VG-Wort Pixel

Smarte Begleiter für heiße Tage


Früher gab es Sonnenöl, das schützte vor Sonnenbrand - und fertig. Die Sonnencremes von heute sind dagegen Multitalente: Sie reparieren Zellschäden, kämpfen gegen freie Radikale und sollen sogar Falten glätten. Also genau das Richtige für einen Sommertag im Großstadtdschungel

UV-Stifte wehren Sonnenbrand ab

Mit der Haut ist es ein bisschen wie mit der Seele: Je reifer sie ist, desto anspruchsvoller wird sie, was den Umgang mit ihr angeht. Und weil UV-Strahlen als besonders aggressive und faltenförderliche Rüpel unter den Umweltreizen gelten, sollte man der zunehmend dünneren und sensibleren Haut ab 40 im Sommer auch einen besonderen Schutz gönnen. Schließlich bräunen wir mit 50 nicht mehr so ebenmäßig wie mit 25, sondern eher fleckig und punktuell. Die Pigmente, die sich wie ein schützender Schirm über die Hautzellen legen sollen, verteilen sich nicht mehr gleichmäßig. "Das ist häufig auch Folge eines Lichtschadens, der im Laufe des Lebens erworben wird", sagt die Hamburger Dermatologin Dr. Birgit Kunze. "Typisch sind dann 'Altersflecken' im Gesicht, auf den Händen und am Dekolleté."Auf den sommerlichen Stadtbummel oder einen Ausflug zum Strand muss deshalb aber niemand verzichten. Schließlich werden durch das helle Licht Glückshormone gebildet, und alle hormonellen Wechselwirkungen kommen in Schwung.

Wichtig ist jedoch die richtige Sonnenpflege: Sie muss reichhaltig sein, weil die Sonne die Haut zusätzlich austrocknet. Nasen, Ohren und Lippen werden durch UV-Stifte bestens geschützt. Sonnenpflege sollte dabei helfen, mögliche Zellschäden zu reparieren oder gar nicht erst entstehen zu lassen. In den neuen Sonnencremes speziell für reife Haut findet man daher auch viele raffinierte Wirkstoffe und Technologien, die versuchen, diesen Bedürfnissen zu entsprechen.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Trends:

1. Vorbeugen mit wirksamen Filtern

image

Bei jedem Kontakt mit Sonnenlicht dringen unsichtbare UVA und UVB-Strahlen in unsere Haut ein. Während die UVBStrahlen für den Sonnenbrand verantwortlich sind, gehen Falten und vorzeitige Hautalterung auf das Konto der UVA-Strahlen. Beide erhöhen das Hautkrebsrisiko. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention ist heute jede zehnte Frau zwischen 40 und 60 Jahren gefährdet, am schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Deshalb immer hohen Lichtschutz wählen - am besten LSF 20 bis 30. Um vom Zahlendschungel wegzukommen, teilen die Hersteller seit Anfang des Jahres die Schutzwirkung von Cremes in einheitliche Abstufungen ein. Hinter "sehr hohem Schutz" steckt ab sofort LSF 30 bis 50, hinter "hohem Schutz" verbirgt sich LSF 15 bis 25. Auch neu: Statt "Sunblocker" steht nun "ultrahoher Schutz" auf der Verpackung, um dem Verbraucher nicht 100-prozentigen Schutz vorzugaukeln - den gibt es nämlich nicht. Außerdem wichtig: das richtige Mischungsverhältnis von UVB- und UVA-Filtern in den Cremes. Nach neuesten Erkenntnissen liegt es bei 3:1. Wer seine Haut gar nicht mit chemischen Filtern belasten will, greift am besten auf Cremes mit fein zermahlenen Pigmenten zurück. Diese Mikropigmente bleiben oben auf der Haut liegen und reflektieren die Sonneneinstrahlung wie ein Spiegel. Das Neueste sind Formulierungen mit "UV-Pearls", bei denen die Filtersubstanzen mit feinstem Glas ummantelt sind. Sie sollen außerdem ganz besonders verträglich sein.

2. Pflanzlicher Anti-Falten-Schutz

Cremes mit Vitamin E wehren Radikale ab

Sonne bildet in der Haut freie Radikale, die die Zellkerne attackieren und die stützenden Fasern im Bindegewebe zerstören. Die Folge: schlaffes Gewebe und frühe Falten. Völlig schutzlos schlittern die Zellen freilich nicht ins Verderben. Zur Verteidigungslinie gegen freie Radikale gehören Vitamine (E, C), Carotinoide und zahlreiche Enzyme. Die hauteigenen Radikalfänger sind jedoch minutenschnell verbraucht. Und mit zunehmendem Alter wird die Selbstabwehr immer schwächer. Radikalfänger, die sich in Tagescremes schon länger bewähren, kommen deshalb jetzt auch in der Sonnenpflege zum Einsatz. Besonders wirksam: Radikalfänger, mit denen sich normalerweise Pflanzen vor UV-Strahlung schützen. Zum Beispiel aus Grüntee, Süßorangen, Silberweide, Lampionblume, Algen oder Olivenbaum. Manche Cremes haben diese Schutzstoffe verkapselt: Trifft UV-Licht auf die Haut, sollen die Transportkügelchen (Photozome) platzen und ihre Fracht in die Haut entleeren.

3. Algen gegen Sonnenbrand

Das Sonnenbad war zu lang, der Lichtschutzfaktor zu niedrig, die Haut ist gerötet? Eine Sofort-Reparaturhilfe für die ramponierten Zellen hat man vor einigen Jahren im Meer entdeckt. Dort aktiviert eine bestimmte Blaualgenart bei UV-Strahlung ein Enzym, das die Schäden an der Erbsubstanz wieder beseitigen kann. Photolyase heißt das neue Wundermittel, und Jean Krutmann, Professor für Photodermatologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, hat herausgefunden, dass es auch menschliche Zellkerne zu schützen vermag. Während Photolyase anfangs nur in After-Sun-Lotions steckte, findet es sich jetzt auch in Sonnencremes - kann also bei Bedarf sofort mit der Ersten Hilfe loslegen. Man muss allerdings wissen, dass das Enzym Tageslicht oder zumindest Zimmerbeleuchtung braucht, um zu wirken. Deshalb bauen Kosmetikfirmen zusätzlich auf ein anderes Enzym mit ähnlicher Wirkung: Endonuclease. Es macht in After- Sun-Produkten beschädigte Zellkerne über Nacht wieder flott.

4. Hilfe zur Selbsthilfe

Lange bevor sich unter Sonneneinwirkung der Hautfarbstoff Melanin schützend um die Zellkerne der obersten Hautschicht legt, sind bereits so genannte Wächtermoleküle (Hitzeschockproteine, kurz HSP) aktiv. Bei 20-Jährigen stehen sie zwei Stunden nach einem "UV-Stress" in großer Menge zur Verfügung. Bei 40-Jährigen dauert es dagegen 200 Minuten, bis die HSPProduktion ins Laufen kommt - sie ist dann auch weitaus schwächer. Kosmetikforscher haben in den Früchten der Kaktusfeige eine Substanz gefunden, die die natürlichen Hitzeschockproteine vermehrt. Während Photolyase selbst aktiv wird, um die Zellkerne zu reparieren, leisten Formulierungen mit Kaktusfeigenextrakt quasi Hilfe zur Selbsthilfe. Ähnlich wirkt Ectoin. Die Substanz wird aus Bakterien gewonnen, die selbst in arktischem Eis und kochenden Geysiren existieren können - es sind also echte Überlebenskünstler.

5. Wiederaufbau fürs Bindegewebe

Sonne macht das Gewebe schlaff, deshalb enthalten manche Cremes Wirkstoffe, die es wieder straffen sollen. Bestnoten bekommt dafür Vitamin C - allerdings nur, wenn es in höherer Konzentration (zwischen 0,5 und 3 Prozent) vorliegt. Neuerdings packen Hersteller auch Reis- und Sojaproteine und Malzextrakte in den Sonnencremetiegel, um die Stützfasern schön elastisch zu halten. Sie haben eine östrogenähnliche Wirkung und sollen die Kollagenproduktion verstärken.

Text: Ulrike Kleiner Foto: Nelson Phillip, iStockphoto Produktion: Bénédict Mohr Haare und Makeup: Bobby Bujisic/Bigudi

Mehr zum Thema