Hafer, Gerste und Co: Kosmetik mit Getreide

Kosmetik mit Hafer, Gerste, Weizen und Roggen gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Was macht die Winzlinge vom Acker nur so interessant für die Beauty?

In den Kornkammern der Erde wachsen starke Beauty-Wirkstoffe heran

Ein schöner Anblick - herbstliche Deko aus der Natur

Goldene Ähren im Sonnenlicht, eine Herbstbrise schlägt sanfte Wellen in die Felder - Toastbrot-Reklame. Es ist Erntezeit. Aus dem Getreide, das nun wieder die Kornkammern füllt, wird unser täglich Mehl. Aber nicht nur. Einige seiner Inhaltsstoffe, etwa das goldgelbe Weizenkeimöl, stecken schon lange auch in Produkten für glatte Haut und glänzendes Haar. Denn: Es ist reich an Antioxidanzien. Und jedes Jahr entdecken Forscher Neues auf diesem Feld. An der Hamburger Universität, Bereich Kosmetikwissenschaft, führt Prof. Dr. Martina Kerscher gerade eine wissenschaftliche Untersuchung zur faltenglättenden Wirkung eines Serums durch, dessen Schlüsselwirkstoffe Wachstumsfaktoren aus Gerste sind, die den menschlichen Wachstumsfaktoren sehr ähneln. Diese Proteine schaffen es tatsächlich, den Hautzellen einzuflüstern, sich bitte wieder jung zu fühlen. Zum Beispiel, um neue Stützfasern zu bilden und Falten weniger ausgeprägt erscheinen zu lassen.



Die Firma Symrise aus Holzminden, einer der größten Zulieferer der Kosmetikindustrie, vertreibt Wirkstoffe aus Weizen, Hafer und Gerste als "Healthy-Grains" ("gesunde Körner"). Für deren Forschungsleiter im Bereich "Life Essentials", Dr. Gerhard Schmaus, ist Getreide ein Segen unter den Naturprodukten: "Es ist nicht nur komplex zusammengesetzt, sondern durch den weltweiten Anbau in großer Menge verfügbar - und nachhaltig." Denn selbst Nebenprodukte wie Getreidespelzen lassen sich gut verwerten.

Was genau sich aus jedem einzelnen Getreide als schönheitswirksam erweist, ist - Achtung, Kalauer! - eine Frage der Ähre: Hirse zum Beispiel ist ein guter Kieselsäure-Lieferant, bestens geeignet, um Haut und Haare von innen zu stärken. Weizen enthält besonders viel Vitamin E, ein Antioxidans. Und der vielseitige Hafer ist nicht nur das fettreichste Getreide, also gut geeignet für Pflegelinien, sondern wird ebenso wegen seiner hautberuhigenden Eigenschaften geschätzt. Außerdem enthält Hafer Biotin. Als Kur eingenommen, kann es spröde Nägel nachweislich wieder schöner machen. Doch bei aller Euphorie: Was ist mit Allergien? Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft hat keine Bedenken, solange die Produkte nicht in den Körper gelangen. Der Deutsche Allergie und Asthmabund sieht ebenfalls keine Gefahr für Pollen-Allergikerinnen, die auch Getreide nicht vertragen. Na dann: Ernte gut, alles gut.

Vitamin E, Linolsäure, Biotin - der Kraftfuttermix aus Getreide macht Haut und Haare schön

Schönheit direkt nach dem Aufwachen - eine Schale Müsli deckt den Tagesbedarf an Biotin, dem "Hautvitamin" B7

Hafer hat es in sich - seine Wirkstoffe beruhigen, kräftigen und gleichen aus. Ideal bei sensibler Haut

Ein blühender Nebeneffekt - am Rande der Felder wachsen jetzt die prächtigsten Herbstblumen

Hirse macht stark Die länglichen Rispen mit kugeligen Körnchen kennen wir aus Omas Wellensittichkäfig. Hirse ist eines der ältesten Getreide der Welt. Jahrhundertelang galt das fettreiche Rundkorn als Grundnahrungsmittel der Armen und wird noch heute, weil genügsam und vor allem robust, in eher kargen und heißen Regionen der Erde angebaut. Aus kosmetischer Sicht interessant wird Hirse durch ihren hohen Gehalt an Kieselsäure, den sie als Umweltschutz in den Spelzen der einlagert. Denn unser Körper benötigt diesen Stoff, um Bindegewebe, Haut und Haare stark zu machen. Von außen, zum Beispiel als Gel oder in einer Creme verpackt aufgetragen, kann Kieselsäure festigend wirken (z. B. in "Anti Age Augen Kontur Creme-Serum" von Eubos; "Energie Kur" von Dermasel Exklusiv). Außerdem beruhigt und lindert sie bei kleinen Kratzern und Sonnenbrand. Das Öl wiederum, reich an Linolsäure, ist ein idealer Rückfetter. Es macht extrem trockene Haut wieder elastisch, stärkt eine gestörte Barrierefunktion und wirkt entzündungshemmend. In Haarkuren und Shampoos sind Hirsewirkstoffe bewährte Volumen- und Glanzspender (z. B. in "Goldhirse Glanzspray" von Rausch).

