktion "Deutschland summt" dabei. The Body Shop fördert die Bio-Bienenzucht in Äthiopien, Guerlain auf der Insel Ouessant sowie ein Bienenprojekt in Nantes. Bei Weleda gibt es "Jungimker"-Kurse für Kinder. Die Ergebnisse der Förderprojekte fließen in auffallend viele neue oder wiederentdeckte Produkte mit Honig, die Füße zart, Haare seidig, den Teint glatt oder die Lippen weich machen. Auch in Badezusätzen, Cremes und Shampoos und zur Enthaarung wird Honig genutzt. "Bienen stehen diesen Frühling als kleine Helfer der Kosmetikbranche hoch im Kurs", sagt Linda Mittelstaedt von der Pressestelle des Naturkosmetikherstellers Dr. Spiller.

Einer, der schon vor Jahren erkannte, dass es sich auszahlt, auf Bienen zu setzen, ist der New Yorker Fotograf Burt Shavitz. Der Mann mit dem weißen Zauselbart wohnt in einem umgebauten Truthahnstall. In den Siebzigern zog er aufs Land und wurde Imker; 1991 gründete er die Kosmetikmarke Burt's Bees, den Marktführer für nachhaltige Naturkosmetik in den USA.

Was macht der Nektar mit der Haut?

Honig ist vielseitig. Das wussten schon die Ägypter und auch die Römer, die ihn "Himmelsmedizin" nannten. Nach einer Studie des "Hautreports" wirkt Honig antiseptisch. Außerdem bindet der hohe Zuckergehalt Feuchtigkeit und mindert auf diese Weise Falten. Deshalb ist er sowohl in Feuchtigkeitscremes als auch in Anti-Aging-Pflege beliebt. Seine sekundären Pflanzenstoffe, die Polyphenole (auch im grünen Tee), wirken als Radikalfänger und schützen auf diese Weise gegen Hautalterung. Laut der Studie wird zudem die Kollagen-Neubildung verbessert, indem die Fibroblasten, die das Bindegewebe bilden, stimuliert werden. Von der Biene werden nicht nur Honig, sondern auch Gelée royale, Pollen, Wachs und Propolis für die Kosmetik genutzt.

Welcher Honig kann was?

"Honig ist so unterschiedlich wie Wein", sagt Rosie Akester, International Community Fair Trade Senior Buyer von The Body Shop in London. Wenn das mal keine Empfehlung ist. Akazienhonig hat den höchsten Fruktosegehalt, Orangenblüten-honig enthält am meisten Glukose, in Thymianhonig finden sich besonders viele Aminosäuren. Die Zuckerarten Glukose und Fruktose liefern den Zellen Energie, und durch die Aminosäure Prolin wird die Hautstruktur verbessert. Im Optimalfall ergänzen sich die Inhaltsstoffe. Melvita hat deshalb kürzlich ein Produkt mit drei Honigsorten herausgebracht.

Honig ist nicht gleich Honig, weder in Farbe noch Konsistenz oder gar Inhaltsstoffen - in der Krimi-Serie "CSI" könnte man seine Herkunft punktgenau bestimmen. Wie entscheidend das Sammelgebiet der Bienen dabei ist, zeigt vor allem das Negativbeispiel: 2010 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Rhododendronhonig von der türkischen Schwarzmeerküste, weil er einen hohen Gehalt des giftigen Pflanzenstoffes Grayanotoxin aufweist, der Magen und Darmbeschwerden auslöst.

Wie natürlich ist der Honig in Kosmetik?

"Für die Creme wird der gleiche zertifizierte Honig verwendet, der in unseren Verkaufsstellen zu finden ist", heißt es bei Melvita. Je nach Produkt liegt der Honiganteil zwischen 1,5 und 5,5 Prozent. Um keine klebrige Textur zu erhalten, ist das Mischungsverhältnis mit anderen Rohstoffen in der Formel entscheidend. Schwierig an der Natürlichkeit von Honig ist, dass sie manchen Menschen zu natürlich ist. So reagieren einige allergisch. Um das zu vermeiden, wird z. B. bei Nivea der Honig durch Gefriertrocknen aufbereitet. Für andere Produkte werden von vornherein synthetische Moleküle verwendet, etwa in Parfüms. Honigduft wird den so genannten Gourmetdüften zugeordnet. Sie erinnern wie auch Karamell oder Zitronenkuchen an die Heimeligkeit einer Backstube. So soll ein Gefühl von Geborgenheit entstehen.

Fotos: Jan Rickers Produktion: Sarah Harms Text: Nicole Lötters BRIGITTE woman 05/2014
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