Erdkunde

Mit Erde waschen und pflegen? Wie geht das denn? Afrikanerinnen schwören darauf, denn Wüstensand und Tonerde haben es in sich

Tonerde

Elefantenbabys wälzen sich mit Wonne im Schlamm aus roter Tonerde. Das macht nicht nur Spaß, sondern auch Sinn: Die Pigmente schützen ihre dünne Haut vor Sonnenbrand. Tonerde kann aber noch viel mehr. Vor allem die schwarzbraune aus dem Atlasgebirge Marokkos (Ghassoul) ist für hohe Reinigungskraft bekannt. Deshalb wird sie auch "Lavaerde" genannt - von dem lateinischen Wort "lavare", das waschen bedeutet: Durch ihre zerklüftete Oberfl äche saugt sie feine Schmutzpartikel, Talg und abgestorbene Zellen auf wie ein Löschblatt. Mit Wasser wird alles zusammen abgespült. Die Waschkraft von Erde ist übrigens auf allen Kontinenten bekannt. Dabei besitzt sie je nach geologischer Herkunft und Zusammensetzung der Mineral- und Spurenelemente eine etwas andere Wirkung und hat eine andere Farbe: Grüne Erde kommt aus Frankreich, z. B. die grüne Illite (blutstillend und juckreizmindernd) oder die grüne Montmorillo (stark absorbierend), rosafarbene aus der Wüste Nevadas (sehr mild) und weiße aus dem Amazonasgebiet, China oder Deutschland. Diese auch Kaolin genannte Porzellanerde (aus der auch Meißener Porzellan gewonnen wird), ist frei von Eisen und gilt als Inbegriff der Reinheit.

Produkte fürs Gesicht: z. B. "Rare Earth Deep Pore Cleansing Masque" von Kiehl's, "Biopur Pore Reducer one-minute" Peeling- Maske von Biotherm. Für den Körper: z. B. "Weiße Lavaerde Waschcreme Lotusblüte" in der Tube von Logona.

Strähnige Haare und juckende Kopfhaut bekommen Sie mit einer Packung aus Rhassoul-Erde in den Griff, mit der sich die Marokkaner traditionell die Haare waschen. Sie schluckt Hautfett und Schuppen, enthält jedoch keine austrocknenden Schaummacher (Tenside). Das ist zwar etwas umständlicher als der Griff zur Shampoofl asche, wird aber auch bei empfi ndlicher Kopfhaut gut vertragen. Rezept zum Selbermachen speziell für trockenes Haar: etwas Wascherde mit doppelt so viel Wasser anrühren und einen halben Teelöffel Klettenwurzelöl zugeben - das hält das Haar geschmeidig. Nach ca. 10 Minuten auswaschen.

Produkte zum Haarewaschen: z. B. "Mineral Waschcreme" von Alva, "Argeal Talgabsorbierendes Shampoo" von Ducray, "Curbicia Klärende Shampoo-Maske" von René Furterer, "Heilerde Kopfhaut- Packung" von Rausch, "Tradition de Hammam Maske Gesicht und Haare" von Yves Rocher, "Wascherde Pur" von Tautropfen.

Extra-Tipp: Dieser Beauty-Drink kostet wegen seines erdigen Geschmacks ein wenig Überwindung, soll aber bei säurebedingten Magenbeschwerden und Sodbrennen helfen: einfach einen Teelöffel Heilerde in einem Glas mit stillem Wasser oder Tee verrühren und trinken. Alternativ können Sie aber auch Heilerde- Kapseln schlucken (z. B. von Luvos).

Aus den Pigmenten der Tonerde stellten die Afrikaner ursprünglich Farben für die Kriegsbemalung her - die leuchtenden Orange-, Ocker-, Rot- oder Gelbtöne schützten die Haut gleichzeitig vor UV-Strahlen und Insekten. Heute stecken die Mineralpigmente in Make-up-Produkten: Lidschatten, Rouge, Foundation oder Wimperntusche sind besonders gut verträglich und ideal für alle, die es natürlich mögen.

Produkte: z. B. "Colorstay 12 Hour Eyeshadow" von Revlon, "Blush Minerals"-Rouge von L'Oréal Paris, "Multi Grain Make-up SPF 15" von Origins, "Marvelous Mineral Mascara" von Kiehl's.

Fango

In Italien setzt man auf Schlamm, der dort Fango (Heilschlamm) heißt. Im Unterschied zur so genannten Lavaerde ist er tatsächlich vulkanischen Ursprungs. Seine durchblutungsfördernde und wärmespeichernde Wirkung hat sich schon früh herumge - sprochen. Bereits vor Jahrhunderten pilgerten die Reichen und Schönen zu den Thermalquellen von Abano, Montegrotto oder Montecatini, um darin ausgiebig zu baden. Und noch heute gelten sie als wahre Jungbrunnen: Die Haut wird gründlich geklärt, fühlt sich danach wunderbar weich an, Muskelverspannungen lösen sich, und auch rheumatische Gelenkbeschwerden werden gelindert. Aus diesem Grund haben sich Fangopackungen in Kombination mit Massagen in der Balneotherapie (Therapien mit Wasser aus Heilquellen) bestens bewährt.

