VG-Wort Pixel

Kostbare Produkte


Sie sind uns lieb - und teuer: edle Parfüms, Lippenstifte, Luxus-Cremes. Gerade an dunklen Wintertagen dürfen Parfümflakons noch etwas goldener schimmern, Lippenstifte und verwöhnende Cremes noch etwas glamouröser sein.

image

Nicht nur schwarz malen kann man mit der Lidschattenpalette "Quatuor boutons de Chanel" - auch wenn die darin enthaltenen dunklen Farben "Les Folies Noires" heißen. Preis ca. 49 Euro.

Glänzende Aussichten, zumindest in der Handtasche: Lippenstift "Rouge Volupté" von Yves Saint Laurent, ca. 28 Euro.

Reichtum für die Lippen: Das "Rouge Dior Sérum de Rouge" von Dior sorgt nicht nur für eine leuchtende Farbe, sondern pflegt auch besonders intensiv, ca. 32 Euro.

image

Zeigen, was man hat - was spricht dagegen? Für schöne Haut an Hals und Dekolleté gibt es ja die "Orchidée Impériale Crème Cou Et Decolleté" von Guerlain, 75 ml für ca. 290 Euro.

Mehr als luxuriös, quasi mega-luxuriös soll er sein: der Duft "Eau Mega" von Victor & Rolf. 50 ml kosten ca. 75 Euro.

Gold wert ist ein strahlendes Gesicht, mit Gold versetzt ist das seidige Pre-Make-up "Cellular Treatment Gold Illusion Line Filler" von La Prairie. Es soll den Teint glätten und ihm einen sanften Schimmer verleihen. 30 ml gibt es für ca. 130 Euro.

image

Echte Werte sind kostbare Parfüms in edlen Flakons, wie zum Beispiel das fruchtig-florale "Parisienne" von Yves Saint Laurent, 50 ml für ca. 69 Euro.

Immer flüssig ist das " Specialists Skin Nova SC Serum" von Juvena, eine parfümfreie, belebende, nährende Pflege für die Gesichtshaut, 30 ml für ca. 129 Euro.

image

Feinste Zutaten hat die "L'Or de Vie La Crème Riche" von Dior: Wirkstoffe aus den jungen Trieben der Sauvignon-Rebe, 50 ml ca. 375 Euro.

Eine gute Investition ist die Lidschattenpalette "Ombres 5 Lumières" von Yves Saint Laurent mit Eyeliner und -pinsel, ca. 50 Euro.

Sinnlichkeit versprühen: Dazu verführt der Duft "L'Eau Ambrée" von Prada mit Zitrone, Wildrose und Amber, 80 ml ca. 108 Euro.

Reif für ein bisschen Unvernunft

Mit der Zeit erkennen Frauen, worauf es ankommt. Und sie lernen Dinge schätzen, die das Leben schöner machen, schon morgens im Bad: edle Gesichtscremes, Augenmasken, Parfüms im Kristallflakon. Auch wenn niemand solche Luxus-Kosmetika wirklich braucht.

Ja, wir sind verdorben. Wir haben die Unschuld verloren, als wir von Spucktusche auf Lancôme-Mascara umgestiegen sind. Vom einfachen Parfüm-Deo auf den Prada-Flakon. Von Nivea- Creme auf das La-Prairie-Serum. Ein unumkehrbarer Prozess. Wir können nicht mehr zurück.

Hat eine Frau erst einmal diese Tiegel und Tuben, die vorzugsweise in Gold und Silber daherkommen, auf ihrer Badkonsole versammelt, wird sie schlechte Laune bekommen, wenn sie auf einmal zum rosa Plastikspender greifen soll oder zur bunten Cremedose der Kindheit. Selbst wenn der Inhalt gleichwertig wäre - was er nicht ist, das riecht und sieht man ja schon beim Öffnen -, selbst dann wäre der Unterschied gewaltig. Luxus im Bad und im Kosmetiktäschchen ist pure Unvernunft. Und genau die brauchen wir gelegentlich alle. Vor allem in Zeiten, in denen so viel gerechnet und berechnet wird und in denen wir doch eigentlich sparen müssten.

image

Ich trage meine edle Schlafmaske auf - und kehre der Welt von Soll und Haben träumend den Rücken. Zwanglos glücklich in die Nacht. Der Flakon auf dem Badewannenrand macht schon ungeöffnet gute Laune. Das Silberdöschen mit dem vertrauten edlen Schriftzug glättet Sorgenfalten bereits durch seinen Anblick.