Hafer beruhigt Durch seine B-Vitamine ist Hafer, verarbeitet in Brot oder Müsli, magenschonende Nervennahrung. Doch viel spannender sind seine guten Beauty-Eigenschaften. Neben dem Öl - Hafer ist das fetthaltigste aller Getreide - machen sich seine Kohlenhydrate (Haferglucane) bei trockener Haut besonders gut: Sie regulieren die Hautfeuchtigkeit, wirken regenerationsfördernd und wundheilend (z. B. in "Double Serum" von Clarins). Die aufgespaltenen Proteine des Hafers können reife Haut wieder elastischer machen (z. B. "Élixir D'Eau" von Payot; "Duschbad mit Hafer" von Yves Rocher; "Deluxe Hand & Body Lotion Coriander" von Kiehl's). Der wichtigste Trumpf aber sind so genannte sekundäre Pflanzenstoffe: hautberuhigende und juckreizhemmende "Haferavenanthramide" (z. B. in "Sensitiv Gesichtscreme light" von Alcina). Besonders die aus jungem grünem Hafer können die Reizschwelle einer sensitiven, irritierten Haut dauerhaft erhöhen und gegen Attacken von außen stärken (z. B. in "Rheacalm Beruhigende, leichte Creme" von A-Derma). Schützen, Strukturieren, Aufbauen sind auch die Effekte von Haferwirkstoffen in Haarshampoos und -spülungen (z. B. in der neuen "Hafer Aufbau"-Haarpflege-Serie für trockenes Haar von Weleda; "Pflegespülung mit Hafermilch" von Klorane).

Gerste regeneriert Nach Hildegard von Bingen soll sich mit Gerstenwasser waschen, "wer im Gesicht und am Kopf eine harte, raue Haut hat, die sich schuppt". Wir bevorzugen die moderne Variante: Erforscht und für gut befunden sind die Essenzen als Pflegekomponente in Haarprodukten (z. B. in "Shampoo für häufige Haarwäsche" von Melvita), hauptsächlich aber in der Hautpflege. Denn Gerstenextrakt kann die Konturen festigen (z. B. in der "Absolue Premium ßx"-Serie von Lancôme), in Wachs verarbeitet, verwöhnt er raue Lippen (z. B. in "Baume Lèvres" von Nuxe). Und die speziell aufbereiteten Wachstumsfaktoren, gewonnen aus Gerste, können Hautzellen neue Lebenskraft einhauchen und die Haut von innen straffen (z. B. in "EGF Serum" fürs Gesicht von Bioeffect). Als Schönmacher von innen gilt Gerstengraspulver: Es ist reich an sekundären Pflanzenwirkstoffen und Radikalfängern, soll die Gefäße schützen und Körperprozesse positiv unterstützen.

Gutes aus Getreide - Weizenextrakte eignen sich bestens als Hautstraffer

Weizen pflegt Neben Hafer ist Weizen das zweite Multitalent aus der Kornkammer, speziell das Öl seiner Keime. Kein anderes Getreide(öl) enthält eine so hohe Dosis des Radikalfängers Vitamin E, das unter anderem die Zellerneuerung ankurbelt. Verarbeitet in Kosmetik, verhindert es zum Beispiel, dass die Haut austrocknet (z. B. in "Vitamin E Body Butter" von The Body Shop; "Sève Florale Revitalisierendes Serum" von Cattier). Überhaupt macht das sehr milde Öl die Haut schön glatt und elastisch. Für Naturliebhaberinnen gibt es das auch pur, als Basisöl zum Sich-selbst-Beduften mit ätherischen Aromaölen wie Grapefruit- oder Wildrosenöl (alles z. B. von Primavera Life). Seine hervorragende Eigenschaft als Feuchtigkeitsbinder (u. a. durch die essenziellen Fettsäuren) machen Weizenwirkstoffe zum Allroundpflegezusatz für Gesicht, Körper und Haar (z. B. in "Elixir de Reines"-Serum von Sanoflore; "Hydratation Intense"-Gesichtscreme von Kibio; Weizenkeimextrakt in "Epigran"-Serum von Dr. Grandel; "Aroma Confort Système Corps"Bodymilk von Decléor; "Wheat Face Soap"-Seife von Korres; "Weizen Schuppen-Shampoo" von Weleda). Sehr ausgelaugtem Haar geben speziell die Eiweiße (Proteine) des Weizens die gesunde Struktur zurück, machen es stärker gegen mechanische Belastung (z. B. in "Repair Pflege Shampoo" von Lavera; "Spülung Jojoba Eibisch" von Dr. Hauschka; "Resist Stärkender Schaum für kraftloses Haar" von Wella Professionals).

Roggen strafft In der Volksmedizin kennt man Umschläge mit Roggenkleie bei Insektenbissen und Ohrenschmerzen. Die Anwendungen sollen das Leiden lindern - doch vielleicht ist es eher der würzig-süßliche Getreide-Duft, der von den Unannehmlichkeiten ablenkt: Roggen-Keimöl etwa riecht stark nach frisch gebackenen Brötchen. Das Aroma verflüchtigt sich jedoch beim Einsatz in Kosmetikprodukten. Wie jedes andere Getreide werden Roggenextrakte dafür stark verarbeitet, zum Beispiel durch Fermentation, um Wirkstoffe überhaupt erst nutzbar zu machen. Den beeindruckendsten Beauty-Einsatz hat Roggen als Oberflächenglätter. Seine Zucker sollen Falten weniger sichtbar machen und langfristig die Haut festigen. Bevorzugt stecken sie deshalb in Gesichtspflege, speziell in Produkten, die einen schnellen Effekt erzielen sollen (z. B. "Feuchtigkeitsspendende Gesichtsmaske" von Astalift). Und: Roggen enthält Aminosäuren wie Lysin; Verbindungen aus Aminosäuren (Peptiden) spielen in der Anti-Aging-Kosmetik eine große Rolle (z. B. in "Olaz Regenerist").

Fotos: Werner Wallington Produktion: Birgit Potzkai BRIGITTE 11/13 Text: Angela Schöneck Haare und Make-up: Mira Hake, Model: Marta/4play

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