Unreinheiten am Rücken können Sie mit einer Fangopackung ebenfalls in den Griff bekommen. Den Fango messerrückendick auftragen - z. B. mit Hilfe eines Rücken-Eincremebandes, das man sich wie ein Handtuch über den Rücken zieht (gibt's im Sanitätsgeschäft). 15 bis 20 Minuten einziehen lassen und dann mit einem Schwamm und viel lauwarmem Wasser abspülen.

Produkte für Gesicht und Körper: z. B. "Fango Active Mud" oder "Fango Delicato" für trockene, empfindliche Haut von Borghese.

Cellulite soll der durchblutungsfördernde Fango ebenfalls einheizen. Dazu den Algenschlamm auf Po und Schenkel auftragen, leicht einmassieren und die Oberschenkel mit einer Haushaltsfolie straff umwickeln. Alles ca. 30 bis 45 Minuten einwirken lassen, dann gründlich abspülen und zum Schluss eine straffende Creme auftragen. In den ersten zehn Tagen mindestens drei Anwendungen machen. Aber bei Venenproblemen darauf verzichten! Denn Wärme weitet die Venen und verlangsamt den Blutstrom.

Produkte: z. B. "Algenfango" von Guam, "Special Sea Salt Fango Treatment" von Venus (exklusiv bei Douglas erhältlich).

Kreide

Ein hervorragender Wärme- und Kältespeicher ist Rügener Kreide, die "weiße Schwester" des Fangos, die vor 60 bis 70 Milllionen Jahren bei uns im Rügener Kreidemeer lagerte und seit ca. 100 Jahren für Heil- und Wellnessbehandlungen verwendet wird. Sie besteht zu rund 98 Prozent aus Kalk (Calciumcarbonat) und hilft besonders gut gegen Akne, Neurodermitis oder Schuppenfl echte. Im Unterschied zu anderen Erd-Behandlungen muss die Haut nach der Behandlung nicht besonders eingecremt werden - die Kreide regt nach Beobachtungen von Physiotherapeuten nämlich auch die hauteigene Nachfettung an. Kalt angerührt lindert sie Gelenkbeschwerden und wirkt entspannend.

Für einen feinporigen Porzellanteint können Sie sich eine Reinigungspaste mit der schneeweißen Kreide selbst mixen. Dazu einfach einen halbenTeelöffel Rügener Kreide mit einem Teelöffel warmer Milch oder Sahne verquirlen. Die Paste auf dem angefeuchteten Gesicht verteilen und sanft kreisend massieren. Alles kurz einziehen lassen und zum Schluss mit warmen Kompressen abnehmen. Bei empfi ndlicher Haut statt Milch Öl nehmen.

Produkte: z. B. "Mineral Reinigungsmilch" von CMD (www.mahacosmetics.com), "Original Rügener Dreikronen Heilkreide" (www.ruegenshop.eu), "Rügener Kreidebalsam" (www.arcus-kontor.de).

Extra-Tipp: Interessant für alle, die auf Schüßler-Salze schwören: "Calcium carbonicum" gibt es auch als Ergänzungssalz zum Einnehmen (Nr. 22; Apotheke). Es soll gegen Allergien, Haut-, Schleimhaut- und Zahnfleisch-Erkrankungen helfen.

Sand

Schon die alten Ägypter gruben sich in tiefe Sandkuhlen ein, um die wohltuende Wärme zu tanken.

Gegen Verspannungen hilft die moderne Psammotherapie (von griechisch: Sand). Hier nimmt man - wie eine Mumie in dünne Laken eingepackt - ein Bad in einer mit heißem Sand (ca. 50 bis 53° C) gefüllten Wanne. Die Wärme dringt tief in die Muskeln ein, kurbelt die Durchblutung an und löst Verkrampfungen. Und durch den angekurbelten Stoffwechsel sollen auch Schadstoffe gut ausgeschwitzt werden. Die Behandlung wird im Rahmen von Wellness-Packages und bei Heilpraktikern angeboten.

Schöne glatte Haut können Sie mit einem Peeling bekommen. Egal, ob Sie sich mit feuchter Haut der Länge nach im Sand rollern oder die Haut mit den klitzekleinen Körnchen abrubbeln - Sand schmirgelt überraschend gut jeden Grauschleier runter. Die Rubbelkraft des Sandes erkannte der Apotheker Wilhelm Anhalt schon vor 125 Jahren. Aus dem Sand des Ostseebades Bad Kolberg entwickelte er damals die "Seesand Mandelkleie", die auch heute noch zur Klärung unreiner Haut eingesetzt wird.

