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Buchvorstellung 3 Fakten, die jede Frau über Wechseljahre kennen sollte

Wechseljahre: Frau mittleren Alters
© pixelheadphoto digitalskillet / Shutterstock
Wechseljahre werden immer noch tabuisiert, dabei betreffen sie früher oder später jede Frau. Apothekerin Diana Helfrich erklärt in ihrem Buch "Wechseljahre – Ich dachte, ich krieg´ das nicht!", was wir wissen sollten.

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen: Die Liste der Beschwerden, mit denen sich so manche Frau während der Wechseljahre auseinandersetzen muss, ist lang. Trotzdem wollen die meisten Frauen über diese Hormonumstellungsphase nicht einmal nachdenken. Apothekerin und Gesundheitsredakteurin Diana Helfrich möchte das Thema mit ihrem neuen Buch "Wechseljahre – Ich dachte, ich krieg´ das nicht!" deshalb enttabuisieren und uns allen so einen guten Wegbegleiter durch diese turbulente Lebensphase mitgeben.

Partywissen: Diese 3 Fakten über die Wechseljahre sollte jede Frau kennen

1. Plötzlich alt? Mitnichten!

Im Grunde fängt der Prozess der Wechseljahre schon lange vor dem Ausbleiben der Periode an: Etwa sechs bis acht Jahre vorher beginnen die Veränderungen im Zyklus. Das merken wir beispielsweise an plötzlich sehr kurzen oder auch deutlich längeren Abständen zwischen den Blutungen. Andere Frauen haben zwar noch einen regelmäßigen Zyklus, leiden aber plötzlich unter Schlafstörungen oder spannenden Brüsten. Und wieder andere Frauen haben überhaupt keine Beschwerden, bis die Periode schließlich ausbleibt.

2. Hormonersatztherapien müssen nicht verteufelt werden

Eine groß angelegte randomisierte Doppelblindstudie sollte in den 1990ern die positiven Effekte einer Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden belegen. Dafür wurden über 16.000 US-Amerikanerinnen in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe erhielt eine Tablettenkombination aus Östrogen und Gestagen, die andere ein Placebo. 2002 wurde die Studie abgebrochen: Bei den Patientinnen, die die Östrogen-Gestagen-Tablette erhalten hatten, waren vor allem das Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut einer Zwischenauswertung gestiegen.

Heute ist klar: Die damalige Studie war nicht dazu geeignet, um Frauen um die 50 bei der Entscheidung zu helfen, ob sie gegen starke Wechseljahresbeschwerden eine Hormonersatztherapie machen sollten. Denn die Teilnehmerinnen waren zur Zeit der Studie bereits durchschnittlich 63 Jahre alt, hatten die Wechseljahre in der Regel also schon hinter sich und litten bereits zuvor an gesundheitlichen Beschwerden wie Bluthochdruck oder Übergewicht. Auch die Wirkstoffe, die damals verwendet wurden, waren andere als heute.

Wechseljahre: Buchcover
© PR

 Nur leider gibt es zu den heutige üblichen so genannten bioidentischen Hormonen keine auch nur ansatzweise vergleichbar großen Studien. Wie groß die Risiken für jüngere Frauen sind, ist darum nicht ganz eindeutig. Laut einer der letzten größeren Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2017 entwickelten von 10.000 Frauen, die Östrogen- und Gestagentabletten erhielten, 43 Brustkrebs. Von den 10.000 Frauen, die ein Placebo bekamen, waren es 34. Zum Vergleich: Täglich ein kleines Glas Wein mit etwa zehn Gramm Alkohol zu trinken, erhöht das Brustkrebsrisiko auch bereits um sieben Prozent. Insgesamt lässt sich also sagen, dass sich das Risiko durchaus relativieren lässt.

Aber was heißt das nun für uns? Letztendlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, ob sie auf eine Hormonersatztherapie zurückgreifen möchte oder nicht. Voraussetzung ist ohnehin ein vertrauensvolles ärztliches Abklärungsgespräch, in dem die möglichen Risiken und Vorteile abgewogen werden. Wenn du unter starken Wechseljahresbeschwerden leidest, solltest du aber keine grundsätzliche Angst vor Hormonen und deren Nebenwirkungen haben. Sinnvoller ist es stattdessen, generelle Gesundheitsrisiken wie Übergewicht, Bewegungsmangel und den Genussmittelkonsum zu betrachten und möglichst auszuhebeln.

3. Es müssen keine Tabletten sein

Wenn du dich in ärztlicher Absprache für eine Hormonersatztherapie entschieden hast, ist es auch gut zu wissen, dass du dafür nicht zwangsweise auf Tabletten angewiesen bist – jedenfalls, sofern du nur Östrogen und kein Gestagen einnehmen willst.. Tatsächlich ist es sogar sinnvoller, Östrogen über die Haut mithilfe eines Gels, Sprays oder eines Pflasters aufzunehmen. Denn dadurch verringert sich die nötige Dosierung. Tabletten benötigen eine höhere Dosis, da der größte Teil des Wirkstoffs bereits in der Leber abgebaut wird, ehe er in den Blutkreislauf übergeht. Und beim Weg durch die Leber entstehen Proteine, sogenannte Gerinnungsfaktoren, die das östrogenbedingte Thromboserisiko tatsächlich erhöhen können. Noch mehr Tipps zum bestmöglichen Umgang mit den Wechseljahren gibt es im Buch.

Interview: 5 Fragen an Diana Helfrich

BRIGITTE.de: Liebe Diana, wann kam dir selbst zum ersten Mal der Gedanke: "Ich bin schon drin!"?

Wechseljahre: Diana Helfrich
Apothekerin und Gesundheitsredakteurin Diana Helfrich im Gespräch mit  BRIGITTE.de
© Stephanie Brinkkoetter

Diana Helfrich: Ganz am Anfang der Recherche. Da wurde mir klar, dass die Wechseljahre viel früher anfangen, als man denkt: Sechs bis acht Jahre vor der letzten Regel kommt es zu den ersten Veränderungen. Und die letzte Regel ist hierzulande mit ca. 51 Jahren. Das sind alles Durchschnittswerte, das heißt, es gibt auch 35-Jährige, die schon drin sind und womöglich Symptome haben.

Welche Konsequenzen hast du daraus für dich gezogen?

Ich hab mich natürlich nach Symptomen abgescannt. Aber offenbar bin ich entweder spät dran, oder ich gehöre zu den Frauen, die nichts auszustehen haben. Bei denen einfach nur die Regel irgendwann aufhört. 

Die meisten Frauen kennen Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen als typische Beschwerden. Gibt es auch eine eher überraschende Begleiterscheinung während der Wechseljahre?

Reichlich! Darum werden Symptome ja so oft nicht in Verbindung mit dem hormonellen Wechsel gebracht. Am Anfang – eben auch schon in den 30ern – sind das Beschwerden, die mit Progesteron zu tun haben: Dessen Spiegel sinkt als Erstes. Und weil das Hormon ein tolles Beruhigungsmittel ist, sind die Frauen gereizt und können nicht schlafen.

Außerdem kann wenig Progesteron zu Brustspannen und starken Blutungen führen. Erst dann kommen die bekannten Hitzewallungen, aber auch z. B. Gelenkschmerzen oder Herzrhythmusstörungen. Und wenn sich die hormonelle Lage am Ende der Wechseljahre neu eingependelt hat, treten Haut- und Schleimhautprobleme wie Scheidentrockenheit auf und – aus meiner Sicht total unterschätzt – Osteoporose, also brüchige Knochen.

Warum gelten die Wechseljahre immer noch so oft als Tabu-Thema?

Ich glaube, das setzt sich fort. Die Regelblutung ist ja auch ein Tabu, zumindest für die Generation, die jetzt in den Wechseljahren ist. Wir handeln das möglichst diskret ab. Das ändert sich erst gerade. Mal abgesehen davon ist auch im Jahr 2022 in vielen Köpfen noch irgendwo der Gedanke, dass eine Frau nur so lange etwas wert ist, wie sie Kinder kriegen kann. Oder: wie sie für Männer attraktiv ist.

Haben die Wechseljahre in deinen Augen auch etwas Gutes?

Oh ja. Denn wir können ja nicht verhindern, dass wir älter werden. Aber wir können sehr gut beeinflussen, wie wir alt werden, und was wir uns vielleicht noch ermöglichen, um es später nicht zu bereuen. Darum liegt eine große Chance darin, an die eigene Endlichkeit erinnert zu werden. Männer werden auch älter, aber sie bekommen nur eine Einladung zur Darmspiegelung.

Quelle

Helfrich, D.: Wechseljahre – Ich dachte, ich krieg´ das nicht!, mosaik Verlag, 2021

Brigitte

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