Muße ist der beste Schutzfilm

Schöne Haut braucht Pflege und Muße. Keinen Termindruck. Wärme, Farben und Sehnsucht. Einfach so. Ein Plädoyer für mehr Sinnlichkeit.

Es ist eine Kunst, das zu erleben. Oft muss der Rahmen dafür erst gebaut werden, das heißt, Zeit bewusst freischaufeln, Termine umlegen, Gedanken an morgen und übermorgen stoppen. Muße. Pause. Auszeit. Ohne diese sinnfreien Stunden oder sogar Tage zwischendurch werden wir verrückt. Zu viel drängt auf uns ein, will Beachtung, muss geschafft werden. Mehrarbeit im neuen Projekt, Herzensdinge der Familie, kranke Mutter, einsame Oma, wartende Tante. Und der Hund mit der verstauchten Pfote...

Wir wissen genau, was glückliche Momente sind.

Aber etwas schaffen bedeutet, wir haben es irgendwann geschafft. Und nicht, um sogleich etwas anderes zu schaffen, sondern, um einen Strich zu ziehen unter dieses Kapitel. Jetzt erst mal: Ruhe. Genuss, Belohnung. Unser Hirn schreit danach. Es tut ohnehin nur, was sich lohnt, was Belohnung verspricht. Dabei rechnet es nicht in Euro, Prozent, Bruttosozialprodukt. Sondern in guten Gefühlen, in beglückenden Botenstoffen. Wir wissen wenig darüber, wie diese Stoffe zu lenken sind. Aber wir wissen genau, was glückliche Momente sind. Am See, am Meer, im Wald, in den Bergen. Die Haut wieder spüren, der Körper wird leicht und fühlt sich schön an, nichts zwickt. Ein Tag in der Sauna oder ein schönes Vollbad. Wunderbar. Oder warm einpacken und raus in die Welt. Das Schweigen der Welt, es wohnt in uns. Hören wir aber nur, wenn nichts anderes dröhnt. Kein Lärm dringt jetzt ein. Das Handy bleibt aus. Das Radio auch. Fernseher - völlig vergessen. Der Zustand der Welt, jetzt mal kein Thema. Es geht um die wirklich großen Dinge. Meine Bucht, meine Lichtung, mein Hügel - überall gibt es sie.

Nur für diesen Moment.

Ein Leben lang suchen wir sie, sammeln sie. Selten sind sie im Reisekatalog zu finden, eher stolpern wir über sie, wenn wir abseits der ausgelatschten Pfade gehen, mit dem Fahrrad auf unebenem Waldwegen fahren, vielleicht sogar ein Verbotsschild übersehen oder auch richtig lange wandern. Irgendwo wartet das Paradies. Mit Ruhe, mit Anblicken, mit Resonanz in unseren Adern. Manchmal sind diese Plätze auch nur stundenweise schön.

Auch die Seele wird empfindlicher

Muße ist der Schutzfilm auf unserer dünnen Haut. Mit den Jahren wird sie dünner. Und nicht nur die Epidermis, sondern auch die Seele wird empfindlicher. Muße ist der Stoff, der uns stärkt für die Aufgabe, der Welt zu begegnen. Ein kurzes Abwenden, ein In-sich-Gehen, Schweigen, Weghören - dann sind wir wieder da, erfrischt und neugierig darauf, was nun wieder los ist.

Die Breaks sind es, die uns in lebendiger Spannung halten. Stress ohne Muße - nicht auszuhalten. Das ungleiche Paar braucht einander. Eines allein, grauenhaft langweilig, ungesund. Es ist die andere Langeweile, die guttut: keine Erwartung, kein Zeitlimit, ein leerer Kopf. Alle ach so wichtigen Inhalte sinken ab in tiefere Schichten des Unterbewusstseins. Das Bewusstsein döst. Meditieren geht so. Nur noch atmen. Sein ist genug. Natürlich sind schöne Orte für diese schöne Untätigkeit vorzuziehen. Das Kuschelsofa, am Kamin, am Bootssteg. Hauptsache, einer ist da: ich.

Mini-Urlaub für schöne Haut

Lässige Beats: CD einlegen, zurücklehnen, dazu vielleicht ein kühles Getränk - und jetzt nur noch relaxen: Dafür sind zarte Klänge perfekt. Wer sich lieber sanft zur Musik bewegt, kommt mit einem Yoga-Programm richtig herunter.

Beruhigende Düfte: Ätherische Öle wie Lavendel und Thymian beruhigen die Sinne - und können wahlweise als Körperduft und Raumspray genutzt oder kurz vorm Schlafengehen aufs Kopfkissen gegeben werden.

Wohltuende Tees: Kräutertees schmecken nicht nur gut, sie können auch beim Einschlafen helfen oder das Völlegefühl nach schwerem Essen mildern. Es gibt sogar Tees für eine starke Ausstrahlung.

Positiver Druck: Um Verspannungen zu lösen, legen Sie die Mittelfinger oberhalb der Nasenwurzel auf - dort, wo die Augenbrauen beginnen. Für den richtigen Druck stützen Sie Ihre Ellenbogen auf und legen den Kopf fast auf den Fingern ab. Wenn Sie einen ganz leichten Schmerz spüren, liegen die Finger genau richtig. Die Position zweimal drei Sekunden lang halten, zwischendurch eine kurze Pause machen. Mit den Fingern senkrecht nach unten bis fast zu den Nasenlöchern wandern. Das Ganze erst dort wiederholen, dann zwei Zentimeter weiter seitlich, schließlich am höchsten Punkt des Wangenknochens und unterhalb der Unterlippe.

Entspannendes Fußbad: Geben Sie etwa 40 Grad warmes Wasser und einen pflegenden Badezusatz in ein großes Gefäß, und tauchen Sie die Füße etwa zehn Minuten lang bis zu den Unterschenkeln ein. Wer möchte, füllt zwischendurch warmes Wasser nach. Zum Schluss gut abtrocknen und die Füße mit einer wärmenden Lotion eincremen.

Text: Vera Sandberg Fotos: Ray Parker, Melanie Grimsehl

Wer hier schreibt:

Melanie Grimsehl
Themen in diesem Artikel
Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.