Produkte fürs Gesicht: z. B. "Seesand Mandelkleie" und "Seesand Peeling" von Aok Pur Balance. Für den Körper: z. B. "Aquamondi Maroc Soin Gommant Oriental" mit Wüstensand von Daniel Jouvance, "Terraké Smoothing Sand"-Peelingcreme von Thalgo.

Extra-Tipp: Gegen unangenehme Nackenverspannungen hilft ein anschmiegsames Sandkissen, das in der Mikrowelle erwärmt werden kann (z. B. zu bestellen über www.ks-bodyguard.de).

Moor

Moor ist im Grunde nichts anderes als eine Masse aus Schichten von Pfl anzenresten, die nicht vollständig abgebaut worden sind (Torf ) - seine Beauty- und Heilkräfte sind seit dem Mittelalter bekannt. In der unansehnlichen Pampe steckt ein Cocktail aus Huminsäure, Schwefel und anderen Mineralstoffen, die Schadstoffe und Bakterien binden können. Moor wirkt desinfizierend, entzündungshemmend, schmerzlindernd und straffend. Für weiche Haut sorgen Cremes und Bodylotions aus Moor. Die Huminsäuren sollen die Haut durchdringen, das Gewebe kräftigen und festigen. Eine Maske aus zwei Esslöffel Moor und lauwarmem Wasser frischt einen fahlen, großporigen Teint binnen 20 Minuten auf. Da Moormasken durchblutungsfördernd sind, am besten abends anwenden. Ist die Haut sehr empfindlich, ein feuchtes Tuch über die Maske legen, damit sie nicht antrocknet - oder eine fertige Packung nehmen. Für Haut mit erweiterten Äderchen sind Moormasken allerdings nicht geeignet.

Gut abschalten können Sie bei einem Moorschwebstoffbad, das Ihren Stoffwechsel sanft in Schwung bringt. Im Unterschied zu den dickbreiigen medizinischen Moorbädern, die Temperaturen von 44 bis 46° C haben, ist die Light-Version nur 38 bis 40° C warm und viel besser auszuhalten. Mediziner verschreiben Moorbäder auch bei Regelschmerzen. Und eine mehrwöchige Moorbad- Kur gilt sogar als Geheimtipp bei unerfülltem Kinderwunsch: Die östrogenartigen Substanzen, die über die Haut aufgenommen werden, sollen demnach den Eisprung fördern.

Produkte fürs Gesicht: z. B. "Moor Kräuter Packung" von Dr. R. A. Eckstein, "MoorLife"-Pflege über www.moor-neydharting.com. Für den Körper: z. B. "Moor-Kräuterbad mit Heublume" von Güldenmoor, "Badekur Beweglichkeit" von tetesept.

Für straffes Zahnfleisch sollen außerdem entsprechende Zahncremes und Mundwässer sorgen: Der "Moor-Cocktail" aus löslichen, heilenden Moorbestandteilen wirkt bei strapaziertem Zahnfleisch entzündungshemmend.

Produkte: z. B. "Sensitiv Zahncreme Sole" von Dr. Hauschka med, "MoorLife"-Mundwasser über www.moor-neydharting.com.

Extra-Tipp: Moorbäder heizen ganz schön ein und belasten den Kreislauf. Damit er wieder runtergefahren wird, nach dem Bad unter eine Decke kuscheln und 30 bis 60 Minuten ruhen.

Kieselerde

Ihr Name stammt von Kieselalgen ab, deren siliziumhaltige Zellen nach ihrem Verfall erhalten bleiben. Es gibt aber auch Kieselerde rein aus Mineralien (Granit), zum Beispiel die Neuburger Kieselerde. Silizium gilt als Spitzen-Straffmacher, der Haare und Nägel kräftigt und dem Bindegewebe mehr Spannkraft verleiht. Für saubere Poren sind Peelingmasken mit Kieselschlamm ideal, denn sie stoppen den Talg und lösen Entzündungen. Silica-Puder verkleinert Poren und wirkt austrocknend. Gegen einzelne Pickelchen, z. B. am Dekolleté, reines Kieselgel (z. B. aus dem Reformhaus) vorm Schlafengehen auftupfen.

Produkte für Gesicht und Körper: z. B. "Silica Mud Mask" von Blue Lagoon/Apotheke, "Dermabrasion Anti-Âge"-Peeling von Darphin. Um brüchigen Nägeln vorzubeugen, siliziumhaltige Lacke aufpinseln. Silizium dringt in die Nageloberfläche ein, verbindet sich mit dem Keratin und kräftigt den Nagel.

Produkte: z. B. "Blanc & Lisse"-Basislack mit Weiß-Effekt von agnès b. über www.ccbparis.de, "Nail Wonder"-Unter- und Überlack von Artdeco, "Silicium Color Care" von La Roche-Posay.

Extra-Tipp: Trockene Hände? Lösen Sie eine erbsengroße Menge Kieselgel in warmem Wasser auf und tauchen Sie die Hände zehn Minuten lang ein - das macht sie streichelzart.

Produktion: Birgit Potzkai Text: Marina Knippel
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