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Schwerbehindertenausweis beantragen und verlängern: So geht's

Schwerbehindertenausweis: Formular
© lenetstan / Shutterstock
Wer zum ersten Mal einen Schwerbehindertenausweis beantragen möchte, ist meistens unsicher, wie genau das funktioniert. Habe ich überhaupt Anspruch auf den Ausweis? Wo kann ich ihn beantragen? Und was habe ich eigentlich davon? Auch, wenn der alte Ausweis verlängert werden soll, gibt es einige Dinge zu beachten. Wir erklären, wie man den Schwerbehindertenausweis verlängert bzw. erstmalig beantragt.

Eine grüne oder orange-grüne Plastikkarte im Scheckkartenformat: So sieht der Schwerbehindertenausweis heute aus. Wer noch nie ein solches Dokument besessen hat, fragt sich womöglich, wozu man es überhaupt braucht.

Mit dem Schwerbehindertenausweis können Betroffene nachweisen, dass sie Anspruch auf bestimmte Nachteilsausgleiche haben – zum Beispiel Steuererleichterungen, einen besonderen Kündigungsschutz oder Vergünstigungen beim Besuch öffentlicher Einrichtungen. Diese Ausgleichsmaßnahmen sieht der Gesetzgeber vor, weil eine Behinderung – zusätzlich zu den gesundheitlichen Einschränkungen – finanziellen und organisatorischen Aufwand verursacht und die gesellschaftliche Teilhabe erschwert.

Wer kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen?

Anspruch auf den Ausweis haben Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, hier arbeiten oder sich gewöhnlich hier aufhalten. Eine Pflicht, den Schwerbehindertenausweis zu beantragen, besteht allerdings nicht. Auch müssen Inhaber ihn nicht ständig bei sich tragen. Bestimmte Nachteilsausgleiche kann jedoch nur in Anspruch nehmen, wer seine Schwerbehinderung – beispielsweise gegenüber Behörden - mit dem Ausweis nachweisen kann.

Wichtig: Bei einem GdB von mindestens 30, aber unter 50 können Betroffene bei der Agentur für Arbeit die Gleichstellung mit einer schwerbehinderten Person beantragen. Für Gleichgestellte gilt beispielsweise ebenso wie für Schwerbehinderte ein besonderer Kündigungsschutz. Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis besteht durch die Gleichstellung aber nicht.

Tipp: Eine Schwerbehinderung geht oft mit Pflegebedürftigkeit einher. Wer Leistungen der Pflegekasse erhalten möchte, muss zunächst einen Pflegegrad beantragen. Sobald der Pflegegrad anerkannt ist, besteht unter anderem Anspruch auf Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege oder Leistungen für die stationäre Unterbringung im Pflegeheim

Schwerbehindertenausweis beantragen: Schritt für Schritt

Nicht jede schwere Behinderung besteht von Geburt an: Durch einen Unfall oder eine Erkrankung kann sich der Gesundheitszustand plötzlich oder schleichend verschlechtern. Viele Betroffene stehen deshalb irgendwann vor der Frage, ob sie Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis haben. Folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung dient als Hilfestellung für alle, die den Schwerbehindertenausweis erstmalig beantragen möchten.

1. Hausarzt um seine Einschätzung bitten: Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Antrag auf den Schwerbehindertenausweis Erfolg hat, kann der Hausarzt einschätzen. Er kann auch die notwendige Dokumentation beisteuern und, sofern er durch den Patienten schriftlich von der Schweigepflicht befreit wird, Fragen der Behörden zum Gesundheitszustand des Antragstellers beantworten.

2. Zuständige Behörde ausfindig machen: Bei welcher Behörde der Schwerbehindertenausweis beantragt werden muss, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In der Regel ist das Versorgungsamt oder das kommunale Amt für soziale Angelegenheiten zuständig. Im Zweifelsfall kann die zuständige Behörde beim Bürgeramt erfragt werden.

3. Antrag auf Feststellung des GdB stellen: In vielen Bundesländern sind die Antragsformulare online verfügbar und können elektronisch ausgefüllt werden. Der unterschriebene Antrag wird (mit Anlagen) an die zuständige Behörde geschickt. Abgefragt werden üblicherweise:

  • Angaben zur Person
  • Informationen zu Bevollmächtigten/Betreuern/gesetzlichen Vertretern
  • Angaben zu Gesundheitsstörungen und ärztlichen Behandlungen
  • Antrag auf Feststellung bestimmter Merkzeichen (diese geben Auskunft über besondere Beeinträchtigungen, bei Feststellung besteht Anspruch auf zusätzliche Nachteilsausgleiche)
  • Antrag auf rückwirkende Feststellung
  • Gutachten und Anerkennungsbescheide von anderen Stellen (z. B. bei Pflegegrad oder Berufskrankheit

4. Bescheid von der Behörde abwarten: Nach Eingang wird der Antrag geprüft, in der Regel innerhalb von drei bis sieben Wochen. Wird der Antrag abgelehnt oder ist der Antragsteller der Meinung, dass das Amt den GdB zu niedrig eingestuft hat, kann er fristgerecht Widerspruch einlegen. Bei einem positiven Bescheid wird der Schwerbehindertenausweis ausgestellt.

5. Dauer der Gültigkeit beachten: In der Regel ist der Schwerbehindertenausweis für höchstens fünf Jahre gültig. Verändert sich während der Gültigkeit der Gesundheitszustand, sollten Betroffene ihren GdB erneut feststellen und ggf. den Ausweis entsprechend anpassen lassen. Besteht die Schwerbehinderung zum Ende der Gültigkeit weiter, sollte rechtzeitig eine Verlängerung beantragt werden.

Schwerbehindertenausweis verlängern: Das ist zu beachten

Der Schwerbehindertenausweis wird nur in manchen Fällen unbefristet ausgestellt, und zwar dann, wenn man davon ausgehen kann, dass sich der Gesundheitszustand des Antragstellers nicht ändert, ein GdB von 50 oder mehr also dauerhaft besteht. Die meisten Ausweise werden befristet ausgestellt, bei Bedarf muss man den Schwerbehindertenausweis also verlängern lassen. Die Plastikkarten bieten im Gegensatz zu den alten Papierausweisen nicht die Möglichkeit, einfach die neue Gültigkeit auf dem Dokument zu vermerken. Stattdessen wird im Zuge der Verlängerung ein neuer Schwerbehindertenausweis ausgestellt.

Damit Betroffene lückenlos einen Nachweis in der Tasche haben, sollten sie sich etwa drei Monate vor Ablauf darum kümmern, ihren Schwerbehindertenausweis verlängern zu lassen.

Gut zu wissen: Wer einen noch gültigen Schwerbehindertenausweis aus Papier hat, muss ihn nicht zwangsläufig umtauschen: Die Nachteilsausgleiche kann man auch mit ihm in Anspruch nehmen. Allerdings kann man den alten Schwerbehindertenausweis nicht verlängern oder Änderungen eintragen lassen. Stattdessen wird nun, sofern die Schwerbehinderung weiterhin besteht, direkt ein neuer Ausweis ausgestellt.

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