Gesucht: Das richtige Kosmetikstudio

Kosmetikerinnen gibt es viele. Aber wie findet man die richtige? Unsere Autorin weiß es - und verrät ihre Checkliste für die Suche nach dem passenden Kosmetikstudio.

Die schönste Kosmetikbehandlung meines Lebens hatte ich in einem Aveda-Studio in New York. Draußen Manhattan am Rande des Nervenzusammenbruchs, drinnen der Duft von ätherischen Ölen. Die Kosmetikerin zog mich gleich mit einem "You look tired" auf ihre Seite, und ihre Massage habe ich bis heute nicht vergessen. Nach 90 Minuten entließ sie mich zurück ins Leben - entspannt, zufrieden und mit satter, rosiger Haut. Schade nur, dass die Frau 6000 Kilometer von meinem Wohnort entfernt arbeitet. Denn eine Kosmetikerin zu finden, bei der alles stimmt, ist alles andere als ein Kinderspiel.

Mal wieder die Falsche

So landete ich schon mal bei einer - wie ich vermute - in die Schönheitsbranche gewechselten Gouvernante, die mir fast die Behandlung verweigert hätte, weil ich das ganze Jahr zuvor nicht bei einer Kosmetikerin war. Zutiefst frustrierend fand ich auch den Besuch bei einer fahrigen Dame, die mich nach umständlichem Abschminken und Maskeauftragen mit schlimmster Fahrstuhlmusik allein ließ - damit ich "schön entspannen" kann. Das wäre mir deutlich leichter gefallen, hätte ich nicht 1,50 Euro pro Minute für den Versuch bezahlen müssen, ganz ruhig dazuliegen und mich nicht zu ärgern.

Solche Geschichten hört Ute Wendt oft. Zu der Naturkosmetikerin aus Hamburg kommen immer wieder Frauen, die nach langer Kabinenabstinenz einen Neuanfang wagen. "Nicht wenige hatten bei anderen Kosmetikerinnen das Gefühl, sie müssen jetzt unbedingt ganz viele Produkte kaufen und mindestens einmal im Monat kommen. Eine hatte wörtlich zu hören bekommen: Das müssen Sie machen, sonst verwelken Sie." Solche Kosmetikerinnen geben so an ihre Kundinnen einfach den Druck weiter, den einige Kosmetikfirmen ausüben, um bestimmte Umsätze zu erzielen. Doch das sei nicht der einzige Grund für Übereifer beim Verkauf, sagt Ute Wendt: "Manche Kolleginnen definieren sich über die Produkte, nicht über sich selbst. Deshalb sagen sie: Diese oder jene Creme ist die einzig wahre. Doch genau das ist für viele Kundinnen der Grund, nicht wiederzukommen." Ute Wendt selbst bietet Neukundinnen zum Kennenlernen eine Grundbehandlung an, aber nicht mehr; sie gibt - falls es gewünscht wird - Cremetipps ("Das erspart Fehlkäufe"), aber drängt nicht zum Kauf. Ein Termin alle drei Monate reicht im Übrigen vollauf. Denn bei einer guten Kosmetikerin sieht das Gesicht schon nach der ersten Behandlung frischer aus, die Haut profitiert sofort von gezielt eingesetzten, aufpolsternden Ampullen sowie Gesichts- und Dekolleté-Massagen. Die Dermatologin Dr. Kathi Turnbull, zu deren Praxis in Hamburg auch eine Abteilung für dermatologische Kosmetik gehört, ist sich sicher: "Besonders mit Hyaluronsäure-Ampullen und Vitamin-C-Behandlungen kann eine Kosmetikerin in kurzer Zeit enorm viel bewirken."

Lassen Sie nicht alles im Kosmetikstudio machen

Einige Kosmetikerinnen wollen allerdings noch mehr erreichen, und dies mit fragwürdigen Mitteln. Was eine Kosmetikerin leisten kann und darf, ist zwar gesetzlich geregelt: So darf sie keine Falten unterspritzen, es sei denn, sie ist zusätzlich als Heilpraktikerin zugelassen. Dennoch bieten auch einige reine Kosmetikerinnen diese Behandlung an - die übrigens prinzipiell in ärztliche Hände gehört: Denn wenn die Spritze beispielsweise zu oberflächlich gesetzt wird, hat man unter Umständen statt weniger Falten blaue Linien im Gesicht, weil das Füllmaterial durchscheint. Und dies ist ein harmloser Fall von Nebenwirkung nach Pfusch mit der Spritze. Noch heikler ist es, wenn in Kosmetikstudios IPL-Technologie ("Intense pulsed light") angeboten wird. Die so genannte "Blitzlampe" arbeitet mit gepulstem Licht und wird zum Beispiel zur Haarentfernung eingesetzt. Kathi Turnbull sagt dazu: "Leider fehlen hier gesetzliche Bestimmungen, weil es sich nicht um Laserlicht handelt. Aus meiner Sicht ist das fatal, weil die Technologie sehr viele, auch dauerhafte Nebenwirkungen auslösen kann."

