Mütter & Töchter

Nase, Hauttyp, Haar- und Augenfarbe - alles eine Sache der Vererbung. Und was übernehmen wir in Sachen Schönheit von unseren Müttern? 15 Frauen aus vier Generationen berichten - und verraten ihre Lieblingsprodukte.

Karolin Galestian 24 und Mehri Kabiri 46 Gutes Aussehen verbindet die beiden auch im Beruf: Mutter und Tochter führen die "Beauty Oase", ein kleines Schönheits-Institut im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude. In Teheran, wo Mutter Mehri Kabiri aufwuchs, hat Schönheit einen besonders hohen Stellenwert: "Doch in Persien bedeutet Kosmetik nicht etwa Luxus, wie in Deutschland. Sie gehört zum Reinlichkeitsverständnis", sagt Mehri. Diese Einstellung hat sie auch ihrer Tochter vermittelt: Immer gepflegt auftreten, hochwertige Hautcremes benutzen, selbst zum Gassigehen mit dem Familienhund zurechtgemacht sein - die Tochter akzeptiert Mutters oberstes Schönheitsgebot. Von klein auf. Stress deswegen? Gab's nicht. Weil sie davon überzeugt ist. "Die Haut", sagt Karolin sanft, "ist unser schönstes Kleid." Ein Satz wie aus 1001 Nacht. Beinahe ebenso geheimnisvoll erscheint das traditionelle Schönheitsritual der beiden - Karolin hat es von Mutter Mehri und die von ihrer Mutter. "Es nennt sich Fadentechnik", erklärt Karolin. "Um die Härchen zu entfernen, über der Oberlippe und an den Brauen." Mit einem feinen Zwirn wird eine winzige Schlaufe um jedes einzelne Härchen gelegt, das dann ausgezupft wird. Mutter und Tochter formen auf diese Weise ihre Brauen gegenseitig. Karolin ist übrigens, was das Augen-Make-up anbelangt, experimentierfreudiger als die Mutter. Die wiederum setzt gern mit Lippenstift Signale, zum Beispiel in Himbeerrot. Mehri Kabiris Credo: "Man darf durchaus mal müde aussehen, aber nie langweilig." Karolin benutzt regelmäßig "ooh la lift" von Benefit. Das Highlighter-Fluid lässt den Teint und, unter den Brauen aufgetupft, die Augen leuchten. Mehris Lieblingslippenfarbe ist Himbeerrot: "Viva Glam" von Mac.

"Mein Beauty-Tipp? Personenwaage abschaffen!" "Von wegen Feuermelder. . . Also", setzt Josephine an, "das ist für mich wirklich kein Problem. Immerhin sind wir vier rothaarige Schüler in der Klasse." Die Tochter hat die gleichen roten Haare und die Stupsnase wie ihre Mutter. Und die konnte sich nie beklagen. Pamela Raulfs hat von ihrem Aussehen eine ganze Weile sehr gut gelebt. Mehr als zehn Jahre arbeitete sie als Model für eine renommierte internationale Agentur. Pamelas Beauty-Favoriten seither: Apricot-Rouge, dunkelbraune Mascara, beigefarbenes Gloss und im Winter eine ganz leicht mattierende Grundierung. Ihr Grundsatz, den sie erst nach den Model-Jahren entwickelte und der, wie sie findet, wirklich glücklich und somit schön macht: "Gutes, vitaminreiches Essen und keine Personenwaage im Haus zu haben." Das gemeinsame Abendessen bei Raulfs ist deshalb ein echtes Familienritual. Ein anderes, nur zwischen Mutter und Tochter, ist das stundenlange im Bett kuscheln und quatschen am Wochenende. Wenn Josephine ihrer Mutter dann zum Beispiel erzählt, dass sie jetzt noch die Bassgitarre in der Band spielen wird, neben dem Saxofon, und dass es ihr wirklich egal sei, was Paris Hilton trägt, dann fühlt sich Pamela bestätigt: "Fini hat eine richtig stabile Persönlichkeit und geht nicht nach Äußerlichkeiten." Das trifft auch auf Josephine selbst zu, sie benutzt nur etwas Puder, nie Mascara. Der simple Grund: "Weil ich keine Lust habe, mich wieder abzuschminken." Josephine benutzt mattierenden Kompaktpuder von Aok; Lieblingsprodukt von Pamela: ein beigebraunes Lipgloss - "Mocha Glaze" von Shiseido.

"Wir lieben schöne Düfte." "Kennen Sie die Kosmetik-Testpaletten in den Drogerien? Voll mit allen Lidschattentönen einer Firma? Wenn die ausgemustert wurden, habe ich sie für Kathrin zum Spielen mit nach Hause genommen", erzählt Bärbel Gäbel, die jahrelang als Drogistin arbeitete. Kathrin hätte alles zwar mit Interesse begutachtet, sei dann aber doch lieber raus - auf Bäume klettern. "Auch wenn sich mein Verhältnis zu Kosmetik geändert hat und ungeschminkt ausgehen mittlerweile undenkbar für mich ist - in Sachen Kosmetik war ich ein Spätzünder", sagt die Krankenschwester. "Was mich allerdings schon als Teenager interessiert hat, sind schöne Düfte." Diese Liebe zu Parfüms ist eindeutig vererbt: Mutter und Tochter besitzen außer ihren Favoriten mehrere verschiedene, wechseln sie nach Lust und Laune. Nur in der Sonne lässt Bärbel Gäbel nichts als Sonnencreme an ihre Haut. Im Sommer benutzt die passionierte Camperin stets UV-Schutz-Lotion zur Bodypflege. "Einen leicht gebräunten Teint mag ich durchaus an mir. Aber ohne Schutz bin ich nie in die Sonne gegangen. Sonst wär ich bestimmt sehr früh meine beste Antifaltencreme-Kundin geworden." Mutter Bärbel Gäbel duftet nach dem blumig-warmen Klassiker "Roma" von Laura Biagiotti; Kathrin Begemann benutzt am liebsten das feminine "Allure" von Chanel.

"Die Kosmetik teilen wir uns." "Wir haben eine sehr innige Beziehung zueinander und leben momentan wie eine WG", beschreibt Mutter Christel das Zusammenwohnen mit den beiden Töchtern. Maxie ist gerade von einer Weltreise zurückgekommen und bemüht sich nun um einen BWL-Studienplatz, Lina steckt bis über beide Ohren in der Ausbildung zur Physiotherapeutin, Christel ist Krankenschwester - alle sind bis in den Abend ständig unterwegs. Der einzige Ort, an dem sie sich garantiert einmal täglich treffen, ist das Badezimmer. Morgens. "Es steht allen immer offen, Zickereien gibt's so gut wie nie", sagt Maxie. Ihre Schwester Lina bestätigt das: "Selbst die Schminke benutzen wir drei gemeinsam. Wenn die eine neuen Lidschatten hat, will die andere ihn garantiert auch ausprobieren, geht bei der einen was aus, benutzt sie es bei der anderen mit. Weil wir - egal, ob beim Augen-Make-up, Rouge oder Gloss - hauptsächlich Brauntöne nehmen, passt das zu jeder. Momentan haben wir ein und dieselbe Wimperntusche." In puncto Make-up ist die Mutter eher puristisch: "Lidschatten oder Rouge benutze ich kaum oder nur abends", sagt sie, "und dann greife ich natürlich noch zur Familien-Mascara." Lieblingsprodukt der drei: "XXL"-Volumenmascara von Maybelline Jade; Lidschattenpalette: "Eye Mania No. 3" von Armani.

"Als Kind wollte ich, dass meine Mutter gestylter ist." "Mit Make-up bin ich zuerst durch meinen Vater in Berührung gekommen", sagt Johanna Christine Gehlen, die als Schauspielerin in vielen Fernsehfilmen zu sehen ist (z. B. "Moppel-Ich", "Tatort"). Vater Elmar ist Schauspieler und Regisseur, und in einem silbernen Schminkkoffer bewahrte er seine alte Pantomimenschminke auf - eine echte Schatzkiste für kleine Mädchen. Die Make-up- Ausstattung der Mutter, von Beruf Lehrerin, beschränkte sich auf zwei Dinge: knallroten Lippenstift und schwarze Wimperntusche. "Mittlerweile nehme ich ein bisschen Grundierung dazu, dann wirkt die Haut gleichmäßiger", sagt Hanne Gehlen. "Aber sonst habe ich ins Schminken nicht viel Zeit investiert. Bei mir musste es immer ganz schnell gehen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert." Die mädchenhafte Figur und dass sie dieselbe Jeansgröße trägt wie ihre Tochter, schreibt sie ihrer Bewegungslust zu. Jogging? Fehlanzeige. "Sich einfach eine große Portion Agilität bewahren, das reicht." Das ist es dann auch, was Christine an der Mutter gefällt, "diese besondere Ausstrahlung", sagt Johanna Christine. Und auf diese Wirkung kommt es auch vor der Filmkamera an . . . Johanna Christine Gehlen ist das bewusst, sie sorgt gut für sich, pflegt sich: "Aura statt Beauty-OP", darauf setzt sie. Ist die Mutter ein Vorbild? "Dass ich ihr in einigen Punkten immer ähnlicher werde, das geschieht eher unbewusst. Ich bemerke zum Beispiel, dass ich Hannes minimalistische Make-up-Auffassung wohl übernommen habe, ich mag's ebenfalls lieber natürlich. Und auch die Haare trage ich glatt und lang, wie sie in dem Alter." Hanne Gehlen schwört auf die Grundierung "Magie Matte Ultra Naturel Foundation" von Lancôme. Wegen der natürlichen Farbe liebt Johanna Christine den zimtfarbenen Lippenkonturenstift "Mauve-Brown Nr. 5" von Shiseido.

"Die Themen wiederholen sich. Nur ist Schönsein heute einfacher." Vier Generationen, ein Satz: "So gehst du mir nicht aus dem Haus!" Ulrike Dünhölter lacht. "Den habe ich schon von meiner Mutter gehört, als es um gefärbte Haare ging. Die wiederum kannte ihn von ihrer Mutter wegen der Schminke, ich habe ihn zu Steffi in ihrer schlimmsten Teenager-Öko-Phase gesagt, und die Kleine, Rosa, bekommt das auch gerade zu hören." Rosa ist elf, und wenn sie "so nicht aus dem Haus" soll, dann eher wegen auffälligen Modeschmucks. Dass sie sich seit einiger Zeit, wie alle Mädchen in ihrer Klasse, täglich die Wimpern tuscht, findet Mutter Steffi zwar nicht überragend, aber die Grafik- Designerin bleibt gelassen. Der Grund? Noch so ein Mehr-Generationen- Satz, einer, aus dem Erfahrung spricht: "Das gibt sich." Aus Steffis Indien-Look ist lediglich das Faible für dunkel umrandete Augen geblieben, ihre Mutter, gelernte Friseurin, verzichtet schon seit Jahren auf Haarfärbung und pflegt ihr Grau mit Shampoo in "Silberglanz". Nur der Ton von Uroma Ingeburgs Rosé-Lippenstift hat sich über Jahrzehnte kaum verändert. "Ich mochte es schon als junges Mädchen lieber dezent", sagt sie. "Schick, aber dezent. Und meiner Mutter war selbst das noch zu viel." Die Beauty-Favoriten der vier: "Color Riche Beige Praliné"-Lippenstift von L'Oréal (Ingeburg Vogel), "Vital Silberglanz"-Shampoo von Guhl (Ulrike Dünhölter), dunkelbrauner Kajalstift von The Body Shop (Stephanie Dünhölter-Jung), "Lash Revolution Mascara" von Nivea (Rosa Jung).

Text: Angela Schöneck Fotos: Christian Walmroth Produktion: Bénédicte Mohr
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