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Gesunde Auszeit vom Alltag


Medical Wellness - das ist Urlaub mit integriertem Gesundheitsprogramm. Doch wie funktioniert es, für wen eignet es sich und was bezuschussen die Krankenkassen?

Es gibt Wellness-Wasser, Wellness-Joghurt und Wellness-Kaugummi - doch nichts davon hat mit der eigentlichen Bedeutung von Wellness zu tun. Der Begriff tauchte erstmals 1654 und bedeutete soviel wie "gute Gesundheit". Heute wird damit in der Präventivmedizin ein ganzheitliches Gesundheitskonzept. Ihm liegt die Idee zugrunde, dass vielen Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise vorgebeugt werden kann.

Medical Wellness ist das Gegenteil von Alltag

Klingt gar nicht so kompliziert. Ist es aber. Denn wer kann schon von sich behaupten, sich wirklich gesund zu ernähren, viel an der frischen Luft zu sein, nicht zu rauchen, keinen oder nur wenig Alkohol zu trinken und weder beruflichen oder privaten Stress zu spüren?

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Die Seele baumeln lassen, dem Körper und dem Geist wieder mehr Aufmerksamkeit widmen und aktiv etwas für die Fitness und das Wohlbefinden tun - hier setzt Medical Wellness an. Unter (fach-)ärztlicher Aufsicht sollen gesundheitliche Ziele durch Änderung des Lebensstils erreicht werden, beispielsweise im Bereich Ernährung oder im Umgang mit Stress.

Medical Wellness eignet sich gut für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Rückenbeschwerden, Rheuma, Herz-Kreislauf-Störungen oder mit Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Nikotinabhängigkeit. Außerdem für Menschen, die an stressbedingten Störungen oder Beschwerden leiden. Und sowieso für alle, die in ihrer Freizeit etwas für ihre Gesundheit tun wollen - und es auch sich leisten können. Denn Medical Wellness ist teuer. Eine Woche gesunder Urlaub kostet etwa 1.500 Euro pro Person. Zwar bezuschussen einige Krankenkassen einzelne Behandlungen (im Schnitt mit maximal 200 Euro pro Jahr), Anreise und Hotel müssen immer selbst bezahlt werden.

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Nach der Anreise wird zunächst ein medizinischer Eingangscheck gemacht, der als als Grundlage für ein individuelles Medical-Wellness-Programm dient. Er beinhaltet außer einem Blutbild und einem Belastungs-EKG auch eine umfangreiche Stoffwechsel-Analyse. Gemeinsam mit dem Arzt werden anschließend die Ziele des Aufenthalts vereinbart und das persönliche Programm festgelegt. Das Angebot ist vielfältig: Personal Training, Pilates, Yoga, Nordic Walking, Thai Chi, Rücken-, Kopf- und Fußmassagen, Lymphdrainage, Thermal- und Schlammbäder, Kneipp-Anwendungen, traditionelle Heilmethoden, medizinische Trinkkur, Ernährungsberatung, psychologische Gespräche, Vitalküche und Co. sind nur einige Punkte auf dem Gesundheitsprogramm.

Das Medical-Wellness-Konzept soll sich möglichst deutlich vom ungesunden Alltag des Patienten unterscheiden, erklärt Rainer H. Bubenzer, Pressesprecher des "Deutschen Medical Wellness Verbandes" (DMWV). "Klassische Vorstellungen von Urlaub beinhalten in erster Linie Nichtstun als Ausgleich zum Arbeitsalltag. Ein Aufenthalt in einem Wellness-Hotel hebt sich grundsätzlich vom Lebensalltag der Klienten ab. Für einen überaktiven Menschen könnte ein sinnvolles Medical-Wellness-Angebot deshalb sogar aus Verzicht auf jegliche Aktivität bestehen."

Nicht alles, was "Medical" heißt, ist medizinisch sinnvoll

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Am Ende des Aufenthaltes wird dann zur Erfolgskontrolle erneut ein ärztlicher Check gemacht. Anschließend wird gemeinsam mit dem Arzt überlegt, wie das neugewonnene Gesundheitsbewusstsein in den Alltag integriert werden kann. "Die Individualisierung ist das eigentlich Revolutionäre am Medical-Wellness-Konzept", sagt Bubenzer. "Es gibt keinen Standard-Goldweg für alle Menschen! Vielmehr ändern sich individuell empfehlenswerte Maßnahmen im Laufe des Lebens eines Klienten mit den Veränderungen in seinem Lebensumfeld oder anderen wechselnden Eigenschaften."

Doch Vorsicht. Nicht alles, für das das Prädikat "Medical" verwendet wird, ist medizinisch sinnvoll. So haben Schönheitsoperationen, Hyaluronsäure-Kuren oder Sauerstoff-Behandlungen nichts mit Medical Wellness zu tun. Vor der Buchung eines Medical-Wellness-Aufenthaltes empfiehlt es sich, mit seinem Arzt zu sprechen und wegen einer möglichen Teil-Kostenerstattung auch bei der Krankenkasse informieren.

Text: Veronika Zweckerl Fotos: Nelson Philip

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