Kosmetik aus dem Orient

Marokko ist eine wahre Schönheitsoase mit seinen alten Hamams und innovativen Spas. Mit den richtigen Zutaten können wir die Kosmetik aus dem Orient auch zu Hause genießen.

Die Stadt wird unter Reisenden auch das Paris Afrikas genannt. Viele der Riads, der alten Villen mit ihren schattigen Innenhöfen und hohen Mauern, sind inzwischen zauberhafte Hotels. Marrakesch, mit seiner Altstadt, den Märkten, den Düften von Gewürzen, ist durch und durch sinnlich. Doch die Stadt bietet noch mehr: Sie ist ein Ort für die Schönheit, mit prächtigen Hotel-Spas und Hamams, den Badetempeln im alten Stil, wo Geschichte auf Gegenwart trifft.

Das älteste Shampoo der Welt

Eines der traditionellen Pflegerituale in den Hamams nennt sich "Rhassoul". Vor mehr als 1400 Jahren entdeckten die Berber die entschlackende Wirkung der mineralhaltigen Erde aus dem Atlas-Gebirge. Übersetzt bedeutet Rhassoul "waschen". Der mit Wasser angerührte Schlamm wird großzügig auf der Haut verteilt und einmassiert und nach einer Weile abgespült. Die Marokkaner waschen sich damit auch die Haare. Weil Rhassoul-Erde überschüssiges Fett und Schmutzpartikel wie ein Schwamm aufsaugt, wirkt sie so tiefenreinigend.

Im Wellnessrefugium des maurischen Palasthotels "Selman Marrakech" gibt es zur Rhassoul-Packung auch den bioenergetischen Check-up nach Anti-Aging-Forscher Henri Chenot. Der Mann wird in seinem Metier wie ein Popstar gehandelt und ist der Ansicht, dass wir nur sehr, sehr langsam altern müssten, wenn wir unseren Zellen so wenig Gifte wie möglich zumuten, vor allem, wenn es um die Ernährung geht. Sein Konzept setzt besonders auf sanft gegarte Bio-Light-Menüs.

Oriental Beauty

Ein anderer wertvoller Schönmacher aus Marokko ist das Arganöl. Es stammt aus den Kernen der Arganfrucht, die nur im Süden des Landes wächst. Mit gut 80 Prozent Linol- und Ölsäure ist es reich an ungesättigten Fettsäuren und dem Antioxidans Vitamin E, das die Regeneration der Zellen anregt. Seinen Wert erkannte auch die New Yorkerin Katharine L'Heureux. Auf einer Reise durch Marokko vor fünf Jahren fiel ihr auf, dass die Berberfrauen trotz des rauen Wüstenklimas wunderbar samtige Haut und glänzende, volle Haare hatten. Sie nahm ein paar Fläschchen Öl mit nach Hause und verteilte sie unter Freunden - mit begeisterter Resonanz.

Bald darauf setzte sich die dreifache Mutter und Inhaberin einer PR-Agentur wieder in den Flieger und nahm Kontakt mit Arganöl-Kooperativen auf. In diesen vom Staat geschützten Betrieben pressen Berberfrauen nach langer Tradition das Arganöl von Hand und können mit der Arbeit ihre Familien ernähren. Auch das ursprüngliche Leben in den Berberdörfern bleibt durch diese Einrichtungen erhalten. Katharine L'Hereux gründete die Biopflegemarke "Kahina Giving Beauty" auf Basis von Arganöl, das sie von den Kooperativen bezieht. Die Frauen beteiligt sie mit 25 Prozent an ihrem Gewinn. Die Namensgeberin der Beauty-Linie, Kahina, war übrigens eine legendäre Berber-Königin und Prophetin, die Nordafrika um 700 nach Christus regierte.

Nach einer Rhassoul-Behandlung, bei der die Haut mit Erde aus dem Atlas-Gebirge eingerieben wird, sorgt eine Ruhepause für Entspannung.

Weichzeichner und Alleskönner

Wer durch die Souks von Marrakesch wandelt, entdeckt auch die aromatischen Düfte der Gewürze. Und manche davon sind nicht nur schmackhaft, sondern auch wahre Pflegetalente. Als Weichzeichner für den Teint hat sich Sternanis einen Namen gemacht. Das ätherische Öl aus der Frucht soll die Haut klären, mattieren und die Poren verfeinern, z. B. im schäumenden Reinigungsgel "Démaquillant Pureté" von Lierac. Ebenfalls toll für Gesundheit und Haut: Schwarzkümmel. In arabischen Ländern gilt er als Allheilmittel. Das Öl aus seinen Samen ist reich an Linol- und Gamma-Linolsäuren, die die Zellmembranen schützen. Mit seinem hohen Anteil an Folsäure kurbelt es zudem die Zellneubildung an. In Marokko ist Schwarzkümmel deshalb das Gewürz der Schwangeren. Sehr ertragreich sind die Samen allerdings nicht: Für drei Kilo ätherisches Öl braucht man eine Tonne Samen. Der exklusive Rohstoff steckt z. B. im Anti-Aging-Serum der Naturkosmetik "Intelligent Nutrients", über www.greenglam.de.

Augentrost aus der Natur

Gegen Augenringe und Tränensäcke haben die Marokkanerinnen auch ein Rezept: die Dornmyrte. Forscher des französischen Kosmetikhauses Guerlain fanden in ihrem Wurzelstock einen Wirkstoff, der die winzigen Blutgefäße der dünnen Haut unter den Augen um 30 Prozent erweitern kann. Das Ergebnis: Die Haut soll sofort besser durchblutet werden, und Schwellungen sollen zurückgehen. Dieser Beauty-Helfer kommt unter anderem im Spa des "Palais Namaskar" zum Einsatz, wo mit Guerlain-Produkten wie dem "Super Aqua Eye Serum" gearbeitet wird. Übrigens wurde der Wellnessbereich gerade bei den "World Luxury Spa Awards 2013" Erster in der Kategorie "Best Emerging Luxury Spa" des afrikanischen Kontinents. Warm, würzig und opulent sind die Parfüms des Orients - und oft auch kostspielig. Der Duftstoff Ambra beispielsweise wurde früher als grauer Klumpen aus dem Verdauungstrakt des Pottwals gefischt oder an Land gespült und kostete im nordmarokkanischen Fes des 16. Jahrhunderts, damals ein bedeutender Handelsknotenpunkt, 60 Dukaten pro Pfund.

Im Vergleich: Ein Sklave kostete 20, ein Kamel 50 Dukaten. Heute wird "Ambre gris", der graue Bernstein, überwiegend synthetisch hergestellt. In besonders kostbaren Parfüms ist aber noch das echte Ambra enthalten, zum Beispiel im "L'Eau d'Ambre" von L'Artisan Parfumeur. "Den Menschen im arabischen Raum sind kostbare Inhaltsstoffe sehr wichtig. Duft ist dort ein Statussymbol", weiß Karyn Khoury, Senior Vice President der Abteilung Duftentwicklung bei Estée Lauder. Oud, das fermentierte Harz des Adlerholzbaums, kostet bis zu 50 000 Euro pro Kilogramm und findet sich in vielen orientalischen Parfüms, wie dem neuen "Terryfic Oud" von Terry de Gunzburg oder dem Unisex-Duft "Amber Mystique" von Estée Lauder, ab September im Handel. Ähnlich hochpreisig ist auch der Duftstoff Zibet, das Drüsensekret der Zibetkatze. Stark verdünnt und in Kombination mit Moschus oder Ambra verleiht es warmen Parfüms die typisch animalische Unternote, zum Beispiel in "Gold Woman" von Amouage oder in "Royal Pavillon" von Etro. Und Kreuzkümmel landet als Zutat nicht nur im Kochtopf, sondern findet sich in Düften wie "La Fumée Arabie" von Miller Harris oder "Les Nuits d'Hadrien" von Annick Goutal (Parfums über www.ausliebezumduft.de).

Auf einem weichen Sofa wartet man die heißen Mittagsstunden ab und trinkt einen Thé à la Menthe, einen frisch gebrühten Minztee, gewürzt mit Zucker, Anis und Safran.

Wussten Sie, dass die erste Lippenfarbe...

...wahrscheinlich aus Nordafrika kam? In der marokkanischen Stadt Fes mahlten die Berberfrauen Mohnblüten und Granatapfelschalen und mischten das pigmentreiche Pulver in kleinen Terrakottaschalen mit Wasser an. "Aker" nannte man den so gewonnenen "Lippenstift" oder auch "Aker Fassi", nach der Stadt Fes. Noch heute benutzen die Frauen das Rouge. Und das nicht nur aus dekorativen Gründen: Mohn und Granatapfel sind reich an Polyphenolen, die vor schädlichen Umwelteinflüssen und vorzeitiger Hautalterung schützen können. Bei uns ist der Schönmacher bestellbar z. B. unter www.sultana-cosmetics.de; von der Berber-Tradition inspiriert ist der Lipbalm "Onguent Fondant pour les Lèvres" mit Mohn des französischen Labels Dyptique, ca. 28 Euro (z. B. über www.ludwigbeck.de).

Orient für zu Hause

Öle, Gesichtsreiniger, Lotionen und Masken von Kahina Giving Beauty, z. B. "Organic Argan Oil", 30 ml ca. 36 Euro, erhalten Sie über www.amazingy.com. Der Haarbändiger "Frizz Control" von Moroccanoil glättet mit Arganöl krisseliges Haar und lässt es glänzen, 100 ml ca. 26 Euro. Für Gesicht, Körper und Haar ist das Trockenöl "Superbly Restorative Argan Dry Oil" von Kiehl's, 125 ml ca. 34 Euro. Hilfe für UV-gestresste Haut bietet die "Age-Protect Eye Cream Rich Avocado Argan" von i+m Naturkosmetik, 15 ml ca. 20 Euro. Für den Badetempel daheim: "Tradition de Hammam Dusch-Öl oriental" von Yves Rocher, 200 ml ca. 11 Euro. Eukalyptusduft und Argan stecken im Badeöl "Heavenly Hammam" von Rituals, 100 ml ca. 14 Euro. Zum Selbstanrühren: "Märchenhafte Rhassul Wascherde" von Tautropfen, 400 g 19,90 Euro.

Hotels in Marrakesch und dem Atlas-Gebirge

Selman Marrakech Palasthotel mit großem Parkgelände, eigener Araberzucht und einem Spa-Konzept nach Henri Chenot, DZ ab 350 Euro, www.selman-marrakech.com

Riad El Fenn Boutiquehotel in der Altstadt von Marrakesch mit eigenem kleinen Hamam, DZ ab 165 Euro, www.el-fenn.com

Palais Namaskar mit wunderschönem Spa-Bereich, üppig blühendem Garten und Villen mit eigenem Pool, DZ ab 390 Euro, www.palaisnamaskar.com

Dour Samsara Zauberhaftes Hotel in einem Berberdorf mitten im Atlas-Gebirge, der letzte Teil der Anreise erfolgt auf einem Esel. DZ ab 120 Euro, www.douar-samra.com

Text: Annika Thomé Fotos: Keith Schofield Produktion: Birgit Potzkai BRIGITTE WOMAN 09/2013
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