Ein weiterer Prüfstein: die Hygiene. "Ich habe schon viele Kosmetikerinnen gesehen, die mit nicht sterilisierbaren Schwämmen und Feilen arbeiten. Die Aufsätze von Schleifgeräten sterilisieren sie, aber das war's", sagt Dr. Turnbull. Da werde die 20- Minuten-"quick 'n' dirty"-Variante gefahren, so die Hautärztin, was natürlich nicht ausreiche: "Eine sachgerechte Desinfektion von Instrumenten braucht etwa drei Stunden." Dr. Gerlinde Wagner kennt diese Problematik. Sie ist Präsidentin des Prüfinstitutes Deutsches Hygienezertifikat, das ein Qualitätssiegel für Hygiene in Dienstleistungsbetrieben vergibt. Wenn Kosmetikerinnen ihr Institut für ein Hygiene-Coaching buchen, trifft Wagner oft auf Unbeholfenheit im Kampf gegen die Keime. Dabei ist ihre Klientel, die ja freiwillig um Fortbildung bittet, durchaus guten Willens - aber es fehlt an Wissen.

"Da werden zum Beispiel Dachshaarpinsel mit Wasser gewaschen, was überhaupt nichts bringt. Es dauert zwei Tage, bis ein dichter Pinsel durchgetrocknet ist, und die Bakterien sind immer noch da." Besser wäre es, ein Tuch mit einer alkoholfreien Desinfektionslösung zu tränken und mit dem Pinsel darüberzustreichen, denn diese Methode schadet nicht dem Pinsel, sondern den Bakterien. Schuld am Unwissen seien zum einen Mängel in der Ausbildung, sagt Wagner: "Hygiene ist nicht eben das beliebteste Fach in den Kosmetikschulen, und das Gesundheitsamt prüft stichpunktartig Institute, aber keine Lehrpläne." Zum anderen ist die vorliegende Gesetzgebung wenig hilfreich. So gibt es ein Durcheinander von Rahmenhygieneplänen in den verschiedenen Bundesländern, die teilweise auch noch veraltet sind. "Theoretisch ist die Kosmetikerin verpflichtet, sich zu informieren und in ihren Hygieneplan die neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse einfließen zu lassen." Das ist zusätzliche Arbeit, die in der Praxis oft zu kurz kommt.

Saubere Kosmetikstudios sind nicht automatisch hygienisch

Ausbaden muss es dann die Kundin. "Schon mit einem leicht geschwächten Immunsystem kann man sich ohne Weiteres mit Pilzen infizieren, schlimmstenfalls mit Hepatitis." Nicht selten finden sich in den mitgebrachten Proben aus Kosmetikinstituten solche Erreger, wobei immer erst das Mikroskop die Wahrheit zeigt: "Die Sauberkeit der Einrichtung erlaubt keine Rückschlüsse auf die Hygiene. Wir haben in der schönsten Architektur schon katastrophale Verhältnisse vorgefunden." Zwar passiert meist dennoch nichts Gravierendes, beruhigt Dr. Wagner, aber das ist auch nur ein schwacher Trost.

Ob das New Yorker Studio, von dem ich bis heute so begeistert bin, hygienisch auf dem neuesten Stand war, weiß ich nicht. Einiges spricht dafür, denn ich erinnere mich noch gut daran, wie penibel die Kosmetikerin mit ihren Instrumenten umging. Vor allem aber habe ich mich bei ihr auf Anhieb wohlgefühlt. Ich kam zum vereinbarten Termin ohne Wartezeit dran und spürte sofort: Diese Frau weiß genau, was ich brauche. Ich denke, das war sie, meine Mrs. Right. Aber natürlich bringt es nichts, ihr nachzutrauern. Ich brauche eine in der Nähe. Wie heißt es so schön? Wer sucht, der findet. Ich suche weiter. Es geht immerhin um meine Haut.

Checkliste: So finden Sie ein gutes Kosmetikstudio

Text: Angelika Brodde
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