So was ist unbezahlbar. Und darum zahlen wir es. Immer wieder. Ein bisschen weh tun muss es, wenn wir Geld oder die Kreditkarte zücken, das kleine Zögern - muss es wirklich sein? - und die still geseufzte Antwort: Ja. Sonst fehlt das Flimmern im Bauch, das ein bisschen ist wie Verliebtsein. Sinnlos und berauschend wie Fremdgehen in einer gut funktionierenden Ehe. Im Prinzip sind wir ja treu. Wissen, was richtig und was falsch ist. Verschwendung etwa ist falsch - eigentlich. Und von dem Geld für die neuen Frühjahrsampullen könnte der Enkel locker seine Skireise bezahlen.

Aber nein! Bloß jetzt kein schlechtes Gewissen, wenn wir sehenden Auges das Überflüssige für uns tun, mit kindlichem Übermut. Und im Hinterkopf die prosaische Überlegung: Es könnte ja tatsächlich helfen. Ja, natürlich hilft es, wenn wir uns gut fühlen mit all den feinen Sachen. Während wir sie einatmen, auftragen, verteilen, sind wir mit dem Wichtigsten auf der Welt beschäftigt: mit uns selbst. Mit unserer Haut. Spätestens seit wir begriffen haben, dass die vom Umtausch ausgeschlossen ist, wollen wir für sie nur das Beste - und haben recht damit. Der Enkel soll für seine Skireise sparen, so lernt er was fürs Leben. Seine Zeit für Luxus kommt später. Wenn er reif dafür ist.

Erst mit den Jahren erkennen wir, was Luxus bedeutet. Er ist eine Art Schutz vor der Banalität des geordneten Lebens. Genau das Stück Leben, das nicht zwingend zum Überleben gebraucht wird. Unser Spielbein zum Standbein, sozusagen. Die ultimative Augenmaske, dem monatlichen Budget abgetrotzt - das ist keine Sünde. Das ist Wissen um die eigene Schönheit und ihre Vergänglichkeit. Luxus im Tiegel ist ein Versprechen. Vielleicht sogar tatsächlich geschenkte Zeit für unsere Außenhaut, für unser Länger-Frischbleiben. Allein diese Illusion ist Gold wert. Jung bleiben wir nicht, das kann uns keiner weismachen, aber wir können unsere wissenden Augen zum Strahlen bringen. Die ausdrucksvollen Hände seidig cremen.

Natürlich hilft der Glaube beim Tupfen und Tropfen, beim Cremen und Massieren kräftig mit. Im Töpfchen das Versprechen der neuesten Forschung und Entwicklung, für die Stimmung die Magie des Designs. Beides zusammen macht den Unterschied zur üblichen Ware. Luxus ist auch der Bruder von Verschwendung, Üppigkeit, Fruchtbarkeit. Ein bisschen Snobsein - das unterscheidet uns Luxus-Junkies von der Welt, in der wir funktionieren müssen. In der es um Pflicht und Effizienz geht. Andere naschen. Wir sprühen, cremen, tuschen. Eher streichen wir den Kurzurlaub als die Nachtcreme mit den Liposomen. Ich dufte, also bin ich.

Beauty-Luxus ist das Spielzeug für große Mädchen. Ohne dieses Spielzeug sind wir einfach reife Frauen. Klug, gelassen, selbstbewusst - aber weniger prickelnd. Auf der Suche nach dem Guten haben wir irgendwann das Beste gefunden.

Und darunter machen wir es nicht mehr.

Text: Vera Sandberg Fotos: Ray Parker Produktion: Birgit Potzkai Haare und Make-up: Sascha Wobido/Blossom

Mehr zum Thema