Wie aus dem Ei gepellt

Pralle, glatte Haut ohne jeden Makel und vor allem: ohne große Poren - das ist der neue Beauty-Trend, der jetzt aus Japan und den USA zu uns kommt. Aber was ist davon zu halten?

Warum Asiatinnen Eier schön finden

Fragt man sie nach ihrem Schönheitsideal, hört man den Porzellanteint-Klassiker höchstens noch von der etwas älteren Generation. Die junge Asiatin wünscht sich eine Haut wie die eines hart gekochten geschälten Eies. Warum? Sie ist strahlend weiß ohne jegliche Flecken, straff, prall und trotzdem elastisch. Zudem sieht man keine einzige Pore, was die Oberfläche absolut ebenmäßig erscheinen lässt. Kurzum, das Ei ist makellos. Dahinter steckt ein immer mehr um sich greifender Perfektionierungswahn, der auch die Ansprüche an die Kosmetikbranche nach oben schraubt. Schon jetzt sind große Poren neben Pigmentflecken das größte Hautpflege-Thema in Asien. Auch in den USA spricht man bereits von Porexia, der Angst vor sichtbaren Poren. In Deutschland ergab jüngst eine Umfrage von Forsa im Auftrag von Olaz, dass 38 Prozent der befragten Frauen mit ihrer Gesichtshaut unzufrieden sind. Große Poren waren, nach Pickeln, mit 49 Prozent die zweithäufigste Ursache.

Eine kleine Porenkunde

Ihre Jobbeschreibung: Für einen makellosen Teint würden viele Asiatinnen am liebsten ganz auf ihre Poren verzichten. Doch das geht nicht, denn Poren sind die kleinen Öffnungen in der Haut, durch die Schweiß und Talg abtransportiert werden. Die trichterförmigen Luftlöcher, von denen man pro Quadratzentimeter Haut etwa 15 Stück findet, sind das sichtbare Ende der Talgdrüsen, durch die unsere Haut atmen und Sauerstoff aufnehmen kann. Kleine Poren fallen in der Regel nicht auf oder besser gesagt, es stört sich niemand daran. "Doch werden übermäßig Talg und Verhornungen produziert, was die Poren verstopft, entstehen störende Mitesser", erklärt Dermatologin Dr. Sabine Zenker.

Also würden kleine Poren doch genügen? "Theoretisch schon, aber die Größe der Poren ist reine Veranlagung, so wie manche Frauen 1,60 Meter groß sind und andere 1,80 Meter", sagt Dr. Zenker. Poren sind das individuelle Strickbild der Haut, eine Art Fingerabdruck. Durch zu viel Sonne können sie sich vergrößern - einer der Gründe, warum Asiatinnen sich so rigoros von der Sonne abschirmen. Große Poren haben aber auch Vorteile: Bei falscher Pflege kann kleinporige Haut schneller austrocknen, Fältchen bekommen und auf manche Kosmetika oder Duftstoffe empfindlich reagieren. "Bei großporiger Haut treten Fältchen meist erst später auf, da sie per se fettiger ist und deshalb nicht so sehr zum Austrocknen neigt. Sie leidet insgesamt weniger schnell unter Feuchtigkeitsmangel", erklärt Dr. Zenker.

Poren zeigen auch Alterserscheinungen: Im Laufe der Jahre nimmt die Produktion von Kollagen und Elastin in der Haut ab. Auch in den Poren: Das Gewebe erschlafft, die Wände verlieren an Festigkeit, die Kanäle erweitern sich, die Öffnungen werden größer und sichtbarer. Dadurch wirkt der Teint ungleichmäßiger, weniger glatt und oft auch fahl. Kein Wunder also, dass sich der asiatische Anti-Aging-Markt längst auf Porenverfeinerer konzentriert hat.

Für immer seidigen Teint: Gibt es Kosmetik, die das schafft?

Egal ob in Asien oder Europa, dauerhaft klein kriegen können Cremes die Poren zwar nicht, aber verschiedene Forscher haben Wirkstoffe gefunden, die bei regelmäßiger Anwendung gewisse Erfolge erzielen können. Der Pflanzen-Extrakt aus der Siegesbeckia Orientalis, auch himmlisches Kraut genannt, soll zum Beispiel die Porenwände stärken und damit die Poren vor dem Ausleiern schützen (z. B. von Clinique). Sind die Poren bereits erweitert, sollen Seren mit Salicylsäure die Haut sanft peelen und so vor dem Verstopfen schützen. So genannte Nordihydroguaiaretic- Säure soll zudem die Produktion von überschüssigem Talg regulieren (z. B. von Good Skin Labs). Wird die dermo-epidermale Junktionszone (DEJZ), die Verbindung zwischen Epidermis und Dermis, die sich auch durch die Poren zieht, schwächer, erschlaffen die Poren. Sie weiten sich aus und bilden größere Öffnungen. Hefe-Extrakt und Geranien-Öl sollen speziell die Proteine und das Kollagen der DEJZ anregen und so diesen Prozess verhindern (z. B. von Kiehl's).

Zudem kann man mit Make-up schummeln. "Bei großporiger Haut bleiben Foundations oft in den Poren hängen, was unschön aussieht. Zudem wirkt der Teint häufig fahl, was an der geringeren Fähigkeit der Erneuerung der obersten Hornschichten der Haut liegt. Der jugendliche Glow geht verloren", erklärt Dr. Zenker. Besser ist mattierendes Make-up. Es schluckt das Licht nicht und verhindert so die Entstehung von Schatten (z. B. von Estée Lauder). Mineralische Make-ups in Puderform lassen sich leichter verteilen, ohne sich schnell in den Poren abzusetzen (z. B. von Artdeco). Cremes mit Silikonen kann man vor dem Make-up auf die Haut geben, um die Poren zu kaschieren und so die Haut ebenmäßi-ger erscheinen zu lassen (z. B. von Benefit). "Allerdings sollte man diese Produkte nicht täglich verwenden, sonst können sie die Poren verstopfen", gibt Dr. Zenker zu bedenken.

Reinigt man die Haut abends nicht täglich von Schmutz, Make-up und Talg, kann sich das in den Poren absetzen und sie dadurch ausdehnen oder zu Mitessern führen. Gele mit dem Wirkstoff Monolaurin sollen eine übermäßige Talgproduktion regulieren und mit Zinkgluconat gegen Entzündungen wirken (z. B. von Avène). Außerdem sollte man regelmäßig die Haut mit einem Peeling oder mit Gesichtsreinigungsbürsten von abgestorbenen Hautschüppchen befreien. Alpha-Hydroxy-Säuren sollen die Poren öffnen, deren Durchblutung ankurbeln und so den Abtransport von Talg unterstützen (z. B. von Biodroga MD). Für die meisten Gesichtsreinigungsbürsten gibt es spezielle Bürstenköpfe für große Poren (z. B. Clarisonic).

Doch Vorsicht, trocknet die Haut bei der Reinigung aus, wird dadurch die Talgproduktion erst recht angeregt, und die Poren beginnen zu wachsen. Ei, ei, ei, alles nicht so einfach mit dem Ei.

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Text: Katja Dreissigacker Ein Artikel aus BRIGITTE WOMAN 02/2015
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