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Wechseljahresbeschwerden lindern: Das hat geholfen

Wechseljahresbeschwerden lindern: Das hat geholfen: Frau mit Hund am Strand
© wavebreakmedia / Shutterstock
Plötzlich sind sie da, die Wechseljahre – und jede Frau sucht ihren eigenen Weg, damit umzugehen. Yoga, an der Ernährung drehen oder doch Hormone nehmen? Fünf Frauen, fünf Entscheidungen.

"Was stelle ich jetzt mit meinem Leben an?"

Astrid Peacock, 61, Körperpsychotherapeutin

Ihr Weg: pflanzliche Präparate, Ausbildung zur Heilpraktikerin

Für mich war diese Phase, als ich in den Wechseljahren war und meine beiden Söhne in der Pubertät, ein großes Ohn­machtsgefühl. Wir waren immer sehr nah, und plötzlich war der Kontakt wie abgebrochen, und sie sind mir entglit­ten. Das ist normal bei Jugendlichen, es verunsichert einen aber trotzdem total.

Dann wurde meine Mutter krank. Ich kümmerte mich um sie. Da fragst du dich: War’s das? Wofür bin ich da? Was stelle ich jetzt mit meinem Leben an? Ich habe dann endlich gemacht, was ich schon seit meiner ersten Schwanger­schaft wollte, und mich zur Körperpsychotherapeutin und Heilpraktikerin ausbilden lassen. Das hat mir sehr geholfen. Ich bin ein sinnlicher Mensch, ich brauche den Kontakt zum Körper und zur Natur. Deswegen habe ich auch pflanzliche Präparate genommen: Traubensilberkerze und Isoflavone. Ich glaube, die haben mir geholfen.

Aber wichtig war auch, dass ich mir selbst in der Ausbildung immer näherkommen konnte, mich besser verstanden habe und die Achtsamkeit, auf der meine Therapiemethode basiert. Ebenso wie viel Bewegung, gute Ernährung und das Gleichgewicht zwischen Körper, Herz und Seele. Jetzt bin ich wieder ganz innig mit meinen Söhnen. Und mit mir.

"Ich lag wach und hatte Angst"

Barbara Decker, 55, Yogalehrerin

Ihr Weg: Intervallfasten, Ayurveda, Entspannung

Wechseljahre? Ich doch nicht! So dachte ich zumindest, als ich noch fern davon war. Und dass das was für Frauen ist, die eh immer jammern und klagen. Schließlich war ich doch sportlich, schlank und unkompliziert.

Bis 53 war ich symptomfrei, und dann kam sie doch noch, die Meno­pause, und hat mich kurz mal total überfordert. Ich bekam eine extreme Scheidentrockenheit, hatte einen unglaublichen Durst, schlagartige Hitzewallungen und Schmerzen in den Gelen­ken. Ich fühlte mich erschöpft und schwach und fiel in ein psychisches Tief. Ich zog mich zurück und schlief oft schon um 18 Uhr. Nachts wurde ich wach und bekam Angst um meine Existenz, meine Attraktivität, vor dem Alter: Wie soll das mit meinem Beruf als selbstständige Yoga-­Lehrerin denn weitergehen, mit Gelenkschmerzen und dieser Schwäche?

Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht auch über Hormonpräparate nachgedacht. Aber die waren für mich ausgeschlossen, weil ich mit 40 Jahren ein duktales Carcinoma in situ, die Vor­stufe zu einem aggressiven Brustkrebs, hatte und der – rein statistisch gesehen – getriggert werden könnte durch eine Hormonbehandlung. Also musste ich einen anderen Weg gehen: Drei Monate dauerte es, und einen Monat davon zog ich mich total zurück, ein bisschen wie für eine Kur. Ich ließ den Kaffee weg und den Alkohol, verzichtete auf Fleisch, Fett, Zucker. Dazu kamen Inter­vallfasten, regelmäßiger Schlaf, Ayurveda­ Öle, Entspannungsübungen, Atemtechniken, Spazierengehen statt Joggen.

Danach ging es wieder bergauf. Und jetzt, nach diesen Jahren des Wandels, kann ich sagen: Alles richtig gemacht.

"Meine Kraft kam sofort zurück"

Lisa Meier*, 53, Ministerialbeamtin

Ihr Weg: Hormongel

Vor ein paar Monaten habe ich zu meiner Frauenärztin gesagt: "Ich kann nicht mehr. So kann das nicht weitergehen! Das bin nicht mehr ich!" Ich habe einen fordernden Job, ich habe fünf Kinder, einen Mann, der kaum mit anpackt. Meine Kraft schwand zusehends, ich schaffte mein Pensum nicht mehr, und abends um acht fiel ich ins Bett. Wie sollte ich das durchhalten, bis die Kinder alle selbstständig wären? Was, wenn ich plötzlich gar nicht mehr könnte? Ohne mich würde doch alles zusammenbrechen. Diese Energielosigkeit, diese Müdigkeit und Erschöpfung haben mir große Angst gemacht. Dabei bin ich doch eine lebenslustige Power-Frau.

Meine Gynäkologin empfahl mir ein Hormongel, das sie selbst auch nimmt. Wir sind befreundet, wir sprechen über alles. Und kaum hatte ich das Zeug genommen, war die Kraft zurück. Sofort war ich wieder die Alte. Jetzt schauen wir mal, wie sich das entwickelt. Vielleicht nehme ich das Mittel ein paar Jahre, setze es ab und gucke, ob die Beschwerden wiederkommen. Wenn ja, nehm ich das Zeug weiter. Ich will mich nicht so quälen, sondern ich bleiben!

"Ich wollte nicht mehr fremdbestimmt sein"

Maike Schrader*, 53, Angestellte in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ihr Weg: Ernährungsumstellung, mehr auf sich selbst hören

Ich bin ein dünner, jugendlicher Typ und hatte mit 48 eine Beziehung zu einem 15 Jahre jüngeren Mann. Als er mich verließ, kam alles aus der Balance. Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Burn-out, ich ging in eine psychosomatische Klinik. Kindheitserinnerungen kamen hoch, ein Missbrauch.

Mithilfe von Verhaltenstherapie will ich nun mein inneres Gleichgewicht finden. Das ist auch der Grund, warum ich auf keinen Fall Hormone nehmen möchte: Ich will nicht mehr von außen fremdbestimmt sein. Stattdessen habe ich ganz intuitiv begonnen, mich anders zu ernähren. Alkohol, Zucker, schwarzen Tee lasse ich weg, weil ich die Sachen plötzlich eh nicht mehr vertrage. Und wenn ich nachts um drei aufwache, schreibe ich jetzt immer auf, was mich bewegt. Danach kann ich wieder einschlafen.

Die berühmten Schweißausbrüche allerdings werden wohl nicht mehr kommen, denn die Menopause habe ich bereits hinter mir: Meine letzte Periode hatte ich im Februar 2019. Was sich seitdem verändert hat: Meine Haut ist dünner geworden und meine Haare ebenfalls, und auch seelisch bin ich dünnhäutiger. Aber mittlerweile habe ich wieder neue Pläne: Ich will wieder rausgehen und mich sozial engagieren.

Und ich gönne mir jetzt, selbst wenn ich schon gehen wollte, doch noch diesen Augenblick auf dem Balkon, nur weil gerade die Sonne rausgekommen ist.

"Diese Streberinnen regen mich auf"

Sabine Knoll*, 54, PR-Agentin und Model

Ihr Weg: Augen zu und durch

Ich finde die Wechseljahre beschissen, und diese Wechseljahres-Streberinnen, die behaupten, alles easy, regen mich auf. Trockene Haut. Haare, die nicht nur grau werden, sondern stumpf. Nachts wach liegen und grübeln. Sechs, sieben, zwölf Mal am Tag diese Hitze, die bis ins Gesicht schießt. Dieses Gefühl von Aufgeblähtheit, an Hüften, Bauch, Busen. Als hätte man Dauer-PMS. Ich trage nur noch weite Klamotten. Obwohl ich seit Jahren Yoga mache und immer schon vorsichtig esse. Es ist irritierend, nicht mehr gesehen zu werden: Als wäre das Leben als attraktive Frau vorbei. Und schlimm, dass ich auch die anderen, gleichaltrigen Frauen so sehe und denke: Die werden immer runder und verhärmter. Hormone will ich trotzdem nicht nehmen. Ich habe mich schon mit der Pille nicht wohlgefühlt. Ich glaube, da muss man irgendwie durch. Das Einzige, was richtig toll ist: endlich Sex haben ohne die Angst, schwanger zu werden.

*Namen von der Redaktion geändert

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