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Schwerbehindertenausweis: Vorteile auf einen Blick

Schwerbehindertenausweis: Frau im Rollstuhl
© Halfpoint / Shutterstock
Zusatzurlaub, Kündigungsschutz und vergünstigter Eintritt in öffentliche Einrichtungen – das und mehr ermöglicht ein Schwerbehindertenausweis. Vorteile im eigentlichen Sinn sind das allerdings nicht: Es handelt sich um sogenannte Nachteilsausgleiche. Diese sieht der Gesetzgeber vor, um Mehraufwand und -kosten, die Betroffenen durch die Schwerbehinderung entstehen, (wenigstens teilweise) auszugleichen.

Schwerbehindertenausweis: Welche Vorteile bringt er?

Wer schwerbehindert ist, für den ist der Alltag oft komplizierter und teurer als für andere Menschen. Kosten verursachen beispielsweise Medikamente und Selbst- oder Zuzahlungen für Hilfsmittel wie Rollstühle, Orientierungshilfen und Hörgeräte. Wo andere sich ganz selbstverständlich bewegen, stoßen Schwerbehinderte häufig auf Hürden – Barrierefreiheit ist längst noch nicht überall gegeben. Das Sozialgesetzbuch sieht deshalb sogenannte Nachteilsausgleiche für Betroffene vor. Wer diese in Anspruch nimmt, muss sich als schwerbehindert ausweisen können.

Ausgestellt wird der Schwerbehindertenausweis vom Versorgungsamt bzw. der im Land dafür zuständigen Behörde, wenn ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr vorliegt. Auf dem Schwerbehindertenausweis stehen neben dem GdB unter Umständen auch sogenannte Merkzeichen. Das sind Buchstabenkürzel, die die Behinderung näher beschreiben – beispielsweise G (erheblich beeinträchtigt in der Bewegungsfähigkeit), aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), Bl (Blindheit), Gl (Gehörlosigkeit) oder TBl (Taubblindheit).

Je nach GdB und Merkzeichen können Betroffene bestimmte Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen. Dies sind einige der wichtigsten.

Vorteil 1: Steuererleichterungen

  • Steuerfreibeträge sorgen dafür, dass man bereits während des Jahres weniger Steuern bezahlt. Je höher der GdB, desto höher ist die steuerliche Erleichterung. Beim höchsten GdB (100) liegt der Steuerfreibetrag bei 1.420 Euro (Stand: Januar 2020); bei bestimmten Merkzeichen unter Umständen höher. Damit er auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden kann, sind verschiedene Nachweise erforderlich – unter anderem der Schwerbehindertenausweis.
  • Außerdem lassen sich bestimmte Ausgaben, die aufgrund der Schwerbehinderung notwendig waren, steuerlich geltend machen. Zu den sogenannten außergewöhnlichen Belastungen gehören beispielsweise Krankheitskosten oder die Ausgaben für den barrierefreien Umbau der Wohnung.

Vorteil 2: Nachteilsausgleiche in der Arbeitswelt

Damit möglichst viele Schwerbehinderte beschäftigt werden können und sie anderen Arbeitnehmern gegenüber nicht im Nachteil sind, fördert der Gesetzgeber gezielt ihre Einstellung und sieht zahlreiche Nachteilsausgleiche in der Arbeitswelt vor, unter anderem:

  • Arbeitgeber sind verpflichtet zu prüfen, ob offene Stellen mit schwerbehinderten Bewerbern besetzt werden können. Gibt es im Unternehmen 20 oder mehr Arbeitsplätze, so müssen Arbeitgeber mindestens fünf Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen besetzen.
  • Bei der Beschäftigung von Schwerbehinderten gilt der Grundsatz, dass die Arbeit der Behinderung angepasst werden muss. Es müssen also beispielsweise bestimmte technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen und die Arbeitnehmer sollen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse ohne Einschränkung einsetzen können.
  • Sofern notwendig, können schwerbehinderte Arbeitnehmer auf eine sogenannte Arbeitsassistenz zurückgreifen, beispielsweise ein Gebärdendolmetscher für Gehörlose.
  • Einer Kündigung muss bei schwerbehinderten Arbeitnehmern stets das Integrationsamt zustimmen – es besteht demnach besonderer Kündigungsschutz. Das heißt allerdings nicht, dass sie unkündbar sind: Wenn das Integrationsamt feststellt, dass die Behinderung nicht der Grund für die Kündigung war, kann sie durchaus zulässig sein.
  • Schwerbehinderte Arbeitnehmer haben Anspruch auf eine Arbeitswoche zusätzlichen Urlaub – also fünf Tage.

Gut zu wissen: Wer einen GdB von weniger als 50 hat, jedoch aufgrund der Behinderung keine geeignete Stelle findet bzw. ausüben kann, kann bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen stellen.

Vorteil 3: Früherer Renteneintritt

Sofern sie 35 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, haben schwerbehinderte Arbeitnehmer die Möglichkeit, zwei Jahre früher in Altersrente zu gehen. Wer auf einen Teil seiner Rente verzichtet, kann sogar bis zu fünf Jahre früher in Rente gehen.

Vorteil 4: Kostenlose Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Den Personennahverkehr kostenlos nutzen können Schwerbehinderte nur bei bestimmten Merkzeichen auf dem Ausweis. Damit dies auf einen Blick erkennbar ist, sind Schwerbehindertenausweise, die zur kostenfreien Fahrt berechtigen, zur Hälfte orange bedruckt.

Vorteil 5: Behindertenparkplätze nutzen

Viele nehmen an, der Schwerbehindertenausweis reiche aus, um Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen. Das ist allerdings nicht richtig. Möglich ist dies nur mit einem speziellen Parkausweis – und diesen wiederum erhalten nur Schwerbehinderte, deren Ausweis das Merkzeichen aG (außergewöhnlich gehbehindert) oder Bl (blind) trägt.

Vorteil 6: Befreiung vom Rundfunkbeitrag

Vom Rundfunkbeitrag befreit sind taubblinde Menschen, Schwerbehinderte, die Blindenhilfe erhalten, und Empfänger von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Grundsicherung. Eine Ermäßigung können diejenigen beantragen, in deren Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen RF steht.

Vorteil 7: Vergünstigte Eintrittspreise bei öffentlichen Einrichtungen

Eine Verpflichtung, das Dokument immer bei sich zu tragen, gibt es übrigens nicht. Doch der Schwerbehindertenausweis kann von Vorteil sein, wenn man beispielsweise ein Museum oder ein öffentliches Schwimmbad besuchen möchte, denn auch vergünstigte Eintrittspreise gehören zu den Nachteilsausgleichen.

Der Vorteil der neuen Schwerbehindertenausweise (ab 2015): Sie haben das praktische EC-Karten-Format – somit lassen sie sich bequem in das Portemonnaie stecken. Wer noch einen der alten, größeren Ausweise hat, kann die Nachteilsausgleiche damit aber ebenfalls in Anspruch nehmen